, Und trank mit tapferm Zuge ihn bis zum Grunde leer Und macht ' die Nagelprobe . Da floß kein Tropfen mehr . » Itzt tut mir ' s nach , ihr Jungen ! « so rief der alte Held , Da war ein lobwert Beispiel den andern aufgestellt . Hurtig und hurtiger , dem Winde gleich , dem schnellen , Sah man den Saal durchrennen den Mundschenk samt Gesellen . Sie nahmen die Pokale , sie füllten sie aufs neu ' , Da hub sich in dem Saale ein scharfes Weinturney . Bald lallte manche Zunge , die sonst viel Ruhm gewann , Bald wankte in den Knieen manch heldenkühner Mann ; Es kam die Mitternacht , noch zechten sie und sungen , Dann sanken sie zur Beute dem Schlafe , weinbezwungen . Und hätt ' Walthari itzt die Burg in Brand gesteckt : Kein Mann war da so nüchtern , daß er ihn drob entdeckt . Walthari rief Hiltgunden fürsichtig nun zu sich : » Wohlauf bring ' das Geräte , wohlauf und rüste dich ! « Dann führt er aus dem Stall sein Roß , der Löwe hieß es , Hufscharrend stand ' s und schäumend in seine Zügel biß es . Er wappnete mit Erze des Rosses Stirn und Seite , Vom Bug hernieder hing er goldschwer die Schreine beide , Dazu ein Körbchen Speise - dann gab er die wallenden Zügel Der Jungfrau in die Hand und hob sie in den Bügel , Er selber saß zu Rosse , vom roten Helmbusch umwallt , Bepanzert und beschienet in riesiger Gestalt . Zur Linken hing gegürtet ein Schwert , zur Rechten auch Ein scharfer krummer Säbel nach hunnischem Gebrauch . Jetzt schwang er Schild und Lanze , es ritten auf einem Roß Walthari und Hiltgunde aus König Etzels Schloß . Sie ritten aus dem Schlosse , sie ritten die ganze Nacht . Die Jungfrau lenkt ' das Streitroß und hatt ' der Schätze acht , Und sorgsam auch zuhanden hielt sie die Fischergerte , Dieweil das viele Gewaffen Walthari schier beschwerte . Als nun die Morgensonne aufging mit lichtem Funkel , Entbogen sie der Heerstraß ' zu tiefem Waldesdunkel , Und hätte Haß der Fremde und Heimweh nicht gedrängt , So hätte schier Hiltgunde das Roß nicht weiter gelenkt . Wo nur ein Lüftlein rauschte , wo ein Waldvogel sang , Wo schrill ein Baumast knarrte , da seufzete sie bang . So mieden sie der Menschen Behausung und Gehege Und suchten in bahnlosem Gebirg ' sich Weg und Stege . Noch schwieg der Hunnen Hofburg . Es war schon hoch am Tag , Da wurde König Etzel von allen der erste wach . Er wiegt ' in beiden Händen sein Haupt , das nebelschwere , Und schritt aus dem Gemach : » Ruft mir Walthari here , Er teile als Genosse heut seines Königs Jammer , Er soll den Frühtrunk reichen mir in der Waffenkammer . « Da rieben sich die Diener die Augen und liefen und sahn Und suchten allerorten , sie trafen ihn nicht an . Jetzund kam auch die Fürstin Frau Ospirin gehinkt : » Wo säumt und träumt denn Hiltgund , daß sie kein Kleid mir bringt ? « Da flüsterten die Diener , da ward ' s der Königin klar , Daß Hiltgund mit Walthari nächtlich entflohen war . Da hub sie an : » O Fluch dem Gastmahl , und dreimal Fluch Dem Wein , der meine Hunnen so schwer darnieder schlug ! Was ich den König warnte , liegt offen itzt zutag ' , Von unsres Reiches Stützen die stolzeste Säule brach ! « Der alte König Etzel , von bösem Zorn entbrannt , Zerriß den Purpurmantel und warf ihn an die Wand , Und wie der Staub vom Sturme gewirbelt wird zuhauf , So wirbelte ihm im Herzen ein Schwarm von Sorgen sich auf . Kein Wörtlein konnt er sprechen , zu mächtig war sein Grimm , Und Speise und Getränk stund unberührt vor ihm . Die Nacht kam angeflogen , noch fand er keine Ruh ' , Er lag auf seinem Pfühle und schloß kein Auge zu , Er warf sich bald zur Rechten , bald zu der Linken nieder , Als hätt ' ein Pfeil durchschossen die stolzen Heldenglieder , Dann saß er wieder aufrecht , der grambetörte Greis , Dann sprang er aus dem Lager , er lief herum im Kreis . So ward dem Hunnenkönig der süße Schlaf verleidet , Derweil das Flüchtlingspaar schweigsam dem Land entreitet . Doch wie am andern Morgen aufstieg der lichte Tag , Hieß er der Hunnen älteste zusammenkommen und sprach : » Wer mir in Banden brächte , Walthari , den schlauen Fuchs , Als wie vom Wald der Jäger den hinterlistigen Luchs , Dem schüfe ich zur Stunde ein golddurchwirkt Gewand Und wollt mit Gold ihn decken von Haupt zu Fuß so sehr , Daß ihm von Goldeshaufen der Weg gesperret wär ' . « Doch in den weiten Landen fand sich kein einz ' ger Grafe , Kein Heerfürst oder Ritter , kein Knappe oder Sklave , Der sich vermaß , Walthari verfolgend nachzugehn Und mit des Schwertes Schneide dem Zürnenden zu stehn . Und was der König flehte , gesprochen war ' s in Wind , Die hohen Goldeshaufen - sie blieben unverdient . Walthari ritt bei Nachtzeit weiter und weiter in Hast , Des Tags in dichtem Walde und Buschwerk hielt er Rast , Nah flogen ihm die Vögel , lieblich klang sein Gelock , Er fing sie mit Leimruten und mit gespaltnem Stock , Und wo in krummem Laufe ein Strom vorüberfloß , Eintaucht ' er seine Angel und reiche Beute genoß . So kürzten sich die Tage mit Fischfang und Gejaid , Das schafft dem Hunger Stillung , dem Herzen Nüchternheit , Und auf der ganzen Fahrt hat nimmermehr begehrt Die Jungfrau zu umarmen der Recke ehrenwert . Schon vierzig Male war der Sonne Lauf vollendet , Seit daß er sonder