können . Es kränkt mich sehr , daß wegen meiner Krankheit Flametten ihre Komödie verdorben ist , sie ist schon zweimal bei mir gewesen - um zu sehen , ob ich bald gesund sei - und um mich zu erlustigen , sagte sie mir Stücke aus ihrer Rolle her . - Das Spiel heißt » Vertumnus und Pomona « , und die Erfindung ist recht artig , - Flametta gefällt sich sehr als spröde Pomona . - Um ihren Garten , der mit hohen Zäunen umgeben ist , liegen zweihundert Zwerge , zwölf Riesen , fünfunddreißig Satyren , zwei Dutzend Faunen , dann noch Pan und Priap und Hanswurst . Alle diese zusammen halten ein großes Geschrei , machen ihr die Kur , und werben um sie , oder prügeln sich untereinander ; Hanswurst ist des Vertumnus Nebenbuhler , beide können sich verwandeln , und können allein in den Garten kommen . » Das Theater « , sagte Flametta , » wird mein Garten sein , der ringsum mit hohen Hecken umgeben ist , und ich habe immer alle Hände voll zu tun , die Freier abzuwehren ; bald stehe ich mit einem Äpfelhaken da , und schneide den Riesen die Nase ab , wenn sie herübergucken , und wenn die Zwerge unten durchkriechen , treten sie in Fuchsfallen , da nehme ich sie dann , stecke sie in die Erde , inokuliere ihnen Äpfel und Birnen , und sie wachsen wie Zwergobst . - Sehn Sie , « sagte Flametta , » so lautet meine erste Szene . - Und was ich treibe , was ich tue , Ich komm doch nimmermehr zur Ruhe , Meine Schönheit ist so weit bekannt , Daß die ganze Welt in mich entbrannt . Aus dem Tale und über die Berge , Kommen Riesen , Satyren und Zwerge , Viele hundert Waldteufel und Faunen - Es ist ordentlich zu erstaunen , Wo sich die Leute her beschreiben , Zu Haus können sie sich doch nicht gleich auftreiben . Ich kann kaum den Himmel mehr sehn , So muß ich täglich den Zaun erhöhn - Daß mich die plumpen Riesen Nicht gar zu Tode niesen , Wenn sie mit ihren großen Perucken Über den Zaun herübergucken . - An der Türe ist ein ewiges Klopfen , Und ich kann nicht genug Löcher zustopfen , Daß nicht die Zwerge hereinschlüpfen , Die draus wie Frösche herumhüpfen . - Von den vielen Seufzern wird die Luft verderben , Und meine Bäume wollen schon absterben ; Ich mag noch so viel faule Äpfel hinausschleudern , Das hilft nichts bei den mancherlei Bärnhäutern . « Das hatte sie recht lustig deklamiert , und ihr lautes Sprechen hatte einige von den Mennoniten ans Fenster gelockt . » Sie sehen , « sagte sie , » da sind die bärtigen Waldmänner wieder « , da warf sie einige Äpfel auf die Zuschauer , und lief mit den Worten fort : » Nun werden Sie nur gesund , - ich halte es nicht länger bei kranken Leuten aus . « Godwi besuchte mich heute abend , er hatte selbst weiter geschrieben , und las mir vor , wie folgt . - Vierunddreißigstes Kapitel Alles , was Violette gegen mich geäußert hatte , war sich so ungleich , und wendete so schnell zwischen Heftigkeit und Geschämigkeit ; was sie von ihren Eltern erzählt hatte , war so wenig die Rede eines ganz unschuldigen Mädchens , ihr ganzes Betragen ergriff mich so schnell , und stieß mich so leicht wieder zurück , daß ich in einer wechselnden Bewegung während ihren Worten bald Mitleid , bald Unwillen empfand . In jedem Falle mußte ihre Mutter ein höchst wunderbares Weib sein , und ohne allen Charakter , das Mädchen hätte sonst nimmer so schwankend sein können , und ich entschloß mich fest , diesen Ort schnell wieder zu verlassen ; aber es gelang mir nicht . Ich entschloß mich schon in einzelnen Augenblicken meines Gesprächs mit Violetten dazu , denn ich befand mich in einem widrigen Streite von Lust und Schonung . Sie webte ihre Tränen , ihre Naivetät und ihre frevelhaften Reden über ihre Mutter so verwirrt durcheinander , und in ihrem Betragen dabei erschien die Lüsternheit und Heftigkeit so durch Blödigkeit und Unerfahrenheit gestört , daß mir es sehr abgeschmackt zu Mute war . Ich konnte sie nicht bedauren , und nicht liebenswürdig finden , und dabei war ich doch so gespannt und gereizt durch meine ganze Lage , daß ich wünschte , das Mädchen wäre nicht so , und ergäbe sich ohne Prätension ihrer und meiner Freude . Ich hätte mich gerne bemühet , ihre Verwirrtheit für sie und mich zu lösen , aber ich fürchtete mich vor irgend einem Hinterhalt , der mir hier gelegt sein und mich zu einer Verbindung zwingen könnte , die mich ewig zum Sklaven um eine kurze Freude gekauft hätte . Ich verhielt mich während ihren Äußerungen ganz leidend , und eben dadurch schien sie mir einigemal wahr zu werden : die Verse , die sie von dem Totenliede : » Es ist ein Schnitter , der heißt Tod « , sang , sang sie nicht ohne Rührung , und ihr Übergang auf das Lied : » Es ist ein Sämann , der heißt Liebe « , war er vielleicht auch nicht ganz ohne Vorsatz , war doch sehr artig . - Was sie von ihrem Streit in der Beichte erzählte , war der Punkt , der mich eigentlich zuerst aufmerksam machte : ein unschuldiges Mädchen kann nicht von der Beichte reden , und ein Mädchen von funfzehn Jahren streitet nicht mehr so kindisch mit ihrem Gemüt , oder sie müßte in der reinsten Umgebung gelebt haben . Alle diese Betrachtungen begleiteten mich , und verdarben mir sogar ihre Küsse , indem sie ihrem ganzen Plan ungetreu recht herzlich und mit Bewußtsein küßte . In dieser Verwirrung fand mich ihre Mutter , die ich mit einigem Unwillen behandelte , aber sie war nichts weniger als so