Ewige in der Geschichte ! Rom ist die Zunge an der Wagschale der Welt ! Rom ist , gerade als wenn es auch nur deshalb die Bewegung der Erde geleugnet hätte , ihr fester Grund , ihre granitene Wurzel , ihr Compaß , ihr Steuer auf dem schwankenden Meere steter Neuerungen und Revolutionen ! Was vertritt denn seine Anmaßung ? Was gewährt denn die heilige Roma den Völkern ? Das ewige Heil im zeitlichen Unheil ! Die Blöße und Hülfsbedürftigkeit des natürlichen Menschen allen Purpurgekleideten der Erde gegenüber ! Die Schöpfung des Menschen , das Paradies , die diesseitige und jenseitige Hoffnung aller Erdgeborenen gegenüber der millionenfachen Verdrehung unsers Erdenberufs durch millionenfache zu dringenden Nothwendigkeiten gewordene Zufälligkeiten ! O du heilige untheilbare , ewige Kirche ! Stehe fest in deinem gegliederten Bau ! Bist du nicht selbst wie der hohen gothischen Dome einer ? Gegründet bis an die Tiefen der Hölle , mächtig dich erhebend auf der Form des Kreuzes , himmelanstrebend in ewiger , wolkenverlorener Sehnsucht ! Musik ist das Zusammenspiel deiner schönen Formen ! Einheit das majestätische Bekenntniß deiner Theile ! Sie strebt empor durch Drang und Zeit , Muß himmelan sich ringen , Und schafft ein Werk der Ewigkeit Und läßt sich nicht bezwingen ! In deinem Sinne , heilige Roma , wollen wir wahr sein , aber der Lüge gegenüber auch eure Waffen führen ! Im Schatze der Gnaden ruht Entsühnung ! Krieg ! Krieg ! ruft die Posaune des Erzengels . Im Kriege kennt die Noth kein Gebot ! Jede Waffe ist gerecht , die den Gegner abwehrt ! Daß der Zweck die Mittel heilige , ist nicht für den Kampf mit den Guten , sondern für den Kampf mit den Bösen gesagt ! Ahmen wir vor allem die Ordnung eines Kriegsheeres nach : Gehorsam dem Obern ; Achtung vor jeder Waffe , auch wenn sie eine geringere scheint , als die wir selbst führen ; Achtung vor jedem Ruhme , auch wenn er unsere eigenen Verdienste überschattet ! Bekämpfen wir in uns selbst die Abneigung gegen die Vorkämpfer der kirchlichen Freiheit , gegen die Mitglieder der Gesellschaft Jesu ! Bieten wir denen , die in ihnen ihre unerbittlichsten Feinde sehen , dadurch keinen Beistand , daß wir die alte Eifersucht der Orden , der Kloster-und Weltgeistlichen auflodern lassen ! Wo uns die Hände gebunden sind , sind sie jenen , den letzten Rittern vom Kreuze , frei ! Die streifen noch ungefesselt über die Länder hin , gebunden durch kein Amt , kein Klostergelübde ; sie sind die berittene Schar , die angreift und flieht zu gleicher Zeit , wie einst der Parther kämpfte ! Bieten wir alles auf , daß den Jesuiten die Thore des Eingangs geöffnet werden ! Sie ertragen alles , sie gehen , sie gehen noch einmal und kommen wieder ! Wo ein Amt leer ist , eine Kanzel frei , ein Beichtstuhl geöffnet , lassen wir den Vätern der Gesellschaft den Vortritt ! Ob alle diese Dinge reifen sollen bis zu offener Gewalt , darüber sind die Meinungen getheilt . Die einen fürchten und suchen die Erhebung der Massen zu verhüten , die andern fürchten sie nicht und wollen sie . In den Umgebungen des Kirchenfürsten herrscht die Meinung , daß offene Gewalt bisjetzt alles verderben würde . Denn auch darin spräche sich die durch und durch ghibellinisirte Welt aus , daß Handel und Gewerbe , sogenannte Volkswohlfahrt und geregelte Ordnung dem Jahrhunderte , wie es jetzt einmal ist , über alles gehe ; denn von den Fleischtöpfen Aegyptens wollen sie nicht lassen und sollten sie auch ewig nur die Ziegel streichen zu den Ruhmessäulen ihrer Pharaonen ! Im Gegentheil wünscht die Umgebung des Kirchenfürsten , daß wir alles , was nicht ein Mit-Uns ist , auch als ein Fürsten-Wider darstellen , d.h. eine Förderung der Revolution nennen . Das ist das schlagende Argumentum ad hominem der Zeit ! Kämpfen wir gegen die Neuerungen des sich souverän dünkenden Menschenverstandes , so öffnen sich uns die Pforten der Thronsäle auch im jenseitigen Lager , wir werden eingeholt werden mit Triumphpforten als die Retter des Gesetzes und der Ordnung ! Dieser Feldzug geht langsam , aber sicher . Halten wir am Geiste fest , fördern wir den vor allem ! Denn » wer auf den Geist säet , wird von dem Geiste das ewige Leben ernten « ! Der Redner war schon bei seinem Gebet an die Kirche aufgestanden und alles , selbst den Dechanten nicht ausgenommen , seinem Beispiel gefolgt ... Man schüttelte ihm die Hand , ertheilte ihm die größten Lobsprüche und raunte sich zu , daß nun wohl erklärlich wäre , wie dieser einfache Mönch plötzlich in der Residenz des Kirchenfürsten hätte zu so hohem Ansehen gelangen können . Man erklärte sich bereit , den Athanasiusverein zu verbreiten und dies zu wagen auch ohne Genehmigung der Behörden . Man versprach die Medaillen in reichster Anzahl auszutheilen und bestellte die Zahl , die jeder davon in Vorrath zu haben wünschte . Auf dem Teller , von dem die Cigarren weggestrichen wurden , sammelte man die zur Herstellung nöthigen Beiträge . Jeder gab nach Vermögen , der Dechant , wie immer , die Hälfte soviel wie alle andern . Der Ertrag wurde dem Pater Sebastus übergeben . Ein Zinngießer der kirchlichen Residenz hatte Verschwiegenheit gelobt und versprochen , die Medaillen zu einer bestimmten Zeit abzuliefern . So trennte man sich ... Es war Abend geworden ... Beim Durchschreiten eines langen Corridors , der an die Hausthür zurück und zu den inzwischen immer noch lebendig gebliebenen , ja wie vom Jahrmarktsgewühl durchwogten Straßen führte , erfuhr der Dechant , daß der , wie es schien , als Wegbereiter kommender Jesuiten wirkende Pater Sebastus dem Kloster Himmelpfort bei Witoborn angehörte . Seines frühern Namens hieß er Heinrich Klingsohr . Er dachte an seinen anonymen Brief - Huß , Savonarola , Arnold von Brescia - Als er , magisch umwoben vom abendlichen Dämmerlicht , zur Dechanei zurückkehrte , läuteten ihm die Glocken seines