oder , was eine von ihm sehr beliebte Stätte zu sein schien , auf den Düngerhaufen der Gehöfte , wo er die sich ihm Verschreibenden mit Jauche taufte - oder auch auf hohen Bergen oder freien Feldern mit einer ganzen höllischen Genossenschaft und allen Nahewohnenden , die sich ihm ergeben wollten , zur Veranstaltung von Hexentänzen und scheußlichen Orgien . Bald zogen die geistlichen Gerichte dieses Unwesen vor ihren Stuhl ; aber anstatt durch Aufklärung und Belehrung dem dämonischen Hange der menschlichen Natur entgegen zu wirken , bestärkte man denselben durch Nähren des Aberglaubens , indem man alles nicht gleich Erklärliche zu einem Uebernatürlichen stempelte . Daran knüpfte sich eine schauderhafte Verfolgungssucht , welche nicht nur ganz Unschuldige und nur böswillig von feindlich gesinnten Personen Angeklagte den gräßlichsten Martern und dem schrecklichsten Tode unterwarf , sondern auch Schuldige machte . Denn da es bald als Leichtsinn , bald als Gotteslästerei galt , die Möglichkeit solcher Zaubereien und Teufelspakte zu leugnen , wiewohl im aufgeklärten Nürnberg die Sache wenig Anklang fand , so bemächtigte sich besonders zuerst der unwissenden niedern Klasse der Glaube daran , und dazu kam der Reiz der Neugier und der Verführung durch eigene Gelüste , die Sache doch auch zu versuchen und zu sehen , was sich durch Zaubersprüche , Hexensalben und Getränke erzielen lasse - wenn es auch nicht gleich so weit ging , die persönliche Erscheinung und Hülfe des Teufels in Anspruch zu nehmen , oder sich ihm mit Gut und Blut zu verschreiben . Zu Denen , welche am begierigsten waren dergleichen Dinge zu versuchen , gehörte die alte Jacobea ; und sie konnte es um so kühner versuchen , als man in Nürnberg noch keinem Menschen den Proceß als Hexe gemacht hatte und sie hoffen durfte , daß sie Dies oder Jenes durch ihre Zaubermittel werde bewerkstelligen können , ohne deshalb in den Verdacht der Hexerei zu kommen . Jetzt eben braute sie aus allerlei Giftwurzeln und thierischen Eingeweiden unter Absingung des Hexensegens ein Pulver , von dessen kleinsten Theilen sie sich eine langsam , aber sicher tödtende Wirkung versprach . Von draußen schlug niederströmender Regen an das kleine trübe Fenster , und da es schon ziemlich dunkel war , bemerkte Jacobea um so weniger , daß Jemand wiederholt an das Fenster pochte . Die schwarze Katze , die an der verriegelten Thüre Wache hielt , hatte ein feines Gehör und sprang unwillig miauend wider das Fenster . Sei es durch diesen Sprung oder durch das stärkere Pochen und Drücken von außen ; der lockere Wirbel des einen Fensterflügels wich , dieser sprang auf , und eine dürre alte Hand schob ihn noch weiter zurück und eine heisere Stimme rief : » Jacobea ! laß mich ein ! « Jacobea fuhr zusammen von kaltem Schauer überrieselt . Kam jetzt wirklich der Gott-sei-bei-uns ! selber , den sie in einem sinnverwirrten Spruche angerufen , ohne sich viel dabei zu denken ? Auf solch ' eine Erscheinung war sie doch nicht vorbereitet . Sie zitterte an allen Gliedern und fiel auf die Kniee . Aber lauter rief es draußen : » Jacobea ! laß mich nicht länger im Regen stehen ! Nimm die Nestler-Kathi auf , wie sie einstens Dich aufgenommen ! « Die Alte sprang auf . Das war eine Frauenstimme ! die Nestler Kathi ! Sie hatte sie lange nicht gesehen , aber dieser Name und diese Stimme riefen Erinnerungen aus ihren besten Tagen wach . Sie sprang auf und eilte die Hausthür zu öffnen . Ein Frauenzimmer in ärmlich bürgerlicher Kleidung und vielleicht ein Jahrzehent jünger als Jacobea trat ein , warf einen durchnäßten Leinenmantel ab und ein großes Paket an die Erde . » Da komm ' ich mit Sack und Pack ! « sagte die Eintretende . » In Regensburg , das der Herzog Albrecht so gut wie zumauern läßt , mocht ' ich nicht bleiben und bin mit Tausenden ausgewandert , die auch nicht viel mehr zu verlieren haben als das Leben . Nun dacht ' ich in Nürnberg ein Unterkommen zu finden , wollt ' aber bei Euch erst einkehren und mir Rath erholen . Und Ihr laßt mich unbarmherzig eine Stunde im Regen stehen und vergeblich pochen und rufen . « » Konnt ' ich denken , daß Ihr es waret ? « sagte Jacobea ; » hätt ' ich doch eher sonst wen erwartet denn Euch , Muhme , die ich so lange nicht gesehen ! Läßt man doch auch in nächtlicher Zeit nicht gleich Jedes ein ! « » Hab ' t Ihr da etwas Warmes ? « fragte die Angekommene auf den Kessel deutend : » es würde mir gut thun . « » Das hier schwerlich ! « antwortete Jacobea , » aber es ist fertig und der Kessel kann einem andern Platz machen . « Indeß sie sich anschickte eine Suppe zu bereiten , besprachen die beiden Frauen , die sich lange nicht gesehen , ihr wechselndes Geschick , und Katharina Nestler erzählte das ihres Sohnes Konrad , das wir schon aus dessen eigener Mittheilung an Ulrich kennen , und damit ihr eigenes , dem sie nur hinzuzufügen hatte , daß sie nun , wo sie um ihres Sohnes Willen keine Ursache mehr habe zu verheimlichen , daß nicht ihr angetrauter Gatte , sondern der reiche Herr Christoph von Scheurl der Vater ihres Sohnes sei , sie jetzt , da sie obdachlos sei und mit ihrer ganzen geringen Habe aus dem bedrohten Regensburg geflüchtet , von Scheurl , der , wie sie gehört , die schönste Nürnbergerin gefreit , an der selbst König Max Gefallen gefunden , zu verlangen , daß er ihr auf ihre alten Tage zu leben gebe , nachdem er sich ihrer Jugend gefreut , und sie des Sohnes , der ihr eine Stütze hätte sein sollen , sich beraubt sah durch eben diese eigene Sünde , wie die des Vaters , die erst so spät an den Tag kam und erst nach zwanzig Jahren die Strafe mit sich