gerecht gewesen , und an Allem dem trug , wenn er ' s recht bedachte , auch Angelika wieder die Schuld ! Unwillkürlich fuhr er sich mit der Hand gegen die Brust . Da brannte er ihn immerfort , der Schmerz : Angelika liebte Herbert , sie selbst hatte es ihm gestanden , fast ohne sein Zuthun , freiwillig gestanden ! Er war sehr unglücklich ! - Der Caplan , die Herzogin wußten es , ja - und was das Schlimmste war , es wußte es auch der Marquis ! Er hatte diesen niemals gern gesehen . Die große Leichtfertigkeit desselben , seine Lust an kleinlichen Erfolgen , selbst die Weise , in welcher er sich über seines Königshauses , seines Vaterlandes und über sein eigenes Schicksal fortzusetzen wußte , däuchten dem Freiherrn eines Edelmannes nicht würdig . Daß der Marquis ihn jetzt gar in die Lage brachte , seinen Gast von dem Amtmanne , von einem seiner Diener , anklagen zu hören , daß der Marquis ihn dazu zwang , ihm Vorstellungen zu machen , war ihm widerwärtig - und ernstliche Vorstellungen mußte er ihm machen , denn es waren bereits mehrfach ähnlich klagende Berichte zu des Freiherrn Ohr gedrungen . Den Freiherrn hatte der Schlaf die ganze Nacht geflohen . Seine Nerven waren abgespannt , sein ganzes Wesen bedrückt , und das nasse , bleifarbige Gewölk , das keinen Sonnenstrahl hindurchließ , die unbewegte , schwere Luft des schwülen Herbsttages waren nicht geeignet , ihn zu befreien oder zu beleben . Die Mahlzeiten waren unter einer erzwungenen Heiterkeit vorüber gegangen , der Baron , äußerst mäßig in Speise und Trank , hatte gegen seine Gewohnheit reichlicher Wein getrunken , um zu vergessen , was ihn drückte , oder um sich wenigstens über die ihm jetzt lästige Stunde des Beisammenseins mit seinen Hausgenossen hinweg zu helfen . Während man speiste , bestellte er sein Pferd , um auszureiten , indeß der Nebel , welcher den ganzen Tag beherrscht , hatte sich endlich in einen jener Regen verwandelt , denen man es ansieht , daß sie lange währen ; und weil er Luft und Bewegung nöthig hatte , nahm er wieder zu der Gallerie - so nannte man jenen Saal im Erdgeschosse - seine Zuflucht . Dorthin folgte ihm wie gewöhnlich der Marquis . Es war dem Freiherrn eben recht . Als sie sich allein mit einander befanden und mehrmals schweigend in dem Zimmer auf und nieder gegangen waren , sagte der Freiherr : Haben Sie vielleicht davon gehört , Marquis , daß ich meinen Amtmann entlasse ? Nein , versetzte der Marquis , aber Sie thun sicherlich sehr wohl daran ! Weßhalb ? Was wissen Sie davon ? fragte der Freiherr . O , der Mensch hat einen Ton , Manieren ! Er spielt den bourgeois gentilhomme . Er ist sicherlich einer von denen , die auch bei Ihnen gerades Weges auf die sogenannte Freiheit und Gleichheit lossteuern würden , wenn man sie nicht im Zügel hielte . Er wußte ja gar nicht mehr , was ihm geziemte und wer er war ! rief der Marquis , in dem sicheren Glauben , sich dem Freiherrn damit angenehm zu machen . Aber er verfehlte seine Wirkung . Es verdroß den Baron , seinen Amtmann von dem Fremden tadeln , es sich dabei gleichsam vorwerfen zu lassen , daß er ein Ungebührliches unter seinen Leuten geduldet habe , und mit der ihm eigenthümlichen stolzen Würde sprach er : So sollten wir in unseren Tagen um so ernstlicher darauf denken , es nicht zu vergessen , wer wir sind und was uns ziemt ! Der Marquis blieb stehen . Er hatte in seiner gegenwärtigen Abhängigkeit jenes Ehrgefühl nicht verloren , an welches der Freiherr seine Mahnung erhob , es hatte sich im Gegentheil durch seine jetzige Lage steigern müssen , da es mit seiner anmuthigen Person das Einzige war , was ihm von den Umständen nicht genommen werden konnte ; und den feingepuderten Kopf hochfahrend zurückgeworfen , um sich damit der hohen Stattlichkeit seines Beschützers wenigstens im Aeußern so viel als möglich gleich zu stellen , sagte er : So ziemt es mir sicher auch , zu erfahren , Herr Baron , womit ich diese Anmahnung verschuldet ! Es war seit gestern das zweite Mal , daß ein jüngerer von ihm abhängiger Mann , ein Mann , dem der Baron sich in jeder Rücksicht überlegen wußte , sich ihm herausfordernd und auf sein Recht pochend entgegenstellte , und unwillkürlich sagte er sich , wie der Trotz des Amtmannes es gewesen sei , der den Marquis ermuthigt habe . Das brachte des Freiherrn erhitztes Blut in Wallung , und lebhaft auffahrend , rief er : Vor allen Dingen hätte es Ihnen wohl geziemt , es mir zu ersparen , daß meine Leute sich bei mir über den Leichtsinn und die Sitten meines Gastes beklagen müssen . Sie haben die Tochter meines Reitknechtes verführt , mein Unterförster hat sich über Sie zu beschweren gehabt , der Amtmann .... Aber der Zorn des Barons brachte auf den jungen Franzosen , entweder weil er diese Art von Vorwürfen nicht eben erwartet haben mochte , wirklich eine komische Wirkung hervor , oder er hoffte , sich mit einem Scherze am leichtesten der Verlegenheit entziehen zu können , denn er rief lachend : Parbleu , mein Herr Baron , eine Hofdame , eine Prinzessin wäre mir allerdings lieber gewesen , aber weßhalb wollen Sie einem jungen Manne einen etwas geschmacklosen Zeitvertreib gleich zum Verbrechen machen ? Irre ich mich nicht , so haben auch Sie sich seiner Zeit in Ermangelung eines Besseren gar wohl zu bescheiden verstanden , Herr Baron ! Der Freiherr ballte die Hand zusammen , die er vornehm in den Falten seines Jabots hielt . Wir sprechen von Ihnen , nicht von mir , Marquis ! sagte er mit scharfer Betonung . Der Amtmann hat gedroht , vorkommenden Falles sein Hausrecht wider Sie zu brauchen , und ich wüßte nicht , wie ich ' s