Rennen den Kiss-y-Darr80 reite , werde er sofort unter die Aeltesten der Taki-Kurden aufgenommen ; in einem Jahre könne er schon Scheik geworden sein , und dann werde sich kein Ustad mehr weigern , die Dschamikun durch einen Bund mit den Taki-Nachbarn so mächtig zu machen , daß sich kein Feind mehr an sie wagen könne . « » Ah , so ! Das , das ist die Leimrute gewesen , an welcher Tifl hängen geblieben ist ! Er glaubte , es gut mit uns zu meinen ? « » Wie denn anders , Effendi ? Denkst du etwa , daß Tifl im stande sei , jemals unsern Schaden zu wollen ? Das Kind ist eben noch dumm . Ich habe es zu erziehen . Später , wenn diese Erziehung vollendet ist , wird es keinem Scheik ul Islam mehr gelingen , ihm Sand in die Augen zu streuen . Und das Kind ist nicht bloß dumm , sondern auch gescheidt und klug . Es wird sich drüben bei den Taki-Kurden umschauen und sehr bald einsehen , daß man es dort nur an der Nase führen will . Dann kommt es wieder . Darauf kannst du dich verlassen , Effendi . Ich freue mich schon darauf ! « » Wie hieß das Pferd , welches er gegen uns reiten soll ? « » Kiss-y-Darr . « » Sonderbarer Name ! Was ist das für ein Pferd ? « » Das weiß ich nicht . Tifl hat mir weiter nichts gesagt , als daß es eigentlich das Eigentum des Ustad sei . Nun aber muß ich in die Küche , Effendi , weil es heut eine große Sukdscha81 mit Zucker und Zitrone gibt . Die hat der Ustad mich gelehrt , zu machen . Sie ist eines seiner Leibgerichte in der warmen Jahreszeit , und so soll er sie heut bei seiner Heimkehr haben . « » So hüte dich , wieder Salz anstatt Zucker zu nehmen ! « » Allah verhüte es ! Aber mein Aerger ist noch nicht heraus , und so wäre es wohl kein Wunder , wenn ich es täte ! « Sie kehrte in ihr Reich zurück , und ich setzte meinen unterbrochenen Weg nach der Pferdeweide fort , wobei ich mich mit einigen Aepfeln versah , nicht nur für Syrr , sondern auch für Assil . Denn , so lächerlich es auch klingen mag , weil es sich doch nur um Tiere handelt , es erschien mir ungerecht , dem einen , wohlverdienten , Etwas vorzuenthalten , was das andere bekam , ohne schon auch nur Aehnliches geleistet zu haben . Sie standen bei einander , fast zärtlich Kopf an Kopf . Ich gab ihnen die Aepfel nicht direkt , sondern ich legte sie vor sie hin in das Gras . Beide senkten die Köpfe zu gleicher Zeit , hoben sie aber auch zugleich wieder in die Höhe . Warum ? Aus Neidlosigkeit . Edles Blut ! Keine Spur von Habgier . Jedes von ihnen sah , daß das andere die Früchte haben wollte und zog darum den Kopf bereitwillig zurück . Keines langte wieder nieder . Syrr aber rieb sein Maul an Assils Hals . War das eine Aufforderung , zu nehmen und zu fressen ? Ich hob die Aepfel auf und gab jedem das Seinige . Da langten beide zu - - - Tiere ! Von jetzt an versorgte ich auch Assil wieder mit eigener Hand . Er war das so gewohnt und hatte es verdient . Eben als ich beiden Pferden ihre Abendgerste gab , sah ich drüben jenseits der Ruinen einen Reiter kommen , den Duar vermeidend , über Stock und Stein , aus dem hintern Tal herauf quer auf die Brüche zu . Das war fast wagehalsig ! Als er den obern Steinbruch erreichte , erkannte ich ihn ; es war - - - Tifl . Als ob das Wort seiner Pekala ihn herbeigezogen hätte ! Er lenkte nach dem Glockenwege und dann linksab zu mir . Der Schritt seines Pferdes wurde immer langsamer und zögernder , je näher er mir kam . Endlich hielt er ganz an , wohl über zehn Pferdelängen von mir entfernt . » Effendi , darf ich wiederkommen ? « fragte er . Ich antwortete nicht . Er wartete eine kleine Weile und fuhr dann verlegen fort : » Da drüben ist die Hölle ! Ich mag nichts von ihr wissen ! « Natürlich blieb ich still . » Und heut kam der Sonntag ! Am Freitag plärrten sie den ganzen Tag . Das klang so kindisch . Fast habe ich mich an ihrer Stelle geschämt ! Nun betete ich heut . Sie sahen es . Ich tat es still ; ich plärrte , plapperte und murmelte nicht wie sie . Da lachten sie mich aus und schimpften mich einen Kafir82 . Ich dachte an unsere Glocken , an unsern Sonntagsgesang , an unser Beit-y-Chodeh , an meine gute Pekala , an den Ustad , an dich , Effendi , an Alles , Alles , Alles ! Da hielt ich es nicht länger aus . Ich mußte fort , nur fort ! Ich kann die Gesichter da drüben nicht leiden . Sie sind so sanft , so fromm und doch so unverschämt ! Als ob sie lauter heilige Engel seien und ich ein ganz verlorenes , von Gott verstoßenes Subjekt ! Sie wollten mir meinen Chodeh nehmen , den ich verehre . Sie sprachen schlecht von meinem Ustad , den ich liebe . Und sie sprachen von den Dschamikun wie von ganz albernen Geschöpfen , denen man ihren Ustad verbieten müsse , wenn man brauchbare Menschen aus ihnen machen wolle . Das ergrimmte mich so , daß ich sie hätte erwürgen mögen , diese Dummköpfe . Aber ich kämpfte meinen Zorn nieder , ging heimlich aus dem Duar , holte mir mein Pferd von der Weide und - - - - - - nun bin ich wieder da , Effendi ! « Das war eine