vom Gyges , wie er den Candaulus wegen einer ähnlichen Prahlerei , nachdem die Frau diese Beschauung bemerkt , auf ihren Befehl habe umbringen müssen ; er verstand aber Beispiele nur immer als sonderbare Geschichten , unterhielt sich damit , wandte sie aber weiter gar nicht auf sich an . Ich mußte mich auf seinen Befehl in ein Nebenzimmer bei seinem Bade verstecken , und sollte durch die geöffnete Türe hineinblicken , während er die Augen seiner Moham mit einem neuen Bilde , das an der andern Seite des Badezimmers befestigt , von mir abwenden wollte . In dem Zimmer , wo ich versteckt war , legte er seine fürstlichen Kleider , Binde und Schwert ab . Ich ging wahrhaftig ohne bösen Willen in das Zimmer , aber die Schönheit der Moham , die sich vor meinen Augen allmählich entschleierte , aber aus Züchtigkeit selbst in der Einsamkeit mit ihrem Manne , in einem feinen Badehemde verhüllet blieb , gab mir solche Verachtung gegen Thomas , daß ich sein fürstliches Kleid , seine Binde und Schwert , leise anlegte , während beide im Bade lustig plätscherten , plötzlich in das Badezimmer trat und dem Thomas befahl , mein abgelegtes Fischerkleid anzuziehen und sich augenblicklich auf meinen Fluß zu begeben , um mir für diesen Abend noch ein Dutzend wilder Enten zu bringen . Thomas wollte Einwendungen machen , aber er sah es meinem Schwerte an , daß ich zum Spaße zu ernsthaft gestimmt sei ; er mußte das Kleid anziehen . Draußen wollte er die Wachen zu seinem Schutze befehlen ; da sie ihn aber in der Tracht mit mir verwechselten und strengen Befehl erhalten hatten , mich bei der geringsten Widersetzlichkeit hart zu züchtigen , und aus dem Schlosse zu werfen , so geschah dies auch ihm . Ich war indessen mit der ohnmächtigen Moham beschäftigt ; ich brachte sie zum Leben , und durch meine Kenntnis heiliger Sprüche aus dem Sanskrit zum vollen Vertrauen zu mir . Noch denselben Abend erklärte sie mich zum Nabob , und Thomas brachte zu unserm Vermählungsfeste ein Dutzend gefangener Enten ; der Einfaltspinsel war bald mit seinem neuen Stande ganz zufrieden . Einige Jahre regierte ich nach Herzenslust , da nahm uns die Ostindische Compagnie die Herrschaft . Mit unsern Schätzen schifften wir nach Europa ; das Glück versöhnte mich mit Ihnen , mein Fürst . « Neuntes Kapitel Der alte Graf P ... wird Minister . Tod des Fürsten . Regierung der Fürstin Wir wollen den alten Grafen von jetzt , wo er bald mit dem Grafen Karl in eine nähere Berührung kommt , durch seinen Dienst und Ehrentitel als Minister unterscheiden ; er hatte die Stelle eines ersten Ministers nach vielen dringenden Bitten des Fürsten angenommen ; Leichtsinn hinderte ihn nicht mehr in dem ordentlichen Gebrauche seines hohen Talents für das Geschäftsleben ; er widmete sich ihm ganz . Nur ein Jahr dauerte dieses schöne Zusammenleben und Zusammenwirken des Fürsten mit dem Grafen , da wurde jener durch einen unerwarteten Schlagfluß hinweggerafft , und die Fürstin übernahm die Verwaltung ihres Landes im Namen ihres blödsinnigen Sohnes , der in gemeiner Ausschweifung Frankreich durchschwärmte . Der Minister beschloß erst sich ganz zurückzuziehen ; er bezog ein angenehmes Nebenhaus bei seinem verbrannten Palaste , und erwartete nicht , daß ihn die Fürstin rufen würde . Aber kaum hatte sie die Feierlichkeiten ihres Einzugs überstanden , und die Auseinandersetzung seiner Geschäftsführung durchlesen , als sie mit dem ihr eigenen Scharfsinne sein großes Talent so ganz erkannte , daß sie sich zu der Aufopferung aller Empfindlichkeiten entschloß , und so dringend ihn zu sich forderte , daß er ihrer Einladung nicht widerstehen konnte . Er war sehr überrascht , sie so durchaus in ihrer ganzen Schönheit erhalten zu finden , als wäre diese Zeit nur ein schlimmer Tag der vor vierzehn Jahren verlebten ; sie wußte ihre alte Vertraulichkeit so ganz herzustellen , daß er alle Geschäfte gern übernahm , und mit Hülfe ihres Geistes zu noch größerer allgemeiner Zufriedenheit fortführen konnte . Er hätte sich von neuem in sie verliebt , aber sie mied diese Berührung ; auch genügte es ihm bald nach den Geschäften dem Hofe ganz zu leben . Wirklich war auch ein liebenswürdigerer Hof kaum denkbar . Die Fürstin hatte in der langen Entfernung von ihrem Lande , durch ihren in Künsten gebildetern Sinn Leben und Freude kennen gelernt ; sie unterschied jetzt mit Sicherheit den Kreis ihres eigenen Lebens von dem öffentlichen , den ihr ein großes Schicksal anvertraut hatte , und so störten beide einander niemals . Nie erschien eine Fürstin , wo sie in einem öffentlichen Geschäfte begriffen , mit mehr Ansehen und Glanz ; sie zog es vor , manches , was sonst nur unter wenigen Augen verhandelt wird , der Menge darzustellen ; die Bestallung zu Ämtern , der letzte Vortrag und die Beratung über neue Einrichtungen , die Belohnung öffentlicher Verdienste mit Ehrenzeichen waren neue Feierlichkeiten , an denen sich die Erwachsenen freuten , und welche die Kinder begeisterten ; ihr Kunstsinn wußte durch Anordnung mit unendlich geringem Kostenaufwande die größten Wirkungen hervorzubringen . - Wer etwas Rechtes will , kann mit wenigem unendlich viel leisten ; die ausgezeichneten Männer dienten ihr mehr für Ehre als für Lohn , und mehr für die Annehmlichkeit ihres täglichen Umgangs als für die Ehre . In den Gedanken der entfernten Menge , schwebte ein Bild von der Glückseligkeit des Hoflebens , das leider so selten in der Nähe gefunden wird , das aber doch wohl verdiente einmal wieder dargestellt zu werden , wie es in der Ritterzeit wirklich vorhanden war , und dem sich der Hof der Fürstin wenigstens näherte . Allem Glanze , aller Etikette wurde in der eigentlichen öffentlichen Angelegenheit genügt ; das Vergnügen des Hofes und seine Geselligkeit aber keinesweges dazu gerechnet ; waren die Stände dort streng nach hergebrachten erworbenen Rechten und Ehren unterschieden , hier galt nur das gesellige Talent , und das Verhältnis zur Gesellschaft durch Freundschaft und Wohlwollen ; hier