Kummer erfüllt , daß er nun zu seinen Fahnen zurückkehrt . Die Ehre gebietet es , antwortete der Graf finster , er kann nicht anders . Aber , sagte der junge Mensch ängstlich , indem er den Arm des Grafen heftig drückte , ohne es zu wissen , wenn uns nun dieser gute , freundliche St. Julien , der uns beide liebt , der mich selbst die Waffen brauchen lehrt , ein Mal feindlich gegenüber steht , ist es nicht wie ein Brudermord , wenn wir unser Schwerdt auf seine Brust richten ? Gott wird solch Zusammentreffen verhüten , sagte der Graf abgewendet . Wenn es aber doch geschähe , fragte der Jüngling dringend , was wäre in solchem schrecklichen Falle unsere Pflicht ? Uns abzuwenden und einen Brudermord zu vermeiden , sagte der Graf , wenn es irgend möglich ist , ohne unsere Sache zu verrathen . Und wenn wir aus der Ferne mit unserm Geschütz ihn niederschmettern und das Unglück erfahren , wenn wir als Sieger das Schlachtfeld behaupten ? fragte der junge Mensch mit bewegter Stimme . Dann beweinen wir einen gefallenen Freund , sagte der Graf mit hervorbrechendem Schmerz . Was quälst Du mich mit diesen Vorstellungen ? Das ist es ja eben , was meine Seele ängstigt ; ich habe diesen Menschen wie einen Bruder lieben gelernt . Ich sehe es ja , welche Bande ihn an dieß Haus fesseln werden , und dennoch kann er uns nicht wahrhaft angehören und das Schicksal fügt vielleicht einmal das Gräßlichste . Doch , fuhr er nach einigem Besinnen fort , diese Schreckbilder drohen noch aus so weiter Ferne , daß es thöricht ist , sich diesen Sorgen jetzt schon hinzugeben . Als die Reise des Grafen und St. Juliens den Abend vorher beschlossen wurde , hatte die Gräfin den Obristen gebeten , mit seiner Tochter auf Schloß Hohenthal bis zur Rückkehr der Herren zu verweilen , und dieser hatte gern ihren Wunsch erfüllt , und Therese verließ am andern Morgen Emiliens Zimmer , wo sie die Nacht zugebracht , indem ihre Freundin sich zur Gräfin begab , und wollte ungestört im Garten sich ihren Träumen und Hoffnungen überlassen , denn der alte Obrist liebte sein einziges Kind zu sehr , als daß er ihr seine Unterredung mit dem Grafen hätte verschweigen können . Sie wandelte sinnend , ein milder Ernst ruhte auf der schönen gesenkten Stirn und ein halb wehmüthiges Lächeln umschwebte die wie Purpurrosen glühenden Lippen . Vertieft in Gedanken , hatte sie nicht auf ihren Weg geachtet und keinen Gegenstand bemerkt , so daß plötzlich der Graf Robert und sein junger Freund vor ihr standen . Eine glühende Röthe bedeckte beim Anblick des Grafen das edle , ausdrucksvolle Gesicht , und der Zauber der Schönheit , die ihm nie so reizend erschienen war , fesselte die Zunge des liebenden Mannes . Der Jüngling Gustav zog sich nach den ersten Begrüßungen zurück , und Therese war allein mit dem Freunde unter dem blauen Himmel , der herbstlich mild sich über ihnen wölbte . Der Graf fand endlich Worte , die lang gehegte innige Zärtlichkeit seines Herzens zu enthüllen , und Theresens Seele war zu einfach , das Gefühl in ihrem Busen zu rein und edel , als daß sie es dem Freunde hätte verbergen mögen ; aber dennoch versagten ihr die Lippen , als sie nach Worten suchte . Die schönen braunen Augen füllten sich mit Thränen und blickten mit so tiefer , rührender Zärtlichkeit in die flehenden des geliebten Mannes , daß er die holde Antwort verstand und das liebliche Geschöpf , von seliger Freude trunken , in seine Arme schloß . Er drückte einen Kuß auf den rosigen , lebenswarmen , unentweihten Mund , und indem ihn die Schauer des Entzückens durchbebten , erschrak die unschuldige Jungfrau vor dem neuen , unbekannten Gefühl und entwand sich sanft den umschlingenden Armen . Der Graf hatte die schweigende Antwort verstanden , und führte die Geliebte zum greisen Vater und bat hier um die Bestätigung seines Glücks . Der Obrist erhob die Hände dankend zum Himmel und flehte mit lautem , freudigem Gebet um Segen für seine geliebten Kinder . Es waren die Minuten des reinsten Entzückens entschwunden , in denen der Mensch , in höheren Empfindungen lebend , sich selbst und die Gegenwart vergißt . Die Erde trat wieder in ihre Rechte ein , und indem die irdischen Verhältnisse wieder mit Klarheit hervortraten , wurden die Freunde an die Pflichten gegen diejenigen gemahnt , deren Großmuth ihr Glück erst möglich machte . Der Obrist führte seine Kinder selbst zur Gräfin , die er mit Emilien im Saale antraf , und machte ihr die beschlossene Verbindung bekannt . Er hatte dieß mit Ruhe und Würde thun wollen , aber ihn bewältigte die Rührung und die Thränen flossen über die vom Alter gefurchten Wangen . Ihnen und Ihrem edeln Gemahl , schloß er , danke ich die himmlische Ruhe meiner letzten Tage und das Glück meines Kindes . Er wollte nach diesen Worten die Hand der Gräfin küssen , sie aber entzog sie ihm , um ihn gerührt und ehrerbietig zu umarmen . Sie sind ja unser aller Vater durch Ihr Gefühl , sagte sie , und ich bin Ihnen Dank schuldig . Ich habe meinen Vater so früh verloren , daß mein verwaistes Herz die ehrerbietige Neigung einer Tochter niemals empfand , bis ich sie , indem ich Ihr Wohlwollen erkannte , fühlen lernte . Emilie neigte sich glückwünschend gegen den jungen Grafen und drückte mit inniger Liebe ihre Freundin an die Brust , und es durchzitterte ihren Busen ein so wehmüthiges Gefühl , indem sie die junge , glückliche Braut in ihren Armen hielt , daß sie den Saal verließ , sobald es , ohne auffallend zu sein , geschehen konnte , um in der Einsamkeit ein Gefühl zu überwinden , das sie um so mehr ängstigte , weil es ihr wie eine Anwandlung von Neid erschien . Als sie allein war , schien es ihr