, sich aus dem Ueberschuß der Revenüen nach und nach ein bedeutendes Vermögen zurücklegen zu können . Deshalb ist ihr Malte lange nicht so wichtig . Dennoch fürchtet sie auch für den , da bei seinem Tode das Majorat ganz außer dieser Linie heraus an eine noch jüngere fallen würde , die durch Felix von Grenwitz , einen Ex-Lieutenant und notorischen Roué , repräsentirt wird . Und nun kommt die Teufelei : um , wenn auch der Baron und selbst Malte vor der Zeit sterben sollten , doch immer noch , so zu sagen , die Hand im Spiele zu haben , hat Anna-Maria eine Heirath zwischen Fräulein Helene und dem ausgezeichneten Vetter Felix projectirt . Das arme Kind weiß nichts von diesem interessanten Plan , desto mehr aber fürchte ich , der ausgezeichnete Felix , der in wenigen Tagen nach Grenwitz kommen wird , um fern von dem aufregenden städtischen Treiben in der Stille des Landlebens ganz seiner angegriffenen Gesundheit zu leben , wie die Baronin sagt . Mit einem Worte : es ist die alltägliche Misère von Soll und Haben , das ganz gemeine Brimborium , durch welches ein unschuldiges Püppchen geknetet und zugerichtet wird , und Ihnen wird das Glück zu Theil werden , diesem erhabenen Schauspiel als unbefangener Beobachter beiwohnen zu dürfen . Das wird nimmermehr geschehen , rief Oswald . Sie wollen also Ihre Stelle aufgeben ? Eine Sturmfluth von Leidenschaft brauste durch Oswald ' s Seele . Er dachte an die unglückliche Marie , die jetzt oft mit auf der Brust gefalteten Händen , wie eine schmerzensreiche Heilige , durch seine Träume glitt ; er dachte an Melitta , die verkauft worden war von ihrem eigenen Vater ! Jetzt sollte sich das Bubenstück wiederholen - vor seinen Augen - Nimmermehr , nimmermehr ! rief er , wenigstens nicht , bevor ich , so oder so , die Ausführung dieses schurkischen Planes vereitelt habe ; bevor ich gethan habe , was ich konnte , ihn zu vereiteln ! Aber was werden Sie thun können ? lieber Freund , die Großmuth ist eine Tugend , der wir genau auf die Finger sehen müssen , damit sie uns nicht die Heldenkrone , von der wir träumen , in eine klingende Schellenkappe verwandelt . Denken Sie an den edlen Junker aus der Mancha , und wie sein ritterlicher Leib geschunden und geprügelt wurde für die Wallungen seines guten Herzens ! - Und dann : wissen Sie denn , ob die Andromeda , deren Perseus Sie werden wollen , überhaupt befreit sein will ? Ich kenne den Baron Felix nicht - vielleicht ist er besser , als sein Ruf ; ich habe nicht drei Worte mit Fräulein Helene gesprochen - - vielleicht ist sie keineswegs so lieb und gut , wie sie schön ist . Sie ist es , sie ist es , verlassen Sie sich darauf , rief Oswald eifrig . Gut , daß Sie noch nicht dreißig Jahre alt sind ; sagte der Doctor lachend . Weshalb ? Sie wissen , was den Schwärmern , nach Goethe ' s Ausspruch , in dem bezeichneten Lebensalter zukommt ? der Tod - an demselben Kreuze , welches sie bis dahin keuchend durch das Leben schleppten . - Aber da sind wir schon nahe am Thore . Wollen Sie mir erlauben , daß ich Sie hier absetze ? Ich habe noch einen Besuch im Dorfe zu machen und dieser Weg führt direct hin , während ich über den Schloßhof einen langen Umweg machen muß . Uebermorgen komme ich wieder nach Grenwitz . Hoffentlich geht Ihr Puls dann ruhiger . Ich sagte Ihnen ja gleich : die Einsamkeit ist reines Gift für Ihre Natur . Adieu ! Achtunddreißigstes Capitel Es war ein köstlicher Anblick , den der Schloßhof von Grenwitz in dem Augenblick gewährte , als ihn Oswald durch das finstere Thor betrat , ein Anblick , wohl geeignet , ein schmerzlich zuckendes Herz zur Ruhe zu wiegen . Während die höchsten Kuppen der gewaltigen Linden , die auf das Portal des Schlosses zuführten , und die Zinne des Thurmes noch vom rothen Abendlichte angestrahlt waren , lag schon tiefer Schatten unter den Bäumen , neben dem Walle , über dem langen Grase , das überall zwischen den Steinen des Pflasters emporwuchs . Aus den Kronen der Linden , die mit weißem Blüthenschnee überdeckt waren , strömte ein süßer Duft , der die ganze Atmosphäre erfüllte . Rings umher war es so still , daß man deutlich das geschäftige Summen der Insecten vernahm ; auf dem Rand des Brunnens mit der kopflosen Najade saß ein Vöglein und sang der untergehenden Sonne nach ; hoch oben in der rosigen Luft schossen noch immer einzelne Schwalben , als könnten sie sich heute , wo es doch gar so wunderschön sei , gar nicht entschließen , zur Erde zurückzukehren . Langsam , fast zögernd , schritt Oswald dem Schlosse zu . Er fühlte tief den Zauber dieser Abendstunde und wußte , daß das erste Menschenwort denselben zerstören würde . Aber er begegnete Niemandem . Der ganze Hof war wie ausgestorben . Er stieg die Wendeltreppe hinauf und ging durch die langen Corridore , die von seinem Fußtritt wiederhallten , auf sein Zimmer . Die Fenster waren geöffnet , und der Lehnstuhl in der Nische hatte den rechten Platz , auf dem Tische vor dem Sopha stand eine Vase , angefüllt mit frischen Blumen , der Kopf des Apollo von Belvedere hatte sich eine schmale Krone von Epheu gefallen lassen müssen . Es war aufgeräumt in dem Zimmer , aber so , wie es nur von Jemand geschehen kann , der die Eigenheiten des Bewohners ganz genau kennt . Offenbar hatte hier Bruno ' s Hand gewaltet . Oswald fühlte sich durch das stumme und doch so beredte Willkommen auf das angenehmste berührt . Es war wie eine warme Hand , die freundlich die seine drückte , wie ein Hauch , der liebevoll seinen Namen flüsterte . Der Sturm in seiner Seele , welchen die