um für seinen herzoglichen Freund zu Ingolstadt eine Hilfstruppe von vierzig Harnischreitern , achtzig Spießknechten und zehn Faustschützen auszurüsten . Auch war am Münstertor zu Berchtesgaden einer von den vielen Werbebriefen angeschlagen , die Herzog Ludwig in alle Welt entsandt hatte . Da stand zu lesen : » Wer zu Uns reiten will um Gewinn , dem wollen Wir Unsere Burg öffnen und für Rechnung Proviant auf einen Monat liefern . Wer zu Uns reiten will um Geld und Sold , dem bieten wir auf drei Gewappnete und drei Pferde monatlich fünfzehn Rheinische Gulden und Ersatz des Pferdeschadens im Gefecht nebst Anteil an der Beute . Wer aber soldlos zu Uns reiten will , um Ritterschaft zu suchen , dem versprechen Wir Stechen , Rennen , Tanz und Spiel mit schönen Frauen , Sturm und Scharmützel nach Herzenslust . « Zwei Gadnische Herren , der junge Hundswieben und der Dichter Jettenrösch verließen die erfolgreiche Pflege der frummen Pfennigweiblein im Badhaus zu Berchtesgaden und zogen gen Ingolstadt - um Ritterschaft zu suchen . Darüber wurde in der Marktgasse viel , doch sehr verschieden geredet . Im Someinerschen Hause sprach man von solchen Dingen kein Wort . Frau Marianne war , soweit es den Krieg betraf , eine heroische Schweigerin geworden ; und die alte Magd wie der neue Knecht hatten heilige Eide schwören müssen , den Schnabel zu halten . Unter dem gleichen Schwure stand auch der Medikus . Sooft er bei Lampert eine erfreuliche Besserung wahrnahm , zog die Amtmännin erschrocken die beiden Daumen ein . Und wenn Fürst Pienzenauer sich nach Lamperts Befinden erkundigen ließ , schickte sie sehr schlechte Nachrichten in das Stift hinüber . Sie sagte zur Magd , das täte sie , weil sie abergläubisch wäre . Und in den immer länger werdenden Nächten betete sie um ein Wunder , das der Allmächtige beim besten Willen nicht wirken konnte : Ihr Lampert sollte flink so gesund werden , wie eine Forelle im Bergbach ist und sollte dabei für den Propst so leidend erscheinen , daß er als Invalide dem grauenvollen Morden und Brennen entzogen blieb , zu dem der Krieg der bayerischen Herzöge sich auswuchs . Immer schrecklicher lauteten die Botschaften , die von gebrochenen Burgen , geplünderten Städten , gebrandschatzten Dörfern , erschlagenen , gehenkten , erstochenen , verbrannten und ersäuften Menschen aus dem ebenen Lande hereindrangen in das wieder friedsam gewordene Bergtal , wo man keine toten Kriegshelden mehr zu begraben hatte , nur noch mager gewordene Lazarusse , die gleich dem Amtmann Someiner an der roten Ruhr das Zeitliche gesegnet hatten . Nach der zweiten Augustwoche , an einem Berglandsmorgen von wundersamer Schönheit wanderte die vom heiligen Peter für Herzog Ludwig ausgerüstete Hilfstruppe mit fröhlichem Pfeifenklang gegen Salzburg davon . Lampert , in seiner weißen Genesungsstube , hörte von der kriegerischen Musik und dem Lärm der Menschen noch einen verworrenen Schall . Er hob sich aus den Kissen . Seine tiefliegenden Augen fingen zu glänzen an . » Mutter ? Marschieren da nicht Kriegsleut aus ? « » Was dir einfallt ! « Mutter Marianne log mit geschulter Seelenruhe . » Heut ist Hochzeit . Einer von den Burghausener Kriegsgefangenen heiratet eine Gadnische Hofmannstochter . Da gönnen ihm die Hofleut ein lützel Kriegsmannsehr und spielen einen Lustigen auf . « Ernst sah Lampert die lächelnde Mutter an und ließ sich stumm auf das Kissen zurückfallen . Dann sprach er ruhig vor sich hin : » Jetzt kann ich auch bald wieder reiten . « Frau Marianne erschrak , daß ihr der Herzschlag zu stocken drohte . 5 Während Herzog Ludwigs Hauptmann Christoph Laiminger mit seinem Heerhauf seit Wochen die fränkischen Güter des Fritz von Zollern verwüstete , fielen entlang allen Grenzen des Landshuter Gaues die Ingolstädtischen Truppen unter Marschall Frauenberger , unter Hauptmann Muracher und dem Pfleger von Wasserburg in Herzog Heinrichs Lande und hinterließen in Hunderten von niedergebrannten Dörfern die Spuren ihrer Wege . Wie eine laufende Flamme brannte der Krieg an allen Ecken und Enden der bayerischen Herzogtümer auf . Wilhelm und Ernst von München , der Kurfürst von der Pfalz und Johann von Neumarkt - die Herr Heinrich zur Hilfe wider den unbequemen Ingolstädter gewonnen hatte - sandten ihre Fehdebriefe an Ludwig im Bart. So standen alle Wittelsbacher im Kampfe gegen diesen Einen ihres Blutes , der durch seine gewalttätige und hochfahrende Art , durch seinen französischen Übermut , sie alle schon einmal gekränkt , verhöhnt , beleidigt und geschädigt hatte . Der auflodernde Zorn der Fürsten übertrug sich auf ihre Untertanen . In Städten und Dörfern , in Burgen und Handwerkerstuben , überall , wo Bürger der Wittelsbachischen Herzöge bisher friedlich beisammen gewohnt hatten , ergriffen sie Partei für ihre Fürsten und zerschlugen einander die Köpfe unter dem Geschrei : » Hie Ludwig ! Hie München ! Hie Heinrich ! « Auf den Universitäten zu Prag , Wien , Heidelberg und Leipzig stachen in den Bursen die Studenten einander die Rapiere in den Leib , auf den Märkten der deutschen Städte prügelten sich die Kaufleute und ihre Kunden , die Viehtreiber und Karrenführer . Wie die Fürsten , so wechselten die ihnen verbündeten Ritter und Städte ihre Fehdebriefe . Mehr als fünfhundert Lehensherren der Münchener Herzöge und des Landshuters begannen Krieg wider Ludwig . Und fast ebensoviel ritterliche Freunde des Ingolstädters , der nach seinen Werbebriefen Zuzug auch aus Frankreich , Ungarn , Italien , Holland und Dänemark bekam , kündeten dem Herzog Heinrich und den Münchener Fürsten den Frieden auf . Die Briefe , die man noch immer wechselte , während das Morden und Brennen schon begonnen hatte , flossen über von Hohn , Verdächtigung und Haß . Die gegenseitigen Beschimpfungen häuften sich wie bei den Homerischen Helden vor dem Zweikampf . Da seit der unglückseligen Erbteilung der bayerischen Lande die Besitzungen der Wittelsbachischen Fürsten in Flicken und Lappen die Länder des Gegners durchsetzten , stand Nachbar gegen Nachbar im Kriege : Burghausen gegen Wasserburg , Landshut gegen Freising , Tölz gegen München , Schrobenhausen gegen Pfaffenhofen ,