Vater , ihre Bilderbücher , der Wald ! Welche anmuthige Arabeske lieblich und wunderbar durchschlungener Gedanken , bildeten ihre Phantasien ! Dies brach Emmy ' s Härte - schreiend fast , schluchzte sie ihren Jammer aus ; aber die , welche sonst ihrem leisesten Seufzer sorgsam nachspürte , hüpfte lächelnd und schwatzend an ihr vorüber und sah in den wilden Aufruhr dieser konvulsivisch zuckenden Gestalt , als ob sie eine schöne Blume aus den Wäldern von Stirlings-Bai erblicke . - Da schien dem mit angespannter Aufmerksamkeit sie beobachtenden Arzt , als ob sie , durch das Fieber bezwungen , Durst empfände . Dies war , was er gehofft und erwartet . - Schnell reichte er ihr den bereiteten Becher , der den Schlaftrank enthielt , auf den allein zu hoffen war . Er täuschte sich nicht ; sie trank mit kindischer Begierde und nannte es : Milch aus Stirlings-Bai . Der Gang aber ward nun matter und schleppender , die Worte gebrochen ; die Augenlieder sanken . Schon hatte Emmy die Thränen getrocknet ; widerstandlos trug sie den Liebling ihres Herzens auf das lange verlassene Lager , und bald breitete der Schlaf seine Segnungen über die Verwüstungen der Menschenhand . - Die Marschallin von Crecy saß in ihrem Ankleidezimmer und hörte der unschuldigen Louise zu , welche ihr von dem jungen Marquis d ' Anville erzählte , mit dem sie gestern bei dem Herzoge von Lesdiguères getanzt hatte , und der gar zu heiter und liebenswürdig war , so daß sie immer durch ihn an Leonin erinnert ward , mit dem sie auch früher so habe scherzen und lachen können . Die Marschallin hatte Nichts dagegen . Sie wußte jetzt genau , wie es mit Louise stand ; diese Brücke , welche Schwestern , die ihre Brüder sehr lieben , sich durch Vergleichungen zu bauen wissen , die sie dann unwillkürlich in ein anderes Gebiet der Empfindung hinüber leiten , war ihr vollkommen bekannt . Der junge neunzehnjährige Marquis war ihrer Tochter bestimmt ; doch erst nach drei Jahren sollte die Vermählung vor sich gehen , der junge Mann bis dahin entfernt werden durch den jetzigen Krieg , später durch Reisen . Sie ließ Louise ruhig plaudern und verstärkte nur durch einzelne Worte den erregten Eindruck , sich an der harmlosen Uebergabe des holden Kindes innerlich belustigend - als dieses trauliche Zwiegespräch plötzlich durch den Eintritt dessen aufgehoben ward , den Louise noch zur Erklärung ihrer Gefühle bedurfte - Leonin stand vor Beiden . Aber wie wenig glich er jetzt noch dem Bilde des frohen , unschuldigen Marquis d ' Anville ! Selbst die unerschütterliche Marschallin erschrak bei seinem Anblick , und wie ein Blitz durchzuckte sie der Gedanke : Das ist Dein Werk ! Louise flog mit einem Freudenschrei in seine Arme . Aber Leonin schauderte , als er ein anderes weibliches Wesen an die Brust drückte , von der er Fennimor so eben verstoßen . Die Marschallin sah Alles - sie fürchtete sich fast vor ihm - da er da war , mußte das vollendet sein , was sie geleitet ; damit kam ihr ein kleines vorübergehendes Grauen an - die Vollendung stählte sie nicht so , wie der Eifer , sie zu erlangen . » Leonin , Du bist krank ! « rief Louise , als er sich matt und stumm von ihr los machte , um seine Mutter zu begrüßen , » ich erkannte Dich kaum ! « » In Wahrheit , mein Lieber , « sagte die Marschallin , » Sie haben keine gute Farbe - Sie müssen mit dem Arzte sprechen - Sie haben jetzt keine Zeit zum krank sein ! « » Lieber mit dem Beichtvater , gnädige Frau ! « erwiederte Leonin dumpf und bitter , » es könnte nöthiger sein ! « » Ganz nach Ihrem Bedürfnisse , « sagte die Marschallin , durch diese vorwurfsvolle Entgegnung erkältet und erzürnt . - » Oft ist uns der Seelenarzt so nöthig , als der leibliche . - Der König ist bereits zur Armee abgegangen ; die Königin hat ihr erstes Wiedersehen mit Seiner Majestät in Nancy , dorthin « - » In Nancy ? « unterbrach Leonin seine Mutter - » in Nancy ? in der Hauptstadt des Herzogs von Lothringen ? So verfügt man schon über das Eigenthum des Feindes , dessen Land man noch nicht einmal betreten hat ? « - » Mein Sohn , ich finde Ihren Ton sehr sonderbar ; es scheint mir höchst unpassend , und für Sie am meisten , als eine zum Hofstaat gehörende Person , sich mit einer Art - wie soll ich sagen , um es milde zu bezeichnen - einer Art Erstaunen mindestens , über diese allerhöchsten Beschlüsse zu äußern . Wer könnte zweifeln , daß Seine Majestät heute schon das Recht hätten , sich in Amsterdam ihr Diner zu bestellen ? Die Beschlüsse zu der einen oder andern stets passenden Eroberung sind zugleich Siege ! « Hierin lag etwas Wahres . Die Marschallin hatte nur nöthig , das Vorhandene zu benutzen , um ihrem Sohne zu imponiren . Dieser ganze Krieg war ein voraus empfundener Siegestaumel , den zu beargwöhnen , in der That ein ungehöriges Gefühl und der damaligen Zeit ganz fremd war . Die Naturanlage der Franzosen , sich in dem anmaßendsten Dünkel als die Ersten der Erde zu betrachten , erhielt die vollständigste Entwicklung und schlug Wurzeln , zu tief , um je zu ersterben , ein Stützpunkt bleibend für Alles , was die Zeit im mannigfaltigsten Wechsel daran hinauftrieb - was wir mit giftiger oder segensreicher Vegetation vergleichen könnten , die immer ein und derselben Wurzel entsprossen . Leonin war auch schon auf Kosten alles Andern zu sehr Franzose geworden , um nicht Ueberzeugungen schnell nachzukommen , die er um so hohen Preis erkauft . Er fühlte , er hatte sich unpassend geäußert , und fragte daher schnell : ob die Königin in Versailles anwesend sei ? - » Ihre Majestät haben den Bitten ihrer guten Stadt