die Welt ! « fiel Bianca ein . » Aber hören Sie ! Morgen zwischen vier und fünf Uhr ist Concert im Elbpavillon . Ich muß dort erscheinen , um - doch wozu davon sprechen ! - Am dritten Fenster des Saales vom Millernthor her mit der Aussicht auf die Anlagen werden Sie mich finden . Ich trage ein schwarzes Kleid und ein Sträußchen vor der Brust mit einer dunkelrothen Nelke . « » Adieu , Bianca , auf Wiedersehen ! « Aurel drängte sich durch die fortstürzende Menge hinaus auf die Straße . Der Nebel hing noch wie früher trüb und feucht über der menschenwimmelnden Stadt . Auf den Thürmen schlugen die Glocken an , und der Widerschein einer erst beginnenden Feuersbrunst schimmerte mattroth durch die dicke Luft . Auf den Wällen wurden die Lärmkanonen gelöst - nah und fern hörte man Feuerruf und das Getöse zu Hilfe eilender Menschen . Als der Kapitän sich dem Hafen näherte , vernahm er , daß das Feuer gar nicht unter den vor Anker liegenden Schiffen ausgebrochen sei . Ein kleines schmales Haus auf dem Kajen , in dessen unterstem Geschoß sich eine gemeine Matrosenkneipe befand , war von der Küche aus in Brand gerathen und stand jetzt in vollen Flammen . Bei der stillen Luft und den in Uebermaß vorhandenen Lösch-Mannschaften war keine Gefahr vorhanden . Die meisten Herbeigeeilten hatte die Neugier hergelockt . Sie standen müßig in den anstoßenden Straßen und sahen ruhig dem still brennenden Feuer zu . Einen nicht geringen Theil dieser Zuschauer machten die geputzten Mädchen aus , die noch vor einer Viertelstunde im Freudentaumel des wildesten Tanzjubels geschwelgt hatten . - So angenehm es dem Kapitän auch war , daß er sein Fahrzeug außer Gefahr wußte , so sehr verdroß es ihn , durch den unnützen Lärm in seinem so interessanten Gespräch mit der schönen Bianca gestört worden zu sein . Es war ihm lieb , daß das schöne Geschöpf seiner Bitte gewillfahrt hatte . Er konnte kaum den nächsten Tag erwarten . Während er jedoch langsam und in Gedanken durch die noch sehr lebhaften Straßen nach Hause schlenderte , fiel ihm die Erinnerung an Elwire wieder schwer auf ' s Herz . Seine Sucht nach Abenteuern , verbunden mit Gutmüthigkeit , drohte ihn in Verlegenheit zu bringen . Aus purem Leichtsinn hatte er sich da in einem Athem zwei Mädchen aufgebürdet , von denen beiden er noch nicht wußte , ob sie es auch verdienten , daß sich ein rechtschaffener Mann für sie verwendete . » Gleichviel , « rief er nach einigem Nachsinnen sich ermuthigend zu , » ich habe mich für Beide interessirt , mich gleichsam zum Ritter Beider erklärt , und ein ehrlicher Kerl hält sein Wort ! « Für Elwire mußte zuerst gesorgt werden . Das verlassene Mädchen harrte gewiß mit schmerzlichem Verlangen auf den neuen Morgen und zählte die verrinnenden Minuten . Aurel mußte ein Asyl für sie ermitteln . Das hatte er zwar von Anfang an beabsichtigt , allein nun die Zeit schnell heranrückte und rasches Handeln erheischte , sah der leichtblütige junge Mann ein , daß ihm der Verstand wieder einmal mit der Zunge davon gelaufen sei . Zum Glück kannte er eine würdige vermögende Familie , in deren Hause er häufig ein- und ausging . Dahin mußte er vorerst seine Schutzbefohlene bringen . Zu diesem Entschlusse gekommen , erreichte er sein Haus . Er setzte sich sogleich hin und schrieb noch einige Zeilen an die Frau vom Hause , worin er ihr den Eintritt eines jungen Mädchens in ihre Familie ankündigte . Nähere Ausschlüsse über dasselbe zu geben , behielt er sich mündlich vor . Als Aurel das Billet couvertirte und mit seinem Wappenringe zusiegelte , kam auch Gilbert heim . Der junge Mensch sah ziemlich wüst und beschmuzt aus . » Du warst beim Feuer ? « fragte Aurel . » Ja , Herr Kapitän , ich bin ein solcher Narr gewesen . Hätte ich gewußt , daß weiter Nichts brennte , als eine Käsehütsche , zehn Teufel hätten mich nicht aus dem Bacchussaale gebracht ! Ich war vergnügt , wie ein König . In meinem Leben habe ich mich so vortrefflich noch nicht amusirt ! Gott , welche Gestalten ! Welch süßes Fleisch ! Welche Gluthaugen ! Ich bin ganz toll geworden , Herr Kapitän ! « » Das hör ' ich , « sagte Aurel , der inzwischen die Adresse auf den Brief geschrieben . » Damit Du nun recht bald wieder zu Dir kommst , geh ' jetzt zu Bett und schlafe bis morgen früh sieben Uhr . Hörst Du ? Nicht länger , sonst verfällst Du in Strafe ! Denke , Du seist zur See und schliefst auf Commando . Halb acht Uhr muß dieses Billet an seine Adresse abgegeben sein . Gute Nacht , mein Junge ! « Gilbert empfing den auf duftendes Rosapapier geschriebenen Brief und stierte seinen Gebieter verdutzt an . Da Aurel unbekümmert darum in sein Schlafzimmer ging , warf der Jüngling das Briefchen verdrießlich auf den Tischriß sich die Jacke auf , um freier Athem zu schöpfen , und zog sich brummend ebenfalls in seine Kammer zurück . Viertes Kapitel . Ein Fund . Vor dem Dammthore bewohnte die Wittwe Oehlers mit ihrer erwachsenen Tochter Clara ein heiter gelegenes , von wohlgepflegten Rasenplätzen und dichten Hecken umschlossenes einfaches Haus . Diese Lage unmittelbar vor der Stadt und doch in der kühlen grünen Umarmung eines kleinen Parles vereinigte auf ' s angenehmste die Vorzüge des Stadtlebens mit dem freien Genuß ländlicher Einsamkeit und gestattete der noch rüstigen Frau , Sommer und Winter in dem ihr lieb gewordenen Hause zuzubringen . Madame Oehlers war die Wittwe eines reichen Hamburger Kaufherren , der ihr bei seinem Tode ein großes Vermögen nebst einem blühenden Handelsgeschäft hinterlassen hatte . Die Wittwe suchte nach dem Ableben ihres Mannes für die Fortführung dieses Geschäftes , das sie nicht selbst betreiben konnte , einen zuverlässigen Mann , der sich desselben annehmen sollte , und machte