Zaghaftigkeit kaum möglich gedacht hatte . Und in diesem Sinne , sagte er sich immer , greif ' ich einmal irgendwo ganz keck zu , wenn ich bemerke , daß an der Wand Etwas , wenn auch nur vom leisesten Schatten einer Schicksalshand spukt und dämmert , und wenn ich Gefahren erblicke , wenn ich selbst vor kühlerm Urtheil gestehen müßte , eine Thorheit zu begehen , ich finde mich schon aus ihren Folgen wieder heraus , versinke nicht , kämpfe solange ich kann mit den Wogen und bin , wenn ich aus der Betäubung erwache , entweder drüben am andern Ufer , wo Glück und Freude blühen , oder ich erwache nie mehr aus ihr , und Das wäre dann auch gut . Ein solches geheimnißvolles Schattenspiel an der Wand war Dankmarn nun der Verlauf des ganzen gestrigen Tages . Er hätte , wenn er Siegbert ' s Wesen folgen wollte , jetzt fliehen müssen . Ein Brief an diese gefährliche Melanie , der Vorwand plötzlicher Abhaltung , vielleicht die ausdrückliche Berichtigung ihres Misverständnisses , wenn sie es , wie Dankmar kaum wissen konnte , noch hegte , alles Das wäre Siegberten nun sogleich gebieterisch in den Sinn gekommen . Er hätte alle Fäden abgerissen und sich wieder in sein Atelier geflüchtet , den Pinsel ergriffen und in Gott und sich vergnügt Leinwand bemalt . Ganz anders der entschlossene feurige Dankmar . Der hielt nun fest , was ihm der Zufall an Drähten von der großen Weltkomödie in die Hand gespielt hatte . Prinz Egon war nicht mehr zu finden . War es ein Betrüger gewesen , so ergab er sich darein und nahm Das , was sich aus unangenehmen Irrthümern als angenehme Wahrheit ergeben hatte , für ein Übriges , für einen reellen Gewinn . Zum Justizdirector von Zeisel konnte er nicht mehr gehen , denn es war zu früh am Tage . Der Thurm , an dem der Büttel wohnte , lag ihm sogar zu fern . War der Prinz entflohen , so konnte ihm nur damit gedient sein , einen Vorsprung zu gewinnen , den er durch seine Meldung vielleicht verloren hätte . Auch hatte er genug zu thun mit seiner Reiserüstung . Schon schlug es fünf Uhr und um sechs wollte Melanie vor der Thür der Krone halten , so meldete ein Jockei Lasally ' s , den dieser geschickt hatte , um den Einspänner des Fremden in Empfang zu nehmen . Dankmar überwies ihm sein geliehenes Fuhrwerk mit strenger Weisung zur Obhut und Schonung . Auch Bello wurde ihm anempfohlen , den er sorgsam zu hüten versprach . Die Rechnung beim Wirthe wurde berichtigt . Er sah dabei mit Schrecken , wie seine zwanzig kleinen Papiere schon zusammengeschmolzen waren , und wenn er vollends gedenken mußte , daß diese Summe fast eine bei Hackert gemachte Anleihe war und daß ihn ohne Zweifel in der Residenz die Nachricht empfangen würde , ein ihm von Lasally ' s Bereiter , dem alten Levi , anvertrautes stattliches Pferd wäre wieder von Hackert auf irgend eine Weise wenn nicht ganz zugrundegerichtet , doch vielleicht gemishandelt zurückgeschickt worden , so ergriff ihn vor den möglichen künftigen Verwickelungen fast ein Anflug von Muthlosigkeit . Melanie aber erschien ihm bei solcher Stimmung wie Ariadne . Sie war ihm die Retterin aus dem Labyrinthe jeder Gefahr . Wie er sie und Lasally und das ihm bestimmte Pferd und einen Reitknecht dahersprengen hörte , verschwand jede Besorgniß . Er trat auf die Schwelle des Gasthauses und empfing schon in der Ferne Melanie ' s freundlichen Morgengruß . Sie nickte ihm alle Träume der vergangenen Nacht zu . Sie sagte ihm nicht durch Worte , sondern durch einen einfachen Blick : Ich bin Dieselbe , die ich gestern war ! Ich bin Die , die sich in der Mondnacht deiner Umarmung nur darum entwand , um dir , wenn du willst , für ' s Leben zu gehören ! Lasally sprach Einiges über den Gaul , den er Dankmarn hatte satteln lassen . Dieser , seit frühen Jahren ein geübter Reiter , fand sich bald auf ihm zurecht und erfreute Melanie nicht wenig durch seine kundige Haltung der Bügel und der Lenkseile . Sie trug einen grauen Hut mit schattiger breiter Krempe , einen blauen Schleier und ein weites , bis oben geschlossenes , gleichfalls blaues Reitkleid . Die Reitgerte hielt sie unter dem linken Arm angepreßt , während die linke Hand die Zügel hielt , denn in der Rechten hatte sie ein weißes zierliches Papier , von dem sie Verse ablas , die ihr heute schon in aller Frühe überreicht waren . Sie kamen vom Pfarrer , der sie ihr am Fuße des Schloßberges entgegengehalten und einen Abschied genommen hatte , von dem Melanie versicherte , er hätte sie mehr beängstigt als erfreut . Denn ich bin wol glücklich , sagte sie , Die zu erobern , die mir gefallen , aber geschätzt zu werden , wo man es am wenigsten erwartete , setzt in Verlegenheit ! Am Ende des Dorfes , dicht vor Zeck ' s Schmiede , hielten drei Reisewagen , die schon die ganze übrige Gesellschaft aufgenommen hatten . Nach der Abreise Melanie ' s und ihrer Mutter wollte Niemand mehr auf dem Schlosse zurückbleiben . Man hatte bis in die tiefe Nacht gepackt und sich mit wenigen Stunden Schlaf begnügt . Diese lebensfrohen , vom Dasein so begünstigten Herrschaften reisten mit allem Comfort des Besitzes . Die Wagen waren elegant und bequem , die Kutscher in Livreen . Recht großmüthig theilte Melanie ' s Mutter noch an die Diener des Schlosses Geldspenden und Geschenke aus ; kärglicher zeigte sich Reichmeyer , der sich zu seinen Zeitungen und Cursen zurücksehnte . Die Wirthschaftsräthin war geradezu geizig . Bartusch , der Hannchen Schlurck gegenüber saß , theilte außerdem noch an die alte Brigitte manche Befehle aus und verhieß eine baldige Rückkehr , worauf sie nicht zu erwidern verfehlte , daß sie Alle in Gottes Hand gegeben wären und daß der alte