biographische Notizen . Diesen Anspruch aber seh ich in diesem Gedichte nicht erfüllt . Es ist eminent gelegenheitlich und auf einen engen oder engsten Kreis berechnet , wie ein Verlobungs- oder Hochzeitstoast . Es hat die Bekanntschaft mit einem halben Dutzend Seydlitzanekdoten zur Voraussetzung , und ich glaube kaum zuviel zu sagen , wenn ich behaupte , daß es nur von einem preußischen Zuhörer verstanden werden kann . Lesen Sie das Gedicht , auch in bester Übersetzung , einem Engländer oder Franzosen vor , und er wird außerstande sein , sich darin zurechtzufinden . « Bninski schüttelte den Kopf . » Unser verehrter Gast , Graf Bninski « , fuhr Tubal fort , » scheint mir nicht zuzustimmen . Es freut mich dies um des Dichters willen , dem ich , von unerwarteter Seite her , einen Verteidiger erstehen sehe . Der Graf hat vielleicht die Freundlichkeit , sich eingehender über diesen Gegenstand zu äußern . « Lewin wiederholte dieselbe Bitte . » Ich kann mich auf wenige Bemerkungen beschränken « , nahm der Graf in gutem , wenn auch polnisch akzentuiertem Deutsch das Wort . » Ich kenne von General Seydlitz nichts als seinen Namen und seinen Ruhm , glaube aber das Gedicht des Herrn Hansen-Grell vollkommen verstanden zu haben . Ich ersehe aus seinen Strophen , daß Seydlitz zu Calcar geboren wurde , daß er das Lernen nicht liebte , aber desto mehr das Reiten . Dann folgen Anekdoten , die deutlich für sich selber sprechen , zugleich auch seine Reiterschaft glorifizieren , bis er in der letzten Strophe jenem besseren Reiter erliegt , dem wir alle früh oder spät erliegen . Dies wenige ist genug , weil es ein Ausreichendes ist . Hier steckt das Geheimnis . Ich habe mich in Jahren , die länger zurückliegen , als mir lieb ist , um die Volkslieder meiner Heimat gekümmert , auch vieles davon gesammelt , überall aber hab ich wahrgenommen , daß das sprungweise Vorgehen zu den Kennzeichen und Schönheiten dieser Dichtungsgattung gehört . Die Phantasie muß nur den richtigen Anstoß empfangen ; ist dies geglückt , so darf man kühn behaupten : Je weniger gesagt wird , desto besser . « » Ich bescheide mich « , erwiderte Tubal , » um den Fortgang unserer Sitzung nicht länger als wünschenswert unterbrochen zu sehen . Wenn ein unbefugter Blick in den Pappbogen unseres Herrn Vorsitzenden mich nicht falsch orientiert hat , so haben wir zunächst noch einige von ihm selber herrührende Strophen zu erwarten . « » Der Scharfblick unseres Freundes Ladalinski hat sich auch diesmal wieder bewährt . Es war meine Absicht , die lyrische Reihe heute persönlich abzuschließen , bitte aber , meinen Beitrag , der noch der Feile bedarf , zurückziehen zu dürfen . « Lewin sprach diese Worte nicht ohne Verlegenheit , da es in Wahrheit ein sehr anderer Grund war , der ihn von seiner ursprünglichen Absicht abzustehen veranlaßte . Wußt er doch am besten , aus welcher zaghaften Stimmung heraus die drei kleinen Strophen geschrieben worden waren , um die es sich handelte ; und wie sehr sich diese Zaghaftigkeit schließlich auch in das Gewand der Hoffnung gekleidet haben mochte , doch war es ihm zu Sinn , als ob Bninski mit feinem Ohr den elegischen Grundton des Liedes heraushören und die Veranlassung dazu erraten müßte . Dieser Gedanke war ihm in hohem Maße peinlich , so daß er denn auch wirklich die Strophen zurückschob und , das nunmehr obenaufliegende Prosamanuskript an Rittmeister von Hirschfeldt überreichend , diesen bat , mit seinem Vortrage zu beginnen . Der Angeredete , mit jener Frankheit , die der Reiz und Vorzug des Soldaten ist , rückte sich zurecht und begann , ohne jedes Vorwort , mit klangvoller Stimme : Erinnerungen aus dem Kriege in Spanien Das Gefecht bei Plaa Mein älterer Bruder Eugen , nachdem er erst unter Schill , dann unter dem Herzog von Braunschweig gefochten , auch der Einschiffung nach England sich angeschlossen hatte , hatte von dort aus spanische Dienste genommen und war im Sommer 1810 in Andalusien eingetroffen . Als ich davon hörte , folgte ich ihm und traf ihn , eben gelandet , auf dem großen Marktplatze von Cadix . Über die Freude des Wiedersehens gehe ich hinweg . Er hatte an demselben Tage das Majorspatent empfangen , und seinem Einfluß gelang es leicht , mir eine Offiziersstelle zu erwirken . Das Treiben in Cadix mißfiel uns , so daß wir froh waren , als Meldung eintraf , daß wir der in Katalonien stehenden , täglich in Gefechten mit dem Feinde verwickelten Armeeabteilung zugeteilt seien . Wir gingen dahin ab und landeten , nach einer höchst beschwerlichen , uns den ganzen Unterschied zwischen einem spanischen und einem englischen Kriegsschiff fühlbar machenden Seereise , im Hafen von Tarragona . Dies war Ende November , genau zwei Monate nach meiner Ankunft in Spanien . In Katalonien sah es besser aus als in Andalusien . Wir kamen zum Dragonerregiment Alcantara , mein Bruder als Oberstlieutenant , ich als Premier . Der Empfang , den wir fanden , war kameradschaftlich ; man hatte ein besonderes Vertrauen zu allen preußischen Offizieren . Die Alcantaradragoner waren ihrerzeit ein sehr bevorzugtes und sehr prächtiges Regiment gewesen ; sie trugen unter dem alten Regime dreieckige Hüte mit weißen Bandtressen , gelbe lange Röcke mit rotem Futter und rotem Kragen , dazu grüne Rabatten und blaue kurze Hosen . Eine Vertretung also sämtlicher Farben . Von dieser Pracht und Herrlichkeit war indessen nach der Neuformierung , die die ganze Armee seitdem erfahren hatte , wenig übriggeblieben , und die Alcantaradragoner , die wir vorfanden , mußten sich an einem niedrigen ledernen Czako und einem langen blauen Rock mit Regimentsnummer und Messingknöpfen genügen lassen . Die Bewaffnung war ein sehr langer Degen mit schmaler Klinge und schwerem eisernen Korb , so daß das Gewicht in der Hand lag , dazu Karabiner und Pistole . Unser Regiment gehörte zur Armee des Generals O ' Donnell , spezieller zu der vorgeschobenen Division