einsames Licht ; der Stallknecht mußte zu Hause sein ; aber der war Donna Mercedes noch nie im Garten begegnet . Sie durfte deshalb hoffen , nicht beobachtet zu werden ; und doch entsetzte sie sich über jeden kleinen Kiesel , der unter ihren Füßen ins Rollen kam , als gehe sie auf Diebeswegen . In der Nähe des Ateliers horchte sie plötzlich befremdet auf – dort vom Wintergarten klang ein Rauschen und Plätschern herüber , als brause und stürze ein Waldbach von einer Höhe herab ; sie brauchte nicht mehr zu befürchten , daß man ihre eiligen Schritte auf dem Kiesplatz höre – das Geräusch verschlang sie . Der Mondschein fiel voll und breit durch das unverhüllte Glasdach : beim Näherkommen sah sie die Gloxiniengruppen , die Magnolien- und Orangenblüten aufleuchten – sie hätte jede einzelne Zacke der gefiederten , an die Glaswand gedrückten Farnwedel nachzeichnen können ; aber sie sah auch , daß alle Fontänen sprangen . Das schwirrte und zischte und flog silberfunkelnd , wie von hartgespanntem Bogen abgeschnellt , zwischen den Palmenkronen und Drachenbäumen , unermüdlich und scheinbar immer stärker anschwellend , als seien die Wasseradern der Tiefe zum Bersten gefüllt . Und kaskadenartig stürzten sich die wachsenden Wassermassen weiter über den Steinrand des großen Beckens , und einige der kleinen Steinmulden , aus denen vereinzelte Strahlen steil aufstiegen , um in das eigene Becken zurückzufallen , strömten auch über in gleichmäßiger Flut , als stünden sie unter einer schirmenden Glaskuppel . Donna Mercedes stand einen Augenblick tief erschrocken an der Glastür , die sich als festverschlossen erwies . Die Abzugsröhren des Wasserwerkes mußten verstopft sein ... Schon war der Asphaltboden überschwemmt , und die unten aufgestellten Blumentöpfe rollten umgerissen durcheinander . Die Tür nach dem Atelier stand weit offen ; der Samtvorhang war zurückgezogen , und weder eine erhöhte Schwelle noch die kleinste Stufe trennte die Mosaik des Malersaales von dem Fußboden des Wintergartens . Auf dem musivischen Boden aber standen und lagen viel kostbare Gegenstände der Altertumssammlung , und Skizzen und angefangene Bilder von Baron Schillings eigener Hand lehnten an den Wänden . Das alles verdarb , es war verloren , wenn die Wasser heranschwemmten . Sie lief nach der Tür , die direkt aus dem Garten in das Atelier führte – auch sie wich nicht unter ihrer rüttelnden Hand ; aber die dort , hinter der die Treppe in den Oberbau stieg , zeigte einen klaffenden Spalt . Die junge Dame stieß sie zurück und flog die Stufen hinauf . Nur schwach erhellte das schräg hereinfallende Mondlicht einen engen , heißen Vorplatz , auf den eine einzige Tür mündete ; auch sie gab nach , und Donna Mercedes huschte schon durch Baron Schillings Wohnzimmer ... » Die Gnädige « hatte recht gehabt , es war schwül , erdrückend heiß in diesem niederen Raum , in den sich der Herr des Schillingshofes freiwillig verbannt hatte um der prüden Schwester seines verstorbenen Freundes willen , die mit ihm nicht unter einem Dache wohnen wollte ... Dort hing der Vorhang , der das Zimmer vom Arbeitsraum des Künstlers schied . Donna Mercedes schob ihn mit hastigen Händen zur Seite und trat hinaus auf die Galerie . In voller Mondbeleuchtung lag das mächtige Viereck des Ateliers unter ihr , himmelweit verschieden von dem farbenglühenden Gesamtbild , das sie in dem wahren , lebendigen Goldglanz der Nachmittagssonne gesehen , blaß , schemenhaft , und doch voll unheimlichen Lebens und Webens , als husche das scheue Licht mit ausgebleichten , durchsichtigen Schmetterlingsflügeln grüßend um all das Uralte , das Menschenhände vor Jahrhunderten unter dem Monde geschaffen hatten . Hier oben sah man den Wintergarten hinter der Glaswand hingebreitet liegen , wie die herrlichen Pflanzenbilder des Meerbodens unter dem grünlichen Wasser heraufdämmern . Der brausende Lärm der Springbrunnen klang stark herüber , und drunten durch die Türöffnung kam es hereingeschwemmt , in breiter Straße laufend und vereinzelte lange , silberne Zacken vorstreckend , wie das Krustengetier seinem kriechenden Körper die Fühler tastend vorausschickt . Das alles mit einem Blick umfassend , wandte sich Donna Mercedes nach der Wendeltreppe , um hinabzueilen – da schlug ein Lachen an ihr Ohr , ein halbunterdrücktes und doch frohlockendes Auflachen . Unwillkürlich fuhr sie zurück – ein tiefes Grauen überschlich ihr tapferes Herz . Wem gehörte diese wunderliche hochklingende Stimme ? War ein Kind da unten , oder lachte ein Wahnwitziger ? Sie bog sich über das Geländer und sah hinab . Wohin der Mond schien , war kein lebendes Wesen zu sehen ; nur da auf den unteren Treppenstufen , im tiefen , geschützten Dunkel der Ecke , hockte ein zusammengekauerter Gegenstand – ein hingeworfenes Bündel sei es , meinte die junge Dame im ersten Hinsehen . Aber je breiter und rascher das Wasser über die Steinmosaik hinschoß , desto lebendiger wurde es in der Treppenecke , und plötzlich reckte es sich empor und sprang in weitem Bogen in die helle Mondlichtflut hinein . Es war ein Weib – es war die Frau aus dem ersten Stock , die Herrin des Schillingshofes . Sie schien in der dunkeln Ecke auf das Herankommen des Wassers gewartet zu haben , und , nun lief sie an den Wänden hin und warf die hingelehnten Bilder um ; sie schleuderte die Schriften , die Bücher und Skizzenmappen von den Tischen klatschend auf den Steinboden nieder , und schließlich an den großen runden Tisch tretend , der in der Nähe der Staffelei stand , nahm sie das Dolchmesser auf , mit dem Baron Schilling neulich das Bild aus dem Rahmen geschnitten hatte . Mit hochgehobenem Arm ließ sie die glänzende Klinge im Mondlicht blitzen ... Ihre starken blonden Haare sanken ihr vom Kopfe und fielen über den Rücken hinab ; das beachtete sie nicht ; wohl aber bemühte sie sich , mit der linken Hand die grauseidene Schleppe aufzuraffen , um sie vor dem Naßwerden zu schützen , denn das Wasser netzte bereits die Füße der Frau ... Sie war also nicht wahnsinnig , wie Donna Mercedes gefürchtet