. Indem er in dieser Weise von ihr sprach , sagte er : » Ich fühlte es , als ich sie kennen lernte , doch klar ist es mir erst nach und nach geworden , daß in ihr die Vereinigung zweier Ideale Gestalt und Leben gewonnen hat . Wird die Erde jemals ein einig einziges Schönheitsideal besitzen ? Ich weiß es nicht . Aber meine Yin ist es , nach der ich es meißeln oder malen würde , wenn ich Künstler wäre ! Und ich meine das nicht nur in körperlicher Beziehung . Die Summe aller seelischen Vorzüge kann nichts Anderes als nur Güte sein , und Yin ist ganz unfähig , etwas Anderes zu sein , als nur die Güte selbst . Ich habe um sie gedient , wie Jakob einst um seine Rahel diente , zwar nicht so lange , aber mit derselben Opferwilligkeit . Sie liebte mich , doch ihr Oheim weigerte sich , sie der Gefahr auszusetzen , sich von einem abendländischen Edelmanne , dessen Verwandte sie nicht anerkennen würden , später vielleicht verlassen zu sehen . Da lernte ich Ki Tai Schin kennen und verkehrte täglich mit ihm , doch ohne ihm auch nur ein einziges Wort über Yin zu sagen . Ich hatte früher die mongolische Rasse tief unterschätzt , wie fast jeder Europäer es tut , doch war es der Liebe gelungen , mir die Augen zu öffnen . Yin lebte in mir . Das gewann mir die Freundschaft dieses so hochgebildeten und weitblickenden Mandarinen . Er erfuhr den eigentlichen Grund meines Handelns nicht , aber wir wurden mit einander einig , das Werk zu schaffen , von welchem Ihnen sein Sohn berichtet hat . « Raffley hatte sich diesem Werke mit größtem Eifer hingegeben , doch erst als es zu einem überzeugenden Beweise gediehen war , hatte der Oheim ihn benachrichtigt , daß er ihn nun auch persönlich näher kennen lernen wolle . Um diese Zeit war es , daß Fu , wie ich ihn noch nennen will , seine große Studienreise in das Ausland unternahm , um am Schlusse derselben seinen Sohn aus dem Abendlande heimzuführen . Raffley , der sich seiner hocharistokratischen Familie wegen Blackstone nannte , sah endlich seinen Herzenswunsch erfüllt : Yin wurde sein ; Mutter und Oheim verließen mit ihr Peking , um sich an Raffleys Arbeit zu betätigen . In dieser ersten Zeit des Glückes wurde die Jacht gebaut , welche natürlich gar nicht anders als nur Yin heißen konnte . Aber einem Charakter wie Raffley konnte ein verheimlichtes Glück kein ganzes , kein volles sein . Er war unendlich stolz auf den Schatz , den er erworben hatte , und wollte ihn von seinen Verwandten anerkannt sehen . Er war es dieser Frau schuldig , daß sie von den Seinen so geehrt und so geachtet wurde , wie sie es verdiente . Darum ging er nach England . Er fand dort nichts als Widerstand . John Raffley , und eine Chinesin , pfui ! Es hatte da Szenen gegeben , welche er nicht beschrieb , sondern nur ahnen ließ . Aber da war ganz unerwartet ein glückverheißender Umstand eingetreten : der Governor wettete ebenso gern wie Raffley selbst und hatte während einer derartigen Szene eine Wette vorgeschlagen , welche von allen Beteiligten acceptiert worden war . Er wollte mit nach China gehen , um diese Yin zu sehen . Gefiel sie ihm , so sollte sie anerkannt und als vollständig ebenbürtig betrachtet werden ; gefiel sie ihm aber nicht , so hatte Raffley auf Alles zu verzichten , was er war und was er besaß . Diese Bedingungen wurden amtlich festgestellt , beglaubigt und von allen dabei interessierten Personen unterzeichnet . Dann trat Raffley mit dem Governor die Rückfahrt an , vollständig überzeugt , daß er gewinnen werde . Der alte Gentlemann aber forderte , daß unterwegs niemals von Yin gesprochen werden dürfe , weil dies sein Urteil im voraus beeinflussen könne , und Raffley weigerte sich nicht , auch hierzu seine Einwilligung zu erteilen . Das also war die » große Wette « , von welcher der Governor einige Male vertraulich zu mir gesprochen hatte , und darum war diese schöne Yin für ihn ein » Gespenst « , vor welchem er sich scheute . Je näher er China gekommen war , desto mehr hatte sich in ihm die Befürchtung vergrößert , daß er einer Niederlage entgegengehe . Als Raffley mir das Alles erzählt hatte , ging er mit mir zu Tsi und teilte ihm mit , daß und aus welchem Grunde ihr beider Reiseziel dasselbe sei . Das Erstaunen des Chinesen war ebenso groß wie seine Freude . Hatte er mir doch so richtig ahnend gesagt , daß er sich diesen Blackstone ganz wie Raffley vorstelle . Nun war mit einem Male Alles glatt und klar geworden , und es sollte für Tsi noch eine ganz besondere Genugtuung geben , denn zufällig näherte sich uns jetzt der Governor , zu welchem Raffley sagte : » Dear uncle , steht fest , und haltet Euch irgendwo an ! Es ist ein Ereignis unterwegs , welches Euch sehr leicht ins Wackeln bringen kann ! « » Ich wackele nie ! « behauptete der Onkel . » Aber jetzt wahrscheinlich doch ; wollen sehen ! « Er nahm den Chinesen bei der Hand , zog ihn bis vor den Governor hin und fragte diesen : » Wer ist dieser Gentleman ? Kennt Ihr wohl seinen Namen ? « » Ah , so ! Jedenfalls ein Witz ! Well , gehen wir darauf ein ! Dieser Gentleman ist mein Freund und heißt Doktor Tsi . « » Nein , so heißt er nicht , sondern Ki Ti Weng . « » Ki - - Ti - - Ti - - Ti - - « machte der Uncle , indem sein Gesicht bei jedem » Ti « immer erstaunter wurde . » Ti - - Ti - - - Wang , Wing oder Weng ! So heißt doch