. - Und ich sagte Amen . Denn die Not war schwer : und ich wußte wohl , der Herr werde den frommen Sohn der Witwe behüten . Und wir beteten miteinander eine Stunde , hier vor dem Kreuz . Und dann erhob sich mein Jucundus und drang in die Höhlung dort unter den Wurzeln der Olive . Ich horchte dem Schall seiner Bewegungen , bis er verhallte . Er ist noch immer nicht zurückgekommen . Aber tot ist er nicht ! O nein ! Kein Tag vergeht , daß ich nicht denke : heut ' führt ihn Gott zurück . War nicht auch Joseph fern lange Jahre in Ägyptenland ? und doch haben Jakobs Augen ihn wiedergesehen . Und mir ist , heut ' oder morgen sehe ich ihn wieder . Denn heute nacht im Traum hab ' ich ihn gesehen , wie er im weißen Gewand heraufschwebte aus der Höhlung dort : und beide Arme breitete er aus : und ich rief ihn beim Namen , und wir waren vereint auf ewig . Und so wird ' s werden : denn der Herr erhöret das Flehen der Betrübten , und wer ihm traut , wird nicht zuschanden werden . « Und die Alte erhob sich , drückte Miriams Hand und ging in ihr kleines Häuschen . Allmählich war der Mond voll aufgegangen und erhellte zauberisch das enge Gärtchen , in das des Turmes schwere Schatten fielen : und stark dufteten die Rosen . Miriam stand auf und blickte an dem Kreuz empor . » Welch mächtiger Glaube ! welch lebendiger Trost ! welch milde Lehre ! Ist es so ? Ist der Mann , der dort am Kreuz in Todesweh das Haupt gebeugt , ist er der Messias ? Ist er aufgefahren gen Himmel und sorget für die Seinen , wie ein Hirt , der seine Lämmer weidet ? - - - Ich aber zähle nicht zu seiner Herde ! An jenem Trost hat Miriam keinen Teil . Mein Trost ist meine Liebe mit all ihrem Weh : sie ist meine Seele selbst geworden . Und ich sollte einst dort oben über den Sternen hinschweben , ohne diese Liebe ? Dann wär ' ich nicht Miriam mehr ! Oder soll ich sie mit hinauftragen , und wieder zurückstehen ? und wieder durch alle Ewigkeit die Römerin an seiner Seite sehen ? Sollen sie dort wohnen und wandeln in der Fülle des Glanzes und ich im trüben Nebel einsam folgen und nur von ferne leuchten sehen den Saum seines weißen Gewandes ? Nein , o nein , viel besser , wie meine Blumen hier , erblühen am Sonnenblick der Liebe , duften und glühen eine kurze Weile , bis sie die Sonne versengt , die sie geweckt und geopfert hat : und verwehen in ewige Ruhe , nachdem der weiche , süße , unselige Drang nach dem Lichte gebüßt ... « - - » Gute Nacht , Miriam , lebe wohl ! « rief eine melodische Stimme . Und fast erschrocken blickte sie auf : und sah noch des Goten weißen Mantel vor der Treppe um die Ecke verschwinden . Uliaris ging nach der entgegengesetzten Seite . Rasch sprang sie die Stufen hinan und sah dem weißen Mantel , der silbern im Mondlicht glänzte , nach , lang , lang , bis er verschwand in fernen Schatten . Viertes Kapitel . Alle Tage zweimal traten so Uliaris und Totila zusammen , berichteten ihre Erfolge , ihre Verluste und prüften ihre Aussichten zur Rettung der Stadt . Aber am zehnten Tage der Belagerung etwa rasselte Uliaris vor Tagesanbruch auf das Verdeck von Totilas » Admiralschiff « , eines morschen Muränenfängers , wo der Seegraf von Neapel , von einem zerfetzten Segel gedeckt , schlief . » Was ist ? « rief Totila auffahrend , noch im Traum , » der Feind ? wo ? « - » Nein , mein Junge , diesmal ist ' s noch Uliaris , nicht Belisar , der dich weckt . Aber lange , beim Strahl , wird ' s nicht mehr dauern . « - » Uliaris , du blutest - dein Kopf ist verbunden ! « - » Bah , war nur ein Streifpfeil ! Zum Glück kein giftiger . Ich holt ' ihn mir heut ' nacht . Du mußt wissen : die Dinge stehen schlecht , schlechter als je seit gestern . Der blutige Johannes , Gott hau ' ihn nieder , gräbt sich wie ein Dachs an unser Kastell Tiberii : und hat er das , dann : gute Nacht , Neapolis ! Gestern abend hat er eine Schanze auf dem Hügel über uns vollendet und wirft uns Brandpfeile auf die Köpfe . Ich wollt ' ihn heute nacht aus seinem Bau werfen , ging aber nicht . Sie waren sieben gegen einen und ich gewann nichts damit als diesen Schuß vor meinen grauen Kopf . « » Die Schanze muß weg , « sagte Totila nachsinnend . » Den Teufel auch , aber sie will nicht ! Allein mehr . Die Bürger , die Einwohner fangen an , schwierig zu werden . Täglich schießt Belisar hundert stumpfe Pfeile mit seinem Aufruf zur Freiheit herein . Die wirken mehr noch als die tausend scharfen . Schon fliegt hier und da ein Steinwurf von den Dächern auf meine armen Burschen . Wenn das wächst - - ! - Wir können nicht mit tausend Mann vierzigtausend Griechen draußen abhalten und dreißigtausend Neapolitaner drinnen : drum meine ich « - und sein Auge blickte finster - » Was meinst du ? « » Wir brennen ein Stück der Stadt nieder ! Die Vorstadt , wenigstens ... « - » Damit uns die Leute lieber gewinnen ? Nein , Uliaris , sie sollen uns nicht mit Recht Barbaren schelten . Ich weiß ein besser Mittel - sie hungern : ich habe gestern vier Schiffsladungen Öl und Korn und Wein hereingeführt , die will ich verteilen . « - » Öl und Korn , meinethalben