: Du bringst nichts Gutes , Bruder ! Du hast um meinetwillen Unannehmlichkeit gehabt ! Nicht um Deinetwillen ! gab er ihr zur Antwort . Aber dennoch Unannehmlichkeiten ? - Er bejahte es kurz . - So billigt der Baron die Heirath nicht ? fragte sie kleinlaut . Adam sah sie an , als komme ihm diese Angelegenheit erst jetzt wieder in den Sinn , und in dem Augenblicke nur an sich selber denkend , sagte er : Ach , das ist ja das Wenigste ! Das Wenigste ? Aber was ist denn sonst geschehen ? rief Eva , der des Bruders sichtliche Erschütterung allmählich immer klarer wurde , um Gottes willen , was ist denn geschehen ? Er setzte sich hin und zog sie neben sich . Mach ' Dich bereit , Schwester , sprach er , etwas recht Unerwartetes zu hören ; es hat mich auch gefaßt , als ich ' s vernahm ! - Er hielt inne und sagte dann : Es ist aus zwischen uns und ihnen - wir gehen fort von hier ! Adam , rief das Mädchen , Adam , das ist ja gar nicht möglich ! Wir , wir sollen fort von hier , von hier ? Ihr Ton erweckte den eigenen Schmerz aufs Neue . Du wärst ja doch bald fortgegangen ! sagte er , um sie und sich zu trösten . Aber Du , Du ? brach Eva hervor und umschlang ihn mit ihren Armen , und ihre Thränen fielen nieder auf seine Brust , und das Herz ward ihm so weich , daß er keines Wortes mächtig war . Draußen tickte die große , englische Stehuhr ihren altgewohnten Pendelschlag , im Hofe plätscherte das Wasser des Rohrbrunnens in das weite Becken . Die Uhr wird hier nicht lange mehr schlagen ! Das Wasser werde ich nicht lange mehr fallen hören ! dachte er , und er hatte Noth , die eigenen Thränen zurückzuhalten , deren er sich schämte . Mit tiefem Athemzuge stand er auf . Jetzt , da Eva es wußte , hatte er überwunden . Sei verständig , Mädchen , sagte er , und mach ' uns beiden das Herz nicht unnütz schwer ! Richten und Rothenfeld sind nicht die Welt , und ich denke , wir sollen fortan beide keinen Herrn mehr haben , der uns befehlen kann - und bald Gott dafür danken , daß wir frei sind , Du und ich ! Laß den Christian satteln , er soll heute bis Feldheim reiten , so erfährt Herbert morgen Mittag in Kerben , was geschehen ist , und Du mußtest es ja auch erfahren ! - Komm ' zu mir , wenn Du den Befehl gegeben hast . Sechszehntes Capitel Dem Freiherrn seiner Seits war es auch nicht wohl ums Herz . Er hatte zu viel Ehrgefühl und Stolz , um es nicht schwer zu empfinden , wenn er sich sagen mußte , daß er einem seiner Untergebenen ein Unrecht gethan , und in diesem Falle befand er sich jetzt seinem Amtmanne gegenüber . Dazu hing er am Hergebrachten , am Gewohnten mehr als er es sich selber eingestand , und die Herren von Arten hatten sich immer etwas damit gewußt , seit mehr als hundert Jahren dasselbe Geschlecht in ihren Diensten zu haben . Alte , treue Diener gehörten nach der richtigen Ansicht des Freiherrn zum edelsten Familienbesitz , und noch war er niemals in der Lage gewesen , sich eines Theils desselben zu entäußern . Es wäre ihm hart angekommen , sich von einem der von Geschlecht zu Geschlecht vererbten Geräthe zu trennen ; sich von einem Menschen loszusagen , dessen Familie so lange mit den Erinnerungen seines Hauses verbunden gewesen war , kam ihm noch schwerer an . Und er hatte den Adam , er hatte beide Geschwister gern . Es waren , das konnte und mochte er sich selbst in dieser Stunde nicht verhehlen , tüchtige und brave Menschen . Einen treueren Beamten als den Adam konnte er nicht finden . Er ging mit sich lange und ernsthaft zu Rathe . Wären die Zeiten gewesen wie früher , so würde er vielleicht nicht angestanden haben , am nächsten Tage den Amtmann kommen zu lassen , ihm , der im Grunde ja noch ein junger Mensch war , den Kopf tüchtig zurecht zu setzen und ihm dann anzuzeigen , daß er ihm vergeben , ihn in seinem Dienste behalten wolle , und Adam würde das dankbar angenommen haben . Aber die Zeiten hatten sich gewaltig geändert , seit die Revolution in Frankreich ausgebrochen war , seit man dort den edeln , unglücklichen König enthauptet und eine Staatsverfassung , eine Republik eingeführt hatte , in der Gewerbtreibende und Gelehrte , Leute ohne Geburt und Rang am Ruder waren , die den Adel seines angestammten Besitzes , seiner angeerbten Vorrechte beraubt und das Blut der edelsten Geschlechter in Strömen vergossen hatten . In Adam ' s Worten : Ich bin ein freier Mann ! hatte der Freiherr vernommen , was jetzt , seit sie in Frankreich die Menschenrechte verkündet , all diesen Leuten im Kopfe spukte , und das war es gewesen , was ihn so erbittert hatte , was ihm auch jetzt ein verzeihendes Einlenken als völlig unthunlich erscheinen ließ ; denn undenkbar war es nicht , daß der Amtmann , wie die Welt jetzt aussah , es verschmähte , die dargebotene Begnadigung anzunehmen . Er hatte zu fest , zu strack vor ihm gestanden ! Adam war auch ganz der Mann danach , mit seinem ansehnlichen Vermögen lieber selbst den Gutsherrn machen zu wollen - und was dann ? Der Freiherr konnte , durfte nach seiner Ueberzeugung nicht widerrufen , was er ausgesprochen ! Allerdings hatte er damit eine Menge von Unbequemlichkeiten und Sorgen über sich genommen , aber es blieb ihm nichts übrig , als den Sohn des braven Steinert mit einer gerechten Beschwerde über seinen Herrn von dannen gehen zu lassen . Denn gegen Herbert und Eva war er thatsächlich nicht