aber heulte Elisi drinnen das Haus voll , und Trinette heulte draußen ums Haus herum wie ein Hund unter einem Baum , auf den eine Katze sich geflüchtet . Vreneli mußte seine ganze Tapferkeit aufbieten , um vor dem Ärgsten zu sein . Es mußte für Joggeli in Riß stehen und gegen die Kinder den Vater schützen , über den das ganze Wetter losbrach , den selbst Elisi verwünschte auf eine schauerliche Weise . Vreneli war vielleicht der einzige Mensch auf der Welt , vor dem Johannes noch einigen Respekt hatte , und von Jugend auf mit ihm bekannt , kannte es auch , was auf ihn Eindruck machte . Freilich mußte es sich von ihm bittere Sachen sagen lassen , wie sie mit unter der Decke gesteckt und wie man endlich sehen werde , wie sie den Vater beschummelt und was man an ihnen verlieren müßte . Es mußte sehen , wie bei Trinette zum Zorn noch die Eifersucht kam , als sie sah , daß Vrenelis Worte Macht über Johannes hatten . » So , von der nimmst du das an , von so einer lässest du dir das sagen . So , jetzt merke ich , warum du immer hierher gefahren und mich nicht hast mitnehmen wollen . Jetzt das noch zu allem andern « , und fing an zu heulen , als ob sie hundert hungrige Hyänen im Halse hätte und gute Lust , ihre Tatzen an Vreneli zu versuchen . Dann brachte man noch Elisis Kinder samt der Nachricht , daheim hätte man ihm alles versiegelt . Johannes wollte alles mit der Peitsche fortjagen , und Trinette wollte alles , was Joggeli hatte , aufpacken und fortnehmen , und Joggeli saß da und stierte herum , wollte an nichts schuld sein , sagte , sie könnten seinethalben machen , was sie wollten . Die Frau selig habe alles auf dem Gewissen , sie hätte ihm den Spitzbub hergeschleppt , sie könne seinetwegen jetzt auch zahlen , er habe nichts mehr und werde wohl noch dem heiligen Almosen nach müssen . Er habe ihr oft gesagt , es käme so , aber sie habe es ihm nie glauben wollen . Vreneli wußte in dem greulichen Spektakel nicht anders zu helfen , als zu Uli zu sagen : » Um Gottes willen tue mir den Gefallen , nimm das beste Roß im Stalle , fahr , so schnell du kannst , zum Bodenbauer und bringe ihn her ; der alleine kann sie setzen und weiß den besten Rat , sonst gibt es wahrhaftig noch ein Unglück . Ich kann nicht allenthalben sein und alle hüten . Statt daß sie allmählich sich fassen und ergeben , werden sie nur noch zorniger , erbitterter auf einander ; es ist ein greulich Dabeisein und traurig , wie ein Mensch sein Unglück sich selbst noch unerträglich machen muß . Es ist gerade , wie wenn ein Mensch , der einen Zentner Eisen tragen soll und schwer daran zu tragen hat , denselben noch glühend macht , um ja recht doppelt Qual zu leiden unter ihm . « Uli war dieses Gedankens froh , doch bangte er um Vreneli . » Aber du bist dann alleine , « sagte er , » und selb ist nicht richtig unter solchen Menschen . « » Habe nicht Kummer , « antwortete Vreneli , » Johannes tut mir nichts und die Weibsbilder fürchte ich nicht . Aber fahre rasch , es ist mir angst um Joggeli . Wenn niemand wehrt , so plündern sie ihn vollends aus , und hintendrein , wenn die Gläubiger kommen und nichts mehr da ist , gibt es wüste Geschichten . Mit dem Johannes ist es auch nicht richtig , wie ich merken mochte , der wird auch gemacht haben , was er konnte . Die Liebe war es nicht , welche so oft ihn hergebracht . « Uli sputete sich , schonte das Pferd nicht . » Wenn die Base das hätte erleben müssen ! dachte er . Aber , dachte er wieder , wenn sie gelebt , wäre das nicht begegnet . Wie wenn man in einem Gebäude einen einzigen Stein wegnehme und dadurch dasselbe aus allen Fugen , vielleicht zum Umsturz bringen könne , so gebe es auch einzelne Personen in Familien . Auf einer einzigen Person ruhe das Ganze , sie halte es zusammen ; bei ihren Lebzeiten merke man es vielleicht nicht einmal so recht , erst wenn sie gestorben sei , in Trümmer das Ganze auseinandergehe , merke man , daß sie der Eckstein gewesen . Wie man doch das Gleiche verschieden nehmen könne , dachte er , und wie man erst , wenn was zu tragen sei , merke , ob einer Kraft habe oder keine . Er wisse wohl , er sei ein armer Sünder , aber um alles in der Welt möchte er nicht an ihrer Stelle sein . Er sehe wohl ein , daß er nichts davon , bringe , denn dies Unglück werde auch ihm an die Beine gehen , und jedenfalls werde ihnen noch etwas übrig bleiben , ihm aber nichts als vielleicht noch Schulden . Indessen wüßten er und Vreneli zu sparen und zu arbeiten , Angst habe er nicht , er habe sich darein ergeben , es zu nehmen , wie es komme , und damit zufrieden zu sein . Aber wie Joggelis Kinder es mit Wenigem machen würden , da es nicht mit Vielem gegangen , dazu weder arbeiten noch entbehren könnten , das begreife er nicht . Das gebe die unglücklichsten Leute , welche immer zwischen Können und Mögen hingen , an allen andern Orten den Fehler suchten , nur nicht an ihnen selbst , und da , her auch so wüst täten ohne Unterlaß , sich verfeindeten allenthalben , wo sie Freunde doch so nötig hätten . Er dankte Gott nicht , daß er nicht sei wie jene , aber er fühlte sich doch glücklich , daß er nicht in ihrer Haut war