unterhalb des Schlosses befand , führte ein in offene Bogen eingetheilter Gang , der als eine spätere Anlage sehr zierlich und wohlerhalten zugleich in der Mitte das große Eingangs-Portal zeigte , dem sich jetzt die Reisenden auf einem ringsumlaufenden gepflasterten Wege nahten . Der Begleiter der Lady , der von einigen Dienern bis hierher geleitet war , hob die Lady aus der Sänfte und führte sie schweigend in die wohlerleuchtete große Halle ein , die nach allen Seiten Thüren und zwei Haupttreppen zeigte , und die Verbindung des ganzen Hauses zu enthalten schien . Hier empfing sie ein alter gebeugter Diener in zierlicher einfacher Kleidung , der sich vor Maria ' s Gefährten bis zur Erde beugte und seine Hand zu küssen strebte , welches dieser aber zu verhindern wußte . Dann warf er einen schnellen Seitenblick auf die Lady und blieb verlegen stehn . Nun , Miklas , sprach der Begleiter , wie steht es mit unserem Empfange ? Willst Du für die Lady auf das Beste sorgen ? Miklas aber schwieg und zuckte die Achseln , dann hob er italienisch an , in der Hoffnung , dadurch seine Antwort der Lady zu entziehn : Ihr seid noch nicht so weit , wie Ihr hofft , sie weigern sich , die Signora zu empfangen , ihr Obdach zu geben . Ihr müßt das erst bewirken , ehrwürdiger Herr , denn Ihro Gnaden sind mehr erzürnt , als willfährig zu nennen . Genug , genug ! erwiederte der Andere , welcher wohl wußte , daß Maria den alten verstanden hatte ; führt die Lady in ein Zimmer und mich zu Eurer Gebieterin ! Seid gewiß , Lady , fuhr er zu Maria gewendet fort , daß ich auch jetzt treulich für Euch sorgen werde . Der Alte führte die Lady unterdessen gegen eine der Thüren des Untergeschosses , und indem er sie öffnete , rief er laut hinein : Margarith , empfange diese Dame ! Maria trat in ein kleines gewölbtes Gemach , dessen hohes Fenster fast bis zur Erde reichte und nach dem hell vom Monde beleuchteten Bogengange des Hofes hinaus ging , und das in seiner übrigen Ausstattung , wenn auch reinlich und anständig , doch das Zimmer eines Hausvogtes zu sein schien , wofür sie den Alten sogleich gehalten hatte . Mit allen Zeichen der Verlegenheit und der Ueberraschung sprang ein junges Mädchen aus der Fensternische ihr entgegen , die gleichfalls wohlhabend , aber in die Tracht geringerer Stände gekleidet war . Dicht vor der Lady stehend , konnte sie die Augen nach einem flüchtigen Blick nicht wieder erheben , und begann ein verzweifeltes Spiel der Hände mit ihren silbernen Brustlatzketten . Maria vergaß , dem schönen , verlegenen Kinde gegenüber , sogleich Alles , was sie selbst in diesem Augenblick bewegte , und mit der ganzen holden Freundlichkeit ihres für jeden Bedrängten stets offenen Herzens , ergriff sie das verlegene Mädchen bei der sich sträubenden Hand und redete ihr zu : Sei nicht bange , mein Engel , Du sollst in mir keinen unfreundlichen Gast haben ; gewiß , fuhr sie fort , bist Du des Hauswarts Tochter , und hast wol noch mehr Geschwister oder eine liebe Mutter , die Du mir wol rufen kannst ? Laß doch Deine Angst , sieh , ich setze mich selbst , da Du versäumst , mich zu nöthigen ; doch laß nur Deine Unruhe , dann wollen wir uns noch viel erzählen , bis der Vater mich abruft . Ein tiefer Seufzer stieg hier aus dem Busen der Geängstigten ; sie blickte auf und dann schnell nach dem Fenster zurück . Es war eine so auffallende Qual auf ihrem Gesichte wahrzunehmen , daß Lady Maria sie vorerst aufgab und sich ohne Weiteres fast dicht bei der Thür auf einen ledernen Stuhl niederließ , um ihrer jungen Gefährtin Zeit zur Besinnung zu lassen . Aber es schien , als ob dies kleine Räthsel damit sich nicht beruhigen könnte . Denn anstatt sich zurück zu ziehen , stand sie noch immer vor Maria , und während sie oft sich nach dem Fenster umsah , schien sie darauf ihre Stellung vor der Lady abzuändern , daß sie den Anblick desselben ihr entzöge . Endlich brach sie in Thränen aus und lief mit der Schürze vor den Augen zum Fenster zurück . Als Maria sie ein Weilchen hatte weinen hören , gewann ihr Mitleiden über ernstere Betrachtungen die Oberhand . Es ist mir leid , daß ich Dich so betrübe , liebes Kind , hob sie sanft an ; kann ich auch den Grund nicht errathen , will ich Dich doch gern erleichtern , wenn Du mir nur einen andern Platz zeigen willst , wo ich der Rückkehr meines Begleiters warten kann . Das Schluchzen hörte auf , mit leisen Schritten nahte sich das Mädchen . Ach ! sprach ein tief betrübtes Stimmchen , theure Lady , was müßt Ihr von mir denken ; ach , ich Unglückliche , wie habe ich Euch so schlecht behandelt . Indem fuhr sie erschrocken zusammen und schaute nach dem Fenster um , an dem Lady Maria ein leises Klirren gehört , wodurch aber die Angst des Mädchens sich wieder aufs Höchste zu steigern schien . Nein , Lady , brach sie endlich mit gejagter Stimme los , hier könnt Ihr nicht bleiben , es ist hier - kalt , es ist hier so unwürdig für vornehme Leute , ich werde Euch hinführen , wo es besser ist . Wie Du willst , mein Kind , sagte Maria sanft und stand sogleich auf , der Kleinen folgend , die nun zur selben Thür hinaus , fast fliegend vor ihr her in einen Eingang trat , der einen erleuchteten Gang verschloß , an dessen Seite sie eine hohe Thür öffnete , die Lady einzutreten nöthigte und dann eben so schnell davon lief , als sie vorangeeilt war . Maria sah sich jetzt in einem ziemlich langen , aber nicht breiten Gemache , welches an der einen Seite