Tritte zu hören glaubten , eilten ihm entgegen , er trat ein . Welch ein Zusammentreffen ! Welch ein Anblick ! Die sehr Schöne tat einen Schrei und warf sich der Ältern um den Hals , der Freund erkannte sie beide , er schrak zurück , dann drängt ' es ihn vorwärts , er lag zu ihren Füßen und berührte ihre Hand , die er sogleich wieder losließ , mit dem bescheidensten Kuß . Die Silben » Au - ro - ra ! « erstarben auf seinen Lippen . Wenden wir unsern Blick nunmehr nach dem Hause unsres Freundes , so finden wir daselbst ganz eigne Zustände . Die gute Alte wußte nicht , was sie tun oder lassen sollte ; sie unterhielt die Lampen des Vorhauses und der Treppe ; das Essen hatte sie vom Feuer gehoben , einiges war unwiederbringlich verdorben . Die Kammerjungfer war bei den schlafenden Kindern geblieben und hatte die vielen Kerzen der Zimmer gehütet , so ruhig und geduldig als jene verdrießlich hin und her fahrend . Endlich rollte der Wagen vor , die Dame stieg aus und vernahm , ihr Gemahl sei vor einigen Stunden abgerufen worden . Die Treppe hinaufsteigend , schien sie von der festlichen Erleuchtung keine Kenntnis zu nehmen . Nun erfuhr die Alte von dem Bedienten , ein Unglück sei unterwegs begegnet , der Wagen in einen Graben geworfen worden , und was alles nachher sich ereignet . Die Dame trat ins Zimmer : » Was ist das für eine Maskerade ? « sagte sie , auf die Kinder deutend . » Es hätte Ihnen viel Vergnügen gemacht « , versetzte die Jungfer , » wären Sie einige Stunden früher angekommen . « Die Kinder , aus dem Schlafe gerüttelt , sprangen auf und begannen , als sie die Mutter vor sich sahen , ihren eingelernten Spruch . Von beiden Seiten verlegen , ging es eine Weile , dann , ohne Aufmunterung und Nachhülfe , kam es zum Stocken , endlich brach es völlig ab , und die guten Kleinen wurden mit einigen Liebkosungen zu Bette geschickt . Die Dame sah sich allein , warf sich auf den Sofa und brach in bittre Tränen aus . Doch es wird nun ebenfalls notwendig , von der Dame selbst und von dem , wie es scheint , übel abgelaufenen ländlichen Feste nähere Nachricht zu geben . Albertine war eine von den Frauenzimmern , denen man unter vier Augen nichts zu sagen hätte , die man aber sehr gern in großer Gesellschaft sieht . Dort erscheinen sie als wahre Zierden des Ganzen und als Reizmittel in jedem Augenblick einer Stockung . Ihre Anmut ist von der Art , daß sie , um sich zu äußern , sich bequem darzutun , einen gewissen Raum braucht , ihre Wirkungen verlangen ein größeres Publikum , sie bedürfen eines Elements , das sie trägt , das sie nötigt , anmutig zu sein ; gegen den einzelnen wissen sie sich kaum zu betragen . Auch hatte der Hausfreund bloß dadurch ihre Gunst und erhielt sich darin , weil er Bewegung auf Bewegung einzuleiten und immerfort , wenn auch keinen großen , doch einen heitern Kreis im Treiben zu erhalten wußte . Bei Rollenausteilungen wählte er sich die zärtlichen Väter und wußte durch ein anständiges , altkluges Benehmen über die jüngeren ersten , zweiten und dritten Liebhaber sich ein Übergewicht zu verschaffen . Florine , Besitzerin eines bedeutenden Rittergutes in der Nähe , winters in der Stadt wohnend , verpflichtet gegen Odoard , dessen staatswirtliche Einrichtung zufälliger- , aber glücklicherweise ihrem Landsitz höchlich zugute kam und den Ertrag desselben in der Folge bedeutend zu vermehren die Aussicht gab , bezog sommers ihr Landgut und machte es zum Schauplatze vielfacher anständiger Vergnügungen . Geburtstage besonders wurden niemals verabsäumt und mannigfaltige Feste veranstaltet . Florine war ein munteres , neckisches Wesen , wie es schien , nirgends anhänglich , auch keine Anhänglichkeit fordernd noch verlangend . Leidenschaftliche Tänzerin , schätzte sie die Männer nur , insofern sie sich gut im Takte bewegten ; ewig rege Gesellschafterin , hielt sie denjenigen unerträglich , der auch nur einen Augenblick vor sich hinsah und nachzudenken schien ; übrigens als heitere Liebhaberin , wie sie in jedem Stück , jeder Oper nötig sind , sich gar anmutig darstellend , weshalb denn zwischen ihr und Albertinen , welche die Anständigen spielte , sich nie ein Rangstreit hervortat . Den eintretenden Geburtstag in guter Gesellschaft zu feiern , war aus der Stadt und aus dem Lande umher die beste Gesellschaft eingeladen . Einen Tanz , schon nach dem Frühstück begonnen , setzte man nach Tafel fort ; die Bewegung zog sich in die Länge , man fuhr zu spät ab , und von der Nacht auf schlimmem Wege , doppelt schlimm , weil er eben gebessert wurde , ehe man ' s dachte , schon überrascht , versah ' s der Kutscher und warf in einen Graben . Unsere Schöne mit Florinen und dem Hausfreunde fühlten sich in schlimmer Verwickelung ; der letzte wußte sich schnell herauszuwinden , dann , über den Wagen sich biegend , rief er : » Florine , wo bist du ? « Albertine glaubte zu träumen ; er faßte hinein und zog Florinen , die oben lag , ohnmächtig hervor , bemühte sich um sie und trug sie endlich auf kräftigem Arm den wiedergefundenen Weg hin . Albertine stak noch im Wagen , Kutscher und Bedienter halfen ihr heraus , und gestützt auf den letzten suchte sie weiterzukommen . Der Weg war schlimm , für Tanzschuhe nicht günstig ; obgleich von dem Burschen unterstützt , strauchelte sie jeden Augenblick . Aber im Innern sah es noch wilder , noch wüster aus . Wie ihr geschah , wußte sie nicht , begriff sie nicht . Allein als sie ins Wirtshaus trat , in der kleinen Stube Florinen auf dem Bette , die Wirtin und Lelio um sie beschäftigt sah , ward sie ihres Unglücks gewiß . Ein geheimes Verhältnis zwischen dem untreuen