daß er mit den Krähen auf der Zinne sitzt und sie sich auf ihren Gemeinplätzen tummeln sieht . An der Liedertafel ist er Cäsar und freut sich seiner Siege , in der Singakademie ist er Napoleon und jagt durch sein Machtwort alles in Schrecken , und seine Truppen gehen mit Zuversicht durch dick und dünn ; zum Glück ist gesungen nicht gehauen und gestochen . Seine Leibgarde , der Baß , hat den Katarrh . In der Welt , in der Gesellschaft und auf Reisen , da ist er Goethe , und zwar ein recht menschlicher , voll herablassender Güte , er wandelt , er steht , wirft ein kurzes Wort hin , nickt freundlich zu unbedeutenden Dingen , hält die Hände auf den Rücken , das macht sich alles ; nur zuweilen speit er aus , und zwar herzhaft , das trifft nicht , da geht die ganze Illusion zum Teufel . Die Verwirrung , die das Magische in jeder Kunst bei den Philistern veranlaßt , ist bei der Musik auf den höchsten Grad gestiegen ; Zelter zum Beispiel läßt nichts die Maut passieren , was er nicht schon versteht , und eigentlich ist das doch nur Musik , was grade da beginnt , wo der Verstand nicht mehr ausreicht , und die ewig vernichtenden Quergeister , die es so gut meinen , wenn sie zuvörderst das Verständliche in der Kunst fordern : daß die nicht begreifen , daß sie das höchste Element einer göttlichen Sprache herabwürdigen , wenn sie es nur mit dem ausfüllen , was sie verstehen , indem sie ja doch nur das Gemeine verstehen , und daß sie höhere Offenbarung nie erfahren , wenn sie ewig gescheiter sein wollen , wie ihre Botschafter , die Phantasie und die Begeistrung . Obschon in der Musik die Zauberformeln ewig lebendig sind , so spricht sie der Philister , vor Schreck sie nicht zu verstehen , oft nur halb , oft rückwärts aus , und nun stehen die sonst so beweglichen , blitzenden , naßkalt , langwierig , beschwerlich und freilich unverständlich im Weg . Dagegen ist der Begeisterte ein anderer : mit heimlicher Zuversicht lauscht er und wird eine Welt gewahr , sie läßt sich nicht definieren , sie kann dem Gemüt wohl ihre Wirkung , aber nicht ihren Ursprung mitteilen , daher die plötzliche reife Erscheinung des Genies , das lang in ungebundner Selbstbeschauung zerstreut war , nun in sich selbst erhöht , hervorbricht ans Tageslicht , unbekümmert , ob die Ungeweihten es verstehen , da es mit Gott spricht ( Beethoven ) . So steht ' s mit der Musik , das Genie kann nicht offenbar werden , weil die Philister nichts anerkennen , als was sie verstehen . - Wenn ich mir da meinen Beethoven denke , der , den eignen Geist fühlend , freudig ausruft : » Ich bin elektrischer Natur , und darum mache ich so herrliche Musik ! « Viele Sinne zu einer Erscheinung des Geistes . Stetes lebhaftes Wirken des Geistes auf die Sinne ( Menschen ) , ohne welche kein Geist , keine Musik . Wollust , ins Vergangne zu schauen wie durch Kristall , Einsicht der Beherrschung , der Tragung , der Erregung des Geistes ; - nimmermehr in der Musik , was verklungen ist , hatte seinen eignen Tempel . Der ist mit ihm versunken , Musik kann nur ewig neu erstehen . Sonderbares Schicksal der Musiksprache , nicht verstanden zu werden . Daher immer die Wut gegen das , was noch nicht gehört war , daher der Ausdruck : » Unerhört . « Dem Genie in der Musik steht der Gelehrte in der Musik allemal als ein Holzbock gegenüber ( Zelter muß vermeiden , dem Beethoven gegenüberzustehen ) , das Bekannte verträgt er , nicht weil er es begreift , sondern weil er es gewohnt ist wie der Esel den täglichen Weg . Was kann einer noch , wenn er auch alles wollte , solang er nicht mit dem Genius sein eignes Leben führt , da er nicht Rechenschaft zu geben hat und die Gelehrsamkeit ihm nicht hineinpfuschen darf . Die Gelehrsamkeit versteht ja doch nur höchstens , was schon da war , aber nicht , was da kommen soll , er kann die Geister nicht lösen vom Buchstaben , vom Gesetz . Jede Kunst steht eigenmächtig da , den Tod zu verdrängen , den Menschen in den Himmel zu führen ; aber wo sie die Philister bewachen und als Meister lossprechen , da steht sie mit geschornem Haupt , beschämt , was freier Wille , freies Leben sein soll , ist Uhrwerk . Und da mag nun einer zuhören , glauben und hoffen , es wird doch nichts draus . Nur durch Wege konnte man dazu gelangen , die dem Philister verschüttet sind , Gebet , Verschwiegenheit des Herzens im stillen Vertrauen auf die ewige Weisheit , auch in dem Unbegreiflichen . - Da stehen wir an den unübersteiglichen Bergen , und doch : da oben nur lernt man die Wollust des Atmens verstehen . Der Frau das kleine Andenken mit meinem Glückwunsch zum neuen Jahr . Dem Hrn . R. die ungemachte Weste , seine Vollkommenheit hat mich in Töplitz zu sehr geblendet , als daß ich mir das rechte Maß hätte denken können , die Vorstecknadeln seien hier zu geschmacklos , als daß ich ihm eine hätte schicken mögen , aber lauter und lauter Vergißmeinnicht in der Weste ! - Er mag nicht wenig stolz darauf sein . Sollte sein Geschmack noch nicht soweit gebildet sein , dies schön zu finden , so soll er nur auf mein Wort glauben , daß ihn alle Menschen darum beneiden werden ; noch muß ich erinnern , daß sie als Unterweste getragen wird . Nun , er wird mir gewiß schreiben und wird sich bedanken . - Und Du ? - hm . Du Einziger , der mir den Tod bitter macht ! - Bettine Grüß doch die Frau recht herzlich von mir , - es