gegen das Fahrzeug andrängende Wassermasse auch den Bug bald stärker , bald schwächer niederdrückt , je nachdem man ein ganz klein wenig mehr auf- oder abhält , so wäre es unmöglich , die Richtung so genau im Gefühl der Hand zu haben . Das einzige Mittel in diesem Falle ist - da man doch in einem zweirudrigen Boot mit dem Rücken nach vorn sitzt - die Augen fest auf das Fahrwasser seines Kahns zu halten , d.h. auf den Streifen , den das Boot beim schnellen Durchschneiden des Wassers hinter sich läßt . So lange dieser eine durchaus gerade Linie beschreibt - denn eine kurze Strecke kann man selbst beim stärksten Nebel sehen - so lange behielt auch das Boot dieselbe bei , denn die geringste Abweichung würde es gleich hinter dem Stern durch eine krumme Linie verrathen . Man darf aber während dieser Zeit natürlich keinen Augenblick mit Rudern aufhören oder nachlassen , denn eine gleichmäßige Fortbewegung ist zu solcher Bestimmung unumgänglich nöthig . Davon hatte jedoch O ' Toole , der sich sonst wenig mit Wasserfahrten beschäftigte , keine Ahnung ; er wußte nur , daß er noch nicht weit genug vom Land entfernt sein könne , um sich schon oberhalb der Insel zu befinden . Trieb er also jetzt mit der Strömung abwärts , so führte ihn diese an seinem Ziele vorbei , und rasch griff er daher wieder zu den Rudern . Nur einmal noch betrachtete er mit prüfendem Blick die ruhige Nebelfläche um sich her , drehte dann den Bug dorthin , wo er die Mitte des Stromes glaubte , und zeigte in Handhabung der elastischen Ruder bald so guten Willen , daß das Wasser an seinem Buge rauschend schäumte und hoch aufspritzte . So arbeitete er wohl eine volle Stunde lang , daß ihm der Schweiß in großen perlenden Tropfen auf der Stirn stand und er bei richtiger Führung den Mississippi schon zweimal gekreuzt haben konnte , aber kein Land bekam er zu sehen , weder rechts noch links , weder vor noch hinter sich , und er fühlte nun wohl , daß er die falsche Richtung gefahren sei . Einen Augenblick ließ er die Ruder sinken und wischte sich den Schweiß von der Stirn , dann aber ergriff er sie wieder und legte sich von Neuem mit aller Kraft und bestem Willen hinein , bis er endlich einsah , daß alle seine Anstrengungen vergeblich sein mußten . Das Beste also , was er jetzt thun konnte , war , nach Arkansas zurückzukehren , um den Versuch ein anderes Mal unter günstigeren Verhältnissen zu erneuen . - Aber guter O ' Toole , es erwies sich als eben so schwer , nach Arkansas , wie nach Mississippi hinüberzuhalten . Nacht und Nebel umgab ihn bald mit undurchdringlichem Schleier , keinen Laut hörte er , nicht einmal das Gequake von Fröschen , das ihm die Nähe des Landes - gleichviel nun welchen Ufers - verrathen hätte . Er mußte sich inmitten des gewaltigen Stromes befinden . Da hielt er endlich , nachdem er sich noch eine ganze Zeit lang bis zu tödtlicher Ermattung abgemüht , mit Rudern ein , warf die Ruder in den Kahn und streckte sich selbst - gleichgültig gegen Alles , was ihn befallen könnte , in dem Stern des Bootes aus . - Einmal mußte er ja doch irgendwo antreiben , oder doch wenigstens Geräusch von irgend einem Boot oder dem Ufer , in dessen Nähe ihn die Strömung zuerst bringen würde , hören , und er hatte eingesehen , daß er selbst nicht im Stande sein würde , das Mindeste dafür oder dagegen zu thun . Er war förmlich verirrt und wußte in der That nicht mehr , wo er sich befand , ob er irgendwo festhänge , oder immer stromab , der Mündung des Arkansas zutreibe . In dumpfem Brüten lag er in seinem Boot ausgestreckt und schaute schweigend zu der grauen Masse hinauf , die ihn in fast fühlbarer Schwere und Feuchtigkeit umgab - da war es ihm plötzlich , als ob er das Quaken eines Frosches höre - er horchte hoch auf . Fast in demselben Augenblick vernahm er ein dumpfes Rauschen , und ehe er sich noch recht umschauen konnte , von welcher Richtung dies eigentlich komme - da er es natürlich auf der ganz entgegengesetzten Seite erwartet hatte - trieb auch sein schwankendes Boot schon in den starren Wipfel einer Eiche hinein . Land hatte er jetzt - Bäume wenigstens - und er wußte doch nun , daß er nicht mehr weiter stromab und von Helena fortgenommen werden könnte . Wo er sich aber befand , ob in Arkansas , Mississippi oder an einer der weiter unten gelegenen Inseln , vielleicht Drei- oder Vierundsechzig , das war ihm unmöglich zu bestimmen , ja , so hatten sich seine Gedanken verirrt , daß es einer langen Zeit bedurfte , bis er mit sich überhaupt im Reinen war , er befinde sich noch im Mississippi und sei nicht etwa in irgend einen Fluß oder eine Bayo unversehens hinein- , und diese Gott weiß wie weit hinaufgerudert . Das Einzige , worüber er vollkommen Gewißheit zu haben glaubte , war , daß er wenigstens fünfzig bis sechzig Meilen von Helena entfernt sein müsse . - Wo aber befand er sich ? Im Anfange wollte er rufen , denn vielleicht befanden sich Menschen in seiner Nähe , die ihn hörten . Doch konnte es nicht eben so gut möglich sein , daß er gerade in jenes Nest gerathen wäre , nach dem er suchte , und welchen Empfang durfte er von Denen hoffen , die ihm noch vor kurzer Zeit so unzweideutige Beweise ihres Hasses gegeben ? Nein - da heute nun doch einmal kein Gedanke daran war , Einundsechzig noch zu erreichen , und der Nebel auch auf jeden Fall den Morgenwinden weichen mußte , so beschloß er , seinen Kahn an einer sichern Stelle zu befestigen und nachher ruhig darin ausgestreckt den Tag abzuwarten . Das war