von schlechten Menschen bedroht wird . « Da Fürst Irenäus sich für eine höchst bedeutende fürstliche Person hielt , so konnt ' es nicht fehlen , daß er manchmal von allerlei höfischen Kabalen und bösen Nachstellungen träumte . Des Jägers letzte Äußerung fiel ihm deshalb gar schwer aufs Herz , und er versank einige Augenblicke in tiefes Nachsinnen . » Jäger , « sprach er dann mit weit aufgerissenen Augen , » Jäger ! Er hat recht . Die Sache mit dem fremden Menschen , der hier herumschleicht , mit dem Licht , das sich zur Nachtzeit im Pavillon sehen läßt , ist bedenklicher , als sie im ersten Augenblick erscheint . - Mein Leben steht in Gottes Hand ! Aber mich umgeben treue Diener , und sollte einer sich für mich aufopfern , so würde ich ganz gewiß die Familie reichlich bedenken ! - Verbreit ' Er das unter meinen Leuten , guter Lebrecht ! - Er weiß , ein fürstliches Herz ist frei von jeder Bangigkeit , von jeder menschlichen Todesfurcht , aber man hat auch Pflichten gegen sein Volk , ihm muß man sich konservieren , zumal wenn der Thronerbe noch unmündig . Darum will ich das Schloß nicht eher verlassen , bis die Kabale im Pavillon zerstört ist . - Der Förster soll mit den Revierjägern und allen übrigen Forstbedienten herankommen , alle meine Leute sollen sich bewaffnen . Der Pavillon soll sogleich umstellt , das Schloß fest verschlossen werden . Besorg ' Er das , guter Lebrecht . Ich selbst schnalle meinen Hirschfänger um , lade Er meine Doppeltpistolen , aber vergesse Er nicht den Schieber vorzulassen , damit kein Unglück geschieht . - Und daß man mir Nachricht gibt , wenn etwa die Zimmer des Pavillons erstürmt und so die Verschworenen gezwungen werden sollen , sich zu ergeben , damit ich mich zurückziehen kann in die innern Gemächer . Und daß man die Gefangenen auf das sorglichste durchsucht , ehe sie vor den Thron gebracht werden , damit keiner etwa in der Verzweiflung - doch , was steht Er , was sieht Er mich an , was lächelt Er , was soll das heißen , Lebrecht ? « » Ei , « erwiderte der Leibjäger mit pfiffiger Miene , » ei , durchlauchtigster Herr , ich meine nur , daß es gar nicht vonnöten , den Förster mit seinen Leuten herzubeordern . « » Warum nicht , « fragte der Fürst erzürnt , » warum nicht ? - Ich glaube gar , Er untersteht sich , mir zu widersprechen ? - Und in jeder Sekunde steigt die Gefahr ! Tausend Sapp - Lebrecht , werf ' Er sich aufs Pferd - der Förster - seine Leute - geladene Büchsen - den Augenblick sollen sie einrücken . « - » Sie sind , « sprach der Leibjäger , » sie sind aber schon da , durchlauchtigster Herr ! « » Wie - was ! « - rief der Fürst , indem er den Mund offen behielt , um dem Erstaunen Luft zu gönnen . » Schon , « fuhr der Jäger fort , » schon als der Morgen graute , war ich draußen beim Förster . Schon ist der Pavillon so sorglich umstellt , daß keine Katze herauskann , viel weniger ein Mensch . « » Er ist , « sprach der Fürst gerührt , » Er ist ein vortrefflicher Jäger , Lebrecht , und ein treuer Diener des fürstlichen Hauses . Rettet Er mich aus dieser Gefahr , so kann Er sicher auf eine Verdienstmedaille rechnen , die ich selber erfinden und ausprägen lassen werde von Silber oder von Gold , je nachdem bei der Erstürmung des Pavillons weniger oder mehr Menschen geblieben sind . « » Erlauben , « sprach der Jäger , » erlauben Sie es , durchlauchtigster Herr , so gehen wir nun gleich ans Werk . Das heißt , wir schlagen die Türe des Pavillons ein , nehmen das Gesindel , das darin hauset , gefangen , und alles ist vorüber . Ja , ja , den Kerl , der mir so oft entschlüpft , der solch ein verfluchter Springer ist , den verdammten Kerl , der sich dort im Pavillon als ein ungebetener Gast selbst einquartiert hat , den will ich schon fassen , den Spitzbuben den , der Fräulein Julien turbiert hat ! « - » Welcher Spitzbube , « fragte die Rätin Benzon , in das Zimmer tretend , » welcher Spitzbube hat Julien turbiert ? Wovon sprecht Ihr , guter Lebrecht ? « - Der Fürst schritt feierlich , bedeutsam , wie jemand , dem Großes , Ungeheures begegnet , das er mit aller Stärke des Geistes bemüht ist zu tragen , der Benzon entgegen . Er faßte ihre Hand , drückte sie zärtlich und sprach dann mit sehr weicher Stimme : » Benzon ! Selbst in der einsamsten , tiefsten Zurückgezogenheit folgt die Gefahr dem fürstlichen Haupt . - Es ist das Los der Fürsten , daß alle Milde , alle Güte des Herzens sie nicht schützt vor dem feindlichen Dämon , der den Neid , die Herrschsucht entflammt in der Brust verräterischer Vasallen ! - Benzon , die schwärzeste Verräterei hat ihr schlangenhaariges Medusenhaupt erhoben gegen mich , Sie finden mich in der dringendsten Gefahr ! - Aber bald ist der Augenblick der Katastrophe da , diesem Getreuen verdanke ich vielleicht bald mein Leben , meinen Thron ! - Und ist es anders beschlossen - nun , so ergebe ich mich in mein Schicksal . - Ich weiß , Benzon , Sie konservieren Ihre Gesinnungen gegen mich , und so kann ich wie jener König in dem Trauerspiel eines deutschen Dichters , mit dem Prinzessin Hedwiga mir neulich den Tee verdarb , hochsinnig rufen : Nichts ist verloren , denn Sie blieben mein ! - Küssen Sie mich , gute Benzon ! - Teures Malchen , wir sind und bleiben die Alten ! - Guter Gott , ich radotiere wohl in der Seelenangst !