einsilbige Kammerherr und der Adjutant begleiteten sie bis an die Thüre , und hier hoffte der Letztere noch einen Blick der schönen Eugenie aufzufangen . Sie verneigte sich auch freundlich gegen die beiden Herren , doch galt ihnen Gruß und Blick zu gleichen Theilen , worüber der Graf eben nicht besonders erfreut war . Achtunddreißigstes Kapitel . Goldene Fesseln . Den von seinem Freunde erhaltenen Instruktionen gemäß , das heutige Wetter betreffend , nahm nun der neue Adjutant , nachdem er das Vorzimmer zur Wohnung Seiner Majestät betreten , seiner Stellung als Barometer gemäß , eine sehr ernste und würdevolle Haltung an . Der Säbel hing korrekt eingehakt an der Kuppel , die Uniform war fast hermetisch verschlossen , der Federhut wurde mit beiden Händen auf dem Rücken gehalten und darauf ging der Adjutant mit gemessenen Schritten auf und ab , hie und da den Kammerdiener betrachtend , der sich zwischen der Thüre und einer großen Standuhr befand , die er beide zugleich im Auge behielt . Bald nachher hörte man draußen Equipagen vorfahren , die Tritte fielen herab , die Schläge wieder zu , dann schlürften leise Schritte auf den Steinplatten des Korridors , die Thüren öffneten sich und die obersten Staatsbeamten traten ein . Graf Fohrbach ging ihnen entgegen und empfing Jeden ernst , würdevoll , aber alle auf verschiedene Art. Die Minister erhielten ein sehr tiefes Compliment , begleitet von einem vollkommen gleichgiltigen Gesichte ; nur bei dem des Königlichen Hauses - er war ein genauerer Bekannter des Grafen - zog dieser auf einen fragenden Blick die Augenbrauen etwas in die Höhe und zuckte leicht mit den Achseln . Die Excellenz nahm den Adjutanten beim Arm und zog ihn in eine Fenstervertiefung , wohin bald nachher noch einige der Vertrauten , nachdem sie den Größen des Staats einige verbindliche Worte gesagt , folgten . Diese , die Minister , gingen zu Zwei und Zwei auf der anderen Seite des Zimmers mit leisen Schritten und fast unhörbarem Geflüster auf und nieder oder blieben auch an dem Marmorkamine stehen , Hut und Papier in der Hand , mit langen Gesichtern , ernsten Blicken und dem allerwürdevollsten Aussehen . Sie führten eigentlich keine zusammenhängende Konversation ; sie sprachen nur Vermuthungen aus und räusperten sich häufig mit vorgehaltener Hand , nickten zuweilen taktmäßig mit dem Kopfe und warfen jede Sekunde die sehnsüchtigsten Blicke nach der gewissen Thüre , nach dem Kammerdiener und nach der Uhr . Die Gruppe an der Fensternische war schon etwas lebendiger und gesprächiger ; man handelte das innere und äußere Wetter ab und brachte Beides mit einander in Verbindung . » Wird Seine Majestät heute ausreiten ? « fragte der Minister des Hauses den Oberststallmeister , welcher diese Frage mit einem bedeutsamen Achselzucken beantwortete , und darauf versetzte : » Ich weiß nicht , ob es räthlich ist . « » Es ist auf drei Uhr ein Pferd bestellt , « flüsterte der Kammerdiener aus seiner Ecke in der demüthigsten Haltung und mit einem ganz unterthänigen Spitzen des Mundes , begab sich aber hierauf augenblicklich an die andere Seite der Thüre , nachdem ihm der Hofmarschall für diese Einmischung einen sehr strengen Blick zugeworfen . » Man kann Seine Majestät bei diesem Wetter unmöglich ausreiten lassen , « sagte der Minister des Innern . » Der König ist ohnedies etwas erkaltet , und das Wetter ist , wie mich der Leibarzt versichert , seiner Constitution durchaus nicht zuträglich . « » Aber wenn Seine Majestät befohlen hat , « bemerkte schüchtern der Hofmarschall , » so sind Allerhöchstdieselben nicht wohl anders zu bestimmen . « Der Minister des Hauses warf dem Oberststallmeister einen bedeutsamen Blick zu , worauf sich der letztere durch sein spärliches Haar fuhr und , nachdem er diesen Blick zurückgegeben , ruhig sagte : » Seine Majestät kann unmöglich bei diesem Wetter ausreiten , Seine Majestät wissen nicht , welch ' kalter Wind draußen geht . « » O ja , « warf der Hofmarschall ein , » Sie machten vor dem Frühstück einen kleinen Spaziergang . « Die Exzellenzen wandten sich hierauf gleichmäßig dem Fenster zu , und die beiden Anderen verstanden diese Bewegung und zogen sich diskreter Weise etwas zurück . » Seine Majestät soll heute nicht reiten , « sagte der Minister ; » ich werde mir auf drei Uhr eine Audienz erbitten , ich habe da etwas Wichtiges vorzutragen und will ihn schon eine halbe Stunde beschäftigen . « Mittlerweile waren die Minister einzeln in das königliche Kabinet getreten und kamen wieder zurück : einer an der Thür noch mit einem ziemlich verdrießlichen Gesicht , das er aber gewaltsam aufzuklären bemüht war , sobald er in ' s Vorzimmer zurückkam , um dem Kollegen eine Niederlage , die er erlitten , nicht anmerken zu lassen ; ein anderer aber kehrte äußerst strahlend wieder und befolgte das umgekehrte Manöver , weil ihm Alles daran gelegen war , daß die Uebrigen nicht erfahren sollten , es sei ihm ein wichtiger Vorschlag durchgegangen . Zu denen am Fenster war noch der Intendant des Hoftheaters getreten , der ein sehr verdrießliches und unbehagliches Gesicht machte . » Ich bin da in großer Verlegenheit , « sagte er . » Seine Majestät haben auf heute Abend den schwarzen Domino zu befehlen geruht und das wirft mir mein ganzes Repertoir durcheinander . « » Wie so , bester Baron ? « meinte der Oberststallmeister . » Das sind Kleinigkeiten ! Es kann ihnen ja gleichviel sein , was Sie heute Abend geben . - Und dann verlangt seine Majestät durchaus nichts Unmögliches : der schwarze Domino ist vollkommen montirt , war in den letzten Wochen glaube ich fünfmal und macht deßhalb durchaus keine Schwierigkeiten . « » Excellenz halten mir zu Gnaden , das ist in Wahrheit schwieriger , als es sich ansieht . Allerdings war diese Oper fünfmal in den letzten Wochen ; aber gerade das ist mein Kummer : ich wollte sie für den nächsten Sonntag aufheben . « » Um eine bessere Einnahme