, dich in ein neues helles Dasein zu führen . « Und während der Alte auf dem Turme so sprach , schritt ein Wanderer schnell durch die Gassen der Stadt . Der letzte Eisenbahnzug , der von Norden her die Stadt erreicht , hatte diesen Wanderer herübergeführt ; es war Robert Wolf . Ein Wundarzt , welcher den letzten Teil der Reise mit ihm zusammen machte , hatte ihm mit aller Gewalt zur Ader lassen wollen , weil er eine Gehirnentzündung oder dergleichen bei dem jungen aufgeregten Passagier im Anzug glaubte . Eine Reisetasche mit den Buchstaben R.W. figurierte später im Verzeichnis der in den Wagen vergessenen Gegenstände . Mit einem Satze aus dem Kupee und vorüber an den mißtrauischen Helfershelfern des Polizeischreibers Fiebiger ! Mit einem Sprung aus der Halle in die Gassen . O wie die Pulse klopften , wie es vor den Augen flimmerte , wie die Gaslichterreihen tanzten ! Es ist ein weiter Weg vom Hamburger Bahnhof bis in die Mitte der Stadt , bis zur Musikantengasse , bis zum Nikolaikloster ; aber keine Prämiendroschke hätte ihn schneller zurückgelegt als Robert Wolf . Erst an der Ecke der Kronenstraße mäßigte er seine Schritte ; zwischen der einstigen Wohnung des Bankiers Wienand und dem von Poppenschen Hause stand er einen Augenblick ganz still . Der holde Baptiste war nicht mehr beauftragt , ihn zu überwachen ; - dunkel waren die Fenster zu beiden Seiten der Häuser , zwei derselben in der Nummer fünfzig waren geöffnet , und der Wind hatte die weißen Gardinen hervorgerissen und warf sie gespenstisch hin und her . Die Straße war nicht sehr belebt , alle Vorübergehenden hätte Robert Wolf fragen mögen , ob sie nichts wüßten von den beiden dunkeln Häusern und ihren Bewohnern . Endlich riß er sich los von der Stelle , die ihn so gewalttätig bannte ; weiter schritt er durch die bekannten Gassen , das Labyrinth , welches ihn vor Jahren so sehr geängstet hatte . Jetzt schreckten die aufgetürmten Steine , das Drängen des Volkes den Mann nicht mehr , der das Kap Hoorn umschifft hatte , der über die großen Prärien geritten war . Noch eine Ecke , und da - da war die Musikantengasse , da war das Haus Nummer zwölf . Ein Heimchen zirpte laut unter der Schwelle ; aber nur das mittlere Stockwerk , in welchem jetzt ein Beamter wohnte , war erleuchtet . Weiter oben war alles dunkel , der Partikulier Mäuseler befand sich im Roten Bock ; der Gatte der liebenswürdigen Angelika gähnte wahrscheinlich eben auf der andern Seite der Erdkugel den jungen amerikanischen Tag an . Wo der Polizeischreiber Friedrich Fiebiger sich befand , wußte Robert Wolf , und so trat er nicht ein in das Haus , sondern grüßte nur ernst und gerührt nach den höchsten Fenstern desselben hinauf . Da war das dunkle Gäßchen und das Fenster der Kammer , in welcher der Meister Johannes Tellering gestorben war ! Da war die niedere Pforte , welche in den gerümpelvollen Hof des Nikolausklosters führte , da war die steile Wendeltreppe , der Schleichweg der Mönche , wo der Schüler des Sternsehers sonst drei Tritte für einen genommen hatte ! Heute stieg er Tritt für Tritt empor und hielt sich krampfhaft an dem baufälligen , knackenden Geländer ; gleich einem Trunkenen schwankte er . Alle Ecken und Winkel am rechten Fleck ! Auch die Ecke , an welcher man sich so leicht das Schienbein zerstieß ! Tüchtig rannte Robert Wolf dagegen , aber er hatte kein Gefühl für den Schmerz . - Und im Giebelzimmer des Sternsehers sagte eben Juliane von Poppen : » Es ist Zeit zu scheiden ; wir müssen gehen , Helene ! « Da richtete sich Ulex horchend auf , und Fiebiger sprang empor . Welch ein Schritt draußen ? ! Lautlos , regungslos horchte der kleine Kreis , und dann klopfte es an der Tür , und die Tür öffnete sich . Der Polizeischreiber stieß einen ganz unpolizeimäßigen Schrei aus , der Gelehrte hob die Hände ; Helene Wienand erhob sich geisterbleich , zitternd an allen Gliedern , und das Freifräulein ließ den Krückstock fallen . In den Armen hielt Friedrich Fiebiger den Pflegesohn : » Da bist du ! Da bist du ! O jetzt lobe ich auch ohne Vorbehalt die Sterne . Junge , Junge , mein lieber Junge , da bist du endlich . « Er ließ ihn nur los , um ihn dem Sternseher hinzuschieben : » Da hast du ihn auch ! Da habt ihr alle ihn ! Er ist es ! Die Kannibalen haben ihn nicht gefressen . Gepriesen seien die Sterne ! « » Gesegnet sei dein Eingang , liebes Kind ! « rief Ulex mit hochbewegter Stimme . » Wir haben dich mit Sehnsucht erwartet , aber ich wußte wohl , daß du zu rechter Stunde kommen würdest . « Sprachlos , mit überströmenden Augen , blickte Robert umher , er sah auch Helene und wollte auf sie zu ; doch das Freifräulein trat jetzt heran , dicht heran an den heimgekehrten Wanderer . Sie hatte die Lampe vom Tisch genommen und ließ den Schein derselben ihm voll ins Gesicht fallen und sah ihm aufmerksam und prüfend in die Augen . Sie sah in das mannhafte Gesicht und sah die hellen Tränen an den Wimpern hängen , sie setzte die Lampe wieder nieder , reichte dem Jüngling die Hand und sprach : » Du hast dich gut gehalten ; - sei willkommen ! « Seine hohe Gestalt beugte Robert , um der alten Dame die Hand zu küssen ; aber sie faßte ihn um den Hals und küßte ihn auf die Stirn . Dann warf sie in ihrer alten Weise den Kopf zurück und sagte mit vollständig verändertem Ton und Ausdruck : » Nun , junger Herr , wollen Sie meinem Kinde hier kein Wort sagen ? Komm her , Helene ; komm aus dem Schatten , Liebchen ; die Sonne will wieder in dein Leben scheinen