daß ich dich nicht zu lebhaft an das menschliche Fleisch erinnern sollte ; aber was kann ich dafür , es war eine Aufwallung , von der mir noch jetzt der Mund übergeht ; sie wußte nichts von meiner Glut , in der alle Sterne wie glühende Blasen zersprangen und den Morgenhimmel räumten . Sie hatte fest geschlafen , bedeckte sich im Erwachen , sah empor zur blauen Luft und sang sehr traurig : Als ich im Grase noch spielte , Sah ich den Himmel nicht an ; Ob er da glühte und kühlte , Nimmermehr fühlt ich den Bann , Der über den Bergen und Talen Wirket in ewigen Zahlen . Winter war freundlich willkommen , Brachte der Früchte so viel , Frühling war nimmer beklommen ; Selig verarmt das Gefühl In Jahren , die fröhlich vergessen , Glücklich , wer gar nichts besessen . Seit ich im Herzen vermählet Seufz im vermauerten Haus , Hab ich den Himmel erwählet , Ahne die Wolken voraus , In ihnen ist ewig Entstehen , In mir ist ein irdisch Vergehen . In dieser Trauer lag mein Mut , ich trat hervor an mein Fenster und nie in meinem Leben hat mich Unwürdigen ein so herrlicher Blick getroffen ; alle Adern taueten auf , und mein Leben drang dem Tage vor . So stand ich , und meine Augen sprachen ; sie aber ergriff das Blatt einer Pappel , die vor ihrem Fenster zitterte , schrieb mit zierlicher Schnelligkeit darauf , warf es geschickt in den Wind , und der Wind warf es auf meine Lippen , und als meine Lippen sich satt geküßt , da lasen meine Augen unermüdlich , was sie darauf geschrieben : Selig jeder Morgen , wo du mir erscheinst , meines Herzens Heiliger , doch selig vor allen der , wo ich dich wieder sah nach langen Tagen ; sieh , alles ist grün geworden , und mein Herz geht auf mit tausend Sonnenblumen zu dir , der Himmel ist hell und deine Wangen glühen ; wo warst du so lange ? Ich las die Worte mit seligem Entzücken , aber wie Kinder die heilige Schrift : sie glauben daran , sie wissen die Worte , aber sie verstehen nichts . Woher kannte sie mich ? War ich dem armen Sünder so ähnlich , den die Liebe zu ihr unter das Beil gebracht ? Wie sollte ich ihr antworten ? Durfte ich ihr antworten ? Wollte sie auch mich verderben ; Ich fragte es , und doch war mir dies Verderben so schön . Bald schrieb ich zu ihr auf Blättern und vertraute sie dem Winde , ich durfte ihr nichts von dem Unglücke dessen sagen , den sie in mir begrüßte , aber ich klagte ihr mein Unglück , daß ich sie liebte ; jedoch der Wind , der uns einmal begünstigte , schien uns jetzt für immer feindlich abgewendet ; ich sah jedem Blatte wie einer geflügelten Seele nach , aber sie stürmten alle fort , bis die Zeit kam , die mich in die Kirche rief . Mit welchem Widerwillen begegnete mir jetzt der Weihrauchdampf , seit mich die Gärten der Nonnen mit Frühlingsduft gestillt hatten ; wie schrecklich sahen mich die gebräunten Heiligenbilder an , seit ich die blendenden Hügel , in denen der Mondschein weidet , wenn er der Welt versteckt ist , mit allen Herzensschlägen zittern und schimmern gesehen . Dann aber erzitterte der feierliche Gesang des Miserere wie ein Erdbeben durch einen Donnerschlag meine Seele bis zum tiefsten Grunde ; mit jedem Worte glaubte ich mich strafbarer und verworfener ; ja , als mich dazwischen der Gedanke an die Nonne umschlang , glaubte ich der Teufel selbst zu sein , der sich der Gottseligkeit nur beflissen , um mit erneutem Jubel seine Sündenlust zu empfinden . Aber meine Tränen , die ich in langen Nächten mir zur Buße und in halber Ohnmacht vergoß , löschten nimmer die Wonne des Tages aus , die mir gegenüber in immer neuen Lockungen erschien ; und ihre Tränen , die ich mehrmals auf ihren Wangen wie Diamanten in spielendem Sonnenlichte flimmern sah , rührten mich mehr , als alle Blutstropfen des Herrn , wie er von seinen Feinden gegeißelt worden . In diesem Kampfe mit mir vergingen Monate , in denen ich durch die Strenge meiner Buße den vollen Haß aller Mönche auf mich zog , die froh lebten und meine Buße einer eitlen Lust nach frommer Auszeichnung zuschrieben ; jeder lauerte mir auf , aber mein Wandel war nur tief in mir strafbar ; was vor der Welt erschien , hätte heilig genannt werden können . Immer seltener sah ich mein heilig Sündenbild ; sie schien zu trauern . Es war ein dunkler Freitag , als ich nach langem Kampfe Abends an das Fenster trat und zu meiner Teufelin hinüber blickte ; wie erstarrte ich aber , als ich heftig in ihrem Zimmer reden hörte und bald darauf sie selbst , verstört , mit fliegendem Schleier , das Fenster eröffnen sah , hinter ihr den Abt unseres Klosters , der sie mit Angst zurückzuhalten strebte . Wie es mich übernommen , wie ein Stein in meine Hand gekommen , wie ich es gewagt habe , ihn auf den Verführer zu schleudern , der ihr so nahe stand ; noch jetzt schaudert mir und schwindelt mir . « Nach einer längern Unterbrechung , wo Rappolt seinen Kopf gehalten , fuhr er ruhig fort : » Mein Stein hatte den Abt am Haupte verwundet ; ich , ohne mich zu verbergen , stand in drohender Stellung am Fenster , alle dankbaren Blicke aufzufangen , die mir aus den Augen der Nonne strahlten . Der Ruf des Abtes hatte bald die alte Frau herbeigerufen , die an jenem Abende der Versuchung Schach gespielt hatte ; er ward fortgebracht , und drohend zeigte ich ihm noch meine Faust , und so stand ich noch mit dem Gefühle eines Befreiers , als ich schon von Mönchen umgeben und gebunden