zu machen ? « fragte lachend der Minister des Hauses . » Nicht so ganz , Excellenz ; vielmehr um der ersten Sängerin ihren Willen zu thun . « » Wie so ? « - » Wie sie wissen , Excellenz , war die Oper fünfmal an Wochentagen bei mäßig besetztem Hause , also natürlicherweise auch ohne viel Spektakel , ohne großen Applaus , weßhalb Frau Wiesengrün-Spitzkopfin , meine Coloratursängerin , erklärte , sie werde den schwarzen Domino das nächste Mal nur an einem Sonntage singen . « » Wer hat denn beim Theater eigentlich zu befehlen ? « » Dem Namen nach ich , Excellenz , in Wirklichkeit dagegen sämmtliche Künstler und Künstlerinnen , die Regisseure , der Inspizient , die Maschinisten , die Schneider und dann die Zimmerleute . « » Ja , ja es ist ein eigenthümliches Verhältniß , « meinte der Oberststallmeister , indem er still vor sich hin lächelte . » Wir kennen das ; namentlich die ersten Damen der singenden und der tanzenden Kunst haben mir vor der Zeit graue Haare gemacht . « » Das ist ja die umgekehrte Welt , « sagte der Minister des Hauses ; » da wären Sie ja der Sklave ihrer Untergebenen . « » Und welcher Sklave ! « versetzte wehmüthig der Intendant , der nachdenkend zum Fenster hinaus blickte . » Von welchen Launen bin ich abhängig , von welchen Kleinigkeiten ! Ich will nicht sprechen von großen Ereignissen , die überall vorkommen können , von einem Unwohlsein , das ohne alle Verschuldung eintritt , von der Krankheit , welche sich eine Sängerin geholt , weil sie die Laune hatte , am ersten feuchten , kalten Frühlingstage den Kaffee im Freien trinken zu wollen . Ich klage nicht über Störungen , die oftmals beim Theater entstehen , wenn sich ein zartes Verhältniß knüpft oder löst , oder über eine heftige Migräne , die gewöhnlich eintritt , weil eine Kollegin besser gefallen oder mehr applaudirt wurde . Gott der Gerechte ! davon will ich nicht sprechen ; nein ! nein ! aber ich werde auf dem Bureau in meinem Hause , zu jeder Tagesstunde geärgert , geplagt , geschunden wegen einer nichtswürdigen Grille , einer Laune , wegen einem neuen Kleide , oder einem Besatz auf ein altes , wegen einer Schleife , wegen eines Wortes , das der Regisseur oder der Kapellmeister einer dieser Prinzessinnen zu viel sagte , wegen eines Zeitungsartikels , und Gott weiß , wegen was Allem sonst noch . « » Sie sind wirklich ein beklagenswerther Mann , « antwortete lächelnd der Oberststallmeister . » Aber , mein lieber Baron , keine Rose ohne Dornen ; - und das müssen Sie schon zugeben « : Rosen wachsen genug in Ihrem Garten . » Euer Excellenz haben gut reden , « entgegnete der Intendant des Hoftheaters , indem er sich verbeugte ; » aber ich versichere Sie nochmals , die Sklaverei , in der ich lebe , ist oft unerträglich . Ich sitze zitternd an meinem Kaffee , - es klingelt . Der Theaterdiener . - Das Stück kann heute Abend nicht sein , Herr H. ist unwohl und kann nicht spielen ; das heißt in Wahrheit , er hat sich ein paar neue himmelblaue Tricots von Paris verschrieben und die sind noch nicht angenommen , oder seine Frau hat ihm gesagt , er plage sich in der letzten Zeit übermäßig und solle nun auch einmal einen Anderen für sich arbeiten lassen . - Bei meinem Mittagessen dieselbe Geschichte : mein Ohr hört oft nicht auf das , was meine Frau spricht , nicht auf das Geplauder der Kinder , es erwartet nur den fatalen Ton der Klingel . Das quält mich so fort den ganzen Tag , beunruhigt Nachts meine Träume ; ja , da erscheint mir der Theaterdiener mit der Meldung , das ganze Personal sei plötzlich davon gelaufen oder gestorben und ich müsse heute Abend Robert den Teufel ganz allein spielen . « » Das mag allerdings hart sein , mein bester Baron , « sagte die Excellenz vom Stalle . » Aber glauben Sie mir , auch ich muß Meldungen der unangenehmsten Art anhören . « » O , Excellenz können Ihr Departement nicht mit dem meinigen vergleichen ! « entgegnete eifrig der Intendant . » Sie haben es mit ruhigen , sanften , ja man kann sagen mit vernünftigen Thieren zu zu thun . - Ich aber - « » Stille ! stille ! « bat der Minister des Hauses . » Lieber Baron , wenn das ihre Primadonna hörte , wir hätten wahrhaftig in dem nächsten halben Jahr keine Oper . - Aber um wieder auf besagten schwarzen Domino zurückzukommen - « » Euer Excellenz scheinen sich gern mit dem schwarzen Domino zu befassen ? « » O lieber Freund , « lächelte einigermaßen geschmeichelt der Minister , » ein ältlicher Mann wie ich ! « - wobei er aber doch einen verstohlenen Blick in den Spiegel warf und dort bemerkte , daß die neue sanft melirte Perücke eine vortreffliche Wirkung hervorbringe . - » Was ich also bemerken wollte , « fuhr er fort , » so hat der Herr für heute Abend ausdrücklich den schwarzen Domino befohlen . Sie wissen , er war die letzten drei Mal verhindert , die Oper zu besuchen . « » Ich kann Seiner Majestät diesmal wahrhaftig nicht helfen , « sprach achselzuckend der Intendant . » Gott der Gerechte ! ich habe es ja bei Madame Wiesengrün-Spitzkopfin auf ' s Allerdringlichste versucht , aber schon bei der leisen Andeutung fuhr sie mit der Hand über die Stirne und versicherte mich , es werde ihr jetzt schon ganz dunkel vor den Augen . « Während dieses Gesprächs war der Hofmarschall ebenfalls leise wieder näher getreten , wurde aber in seiner Aufmerksamkeit durch einen der Oberhoffouriere gestört , der ihm ein Blatt Papier überreichte und ihm ein paar Worte zuflüsterte . » Das ist ja ganz unmöglich ! « rief der