ihm gesprochen ? « » Ja , er war da . « » Wann ? « » Heut früh . Des Sonntags stehe ich immer eher auf als sonst , weil ich , wenn die Glocken läuten , mit der Arbeit fertig sein will . Heut war es nun noch zeitiger als gewöhnlich . Ich ging in den Garten , um Soghanlar79 zu holen ; da stand mein Aschyk plötzlich vor mir und sagte , daß er schon jetzt gekommen sei , weil er heut Abend nicht dasein werde . « » Wo will er da wohl hin ? « » Das weiß ich nicht . Ich konnte ihn nach gar nichts fragen , weil er keine Zeit hatte , mir zu antworten . Aber es war sehr rührend , als er ging , sehr ! « » Wieso ? « » Er ergriff meine Hand und streichelte mir mit seiner andern Hand über den Kopf , so - - so - - « Sie zeigte mir , wie er es gemacht hatte , und fuhr dann fort : » Und dazu sagte er : Pekala , sagte er , wir haben im letzten Jahre viele , sehr viele Lügen gemacht , und der Ustad und der Effendi sind doch so liebe und so gute Menschen , die man auf keinen Fall belügen oder gar betrügen sollte . Versprich mir , daß du ihnen von heute an die volle Wahrheit sagen willst , wenn sie dich nach mir fragen ! Da habe ich es ihm versprochen und ihm auch die Hand darauf gegeben , daß ich es halten werde , denn - - - « Sie hielt inne , weil ihr die Tränen kamen . Da wischte sie sich die Aeuglein und auch das kleine Näslein an die Schürze und fuhr hierauf fort : » Denn mit dem Lügen ist es - - - verzeihe mir , Effendi ! Ich nehme dann nachher zum Kochen gleich eine andere , eine neue Schürze - - - denn mit dem Lügen ist es eine schlimme Sache . Man kann nämlich nicht schlafen , wenn man dich oder den Ustad belogen hat , und so will ich dir denn jetzt ganz offen sagen - - - « Sie wischte sich jetzt abermals , und zwar sehr nachhaltig , was sie jetzt nun doch wohl durfte , weil sie ja nachher eine neue Schürze nehmen wollte , und sprach weiter : » - - - will dir ganz offen sagen , daß die Sache anders gewesen ist , als ich dir erzählt habe . Es muß vom Herzen herunter , sonst halte ich es nicht aus ! Mein Aschyk ist nämlich nicht nur alle Monate gekommen , sondern - - - « Da unterbrach ich sie : » Laß das jetzt , Pekala ! Ich wünsche nicht , daß du dir wehe tust . « » Ich soll es dir nicht erzählen ? « » Nein . « » Aber da bringe ich es doch nicht herunter und kann heute Nacht wieder nicht schlafen ! « » Doch , doch ! Es ist nämlich genau so gut , als ob du es erzählt hättest . Der Ustad und ich verzeihen es dir . Wenn wir es einmal wissen wollen , werden wir dich schon selbst fragen . Dann aber mußt du uns freilich die volle Wahrheit sagen , keine Lüge mehr ! « Da wurden ihre Aeuglein wieder klar ; das Näslein verlor die Lust , sich kummerfeucht zu zeigen , und sie antwortete schnell : » Lüge ? Nie wieder , nie , niemals ! Wir sind wahrscheinlich selbst auch belogen worden , besonders vom Scheik ul Islam , der gesagt hat , daß er bloß sein Schreiber sei ! Von ihm hat mir mein Aschyk eine Schlechtigkeit mitgeteilt , die ganz unerhört ist ! « » Ich denke , er hat gar nicht viel mit dir gesprochen ! « » Das ist auch wahr , aber dieses doch ! Denke dir , dieser armselige Scheik des Islam hat behauptet , meine Nase sei zu klein , mein Maul zu groß und mein Gang wie Elefantentrab ! Der soll mir einmal wiederkommen ! Ich warte schon darauf ! Was so eine Lüge anrichtet , das glaubst du gar nicht , Effendi ! Ich habe diesen ganzen Tag daran denken müssen und mich vor Aerger wenigstens hundertmal vergriffen . Dem Pedehr habe ich seinen Kaffee nicht von Bohnen , sondern von Pfefferkörnern gekocht . Denke dir sein Gesicht , als er trank ! Den Leuten habe ich Salz anstatt Zucker an die Limonada geschüttet ! Und in dem Eierkuchen , den ich für mich selbst gebacken habe , fand ich einen Strang schwarzen Nähzwirn , vier Knöpfe und eine bleierne Flintenkugel . Ist das nicht geradezu fürchterlich , was solche Lügen für schreckliche Folgen haben ? Meine Nase zu klein ! Wenn dieser Mensch sich wiedersehen läßt , bekommt er den ganzen Eierkuchen ins Gesicht , den ganzen , gleich auf einmal ! Ich hebe ihn mir auf ! Der liegt bereit , alle Tage , und schwapp , da hat er ihn ! « Sie machte mir mit den Händen die betreffende Bewegung vor . Ich mußte lachen ; sie aber meinte es ernst . Der Aschyk schien seine Pekala zu kennen . Er hatte dem Scheik ul Islam diese Sünden gegen die weibliche Schönheit in den Mund gelegt und damit mehr erreicht , als er durch alle möglichen Warnungen und Ermahnungen hätte erreichen können . Ich durfte überzeugt sein , daß sie den frommen Herrn niemals wieder um eine Naddara bitten werde ! Sie fuhr fort : » Nur den Lügen dieses Scheik ul Islam ist es zuzuschreiben , daß mein Tifl fortgegangen ist , obgleich ich ihm so gute Worte gab , bei uns zu bleiben . Er hatte ihm weißgemacht , hier bei uns werde er es doch zu nichts bringen ; wenn er aber mit ihm gehe und beim