weßhalb er den besagten St. Julien bei sich behalten und auf welche Autorität , statt ihn den Behörden einzuliefern . Dieses Schreiben verscheuchte die Heiterkeit , die noch eben die Gesellschaft belebt hatte , denn es mahnte ernsthaft an die nahe Trennung , und rief außerdem manches Ernste und Kummervolle lebendig hervor , was sich Jeder gern zu verhüllen bestrebt hatte . Die Männer vereinigten sich , um zu berathen , was nun geschehen müsse , und indem Alles überlegt wurde , erkannte der Graf von Neuem , wie vielen Dank er dem Prediger schuldig sei , der damals schon , als St. Julien leblos in das Haus des Grafen gebracht wurde , mit Besonnenheit und Genauigkeit dafür gesorgt hatte , daß man gehörig antworten und sein Betragen rechtfertigen konnte . Es wurde nach ernsthafter Berathung beschlossen , daß gleich des anderen Tages St. Julien nach der Festung * * * abreisen solle , begleitet von dem Grafen und dem Arzte , von dem Ersten , damit die für die preußische Behörde erforderliche Bescheinigung nicht verweigert würde , und von dem Zweiten , damit erforderlichen Falls ein Zeugniß abgelegt werden könne , durch welches der junge Mann gerechtfertigt würde , so daß sein Ausbleiben von seinem Regimente nicht zu seinem Nachtheil für eine willkührliche Handlung ausgegeben werden könnte . Sobald Sie die Bescheinigung vom Kommandanten erhalten haben , sagte der Prediger , dann senden wir mit dieser die Eingabe zugleich ein , die wir machten , um anzuzeigen , wie ein französischer Offizier verwundet im Walde gefunden worden sei , nebst dem Zeugnisse der Aerzte über seinen gefährlichen Zustand und dem Bescheide der Behörde , daß besagter Offizier so lange unter Ihrer Obhut bleiben könne , bis weiter über ihn verfügt würde , und so sind alle Unannehmlichkeiten vermieden . Der Graf sah dieß wohl ein , und sein Blick trübte sich , nicht aus Besorgniß vor Unannehmlichkeiten , wie der Prediger zu glauben schien , sondern er verdüsterte sich bei dem Gedanken an die baldige unvermeidliche Trennung . Er reichte St. Julien die Hand , die dieser zärtlich drückte , indem er schweigend die großen dunkeln Augen abwendete , die überzuströmen drohten . Gustav näherte sich dem jungen Grafen , der sich still und sinnend an eine Fenstervertiefung lehnte , und dessen umwölkte Stirn zeigte , daß noch andere Gedanken sein Gemüth bewegten , und nicht allein die nahe Trennung . Emilie war blaß geworden und hatte mit der Gräfin den Saal verlassen . Der Arzt war , nachdem er vernommen hatte , daß sein Zeugniß bei dem französischen Generale vielleicht nöthig sein würde , im Gefühle seiner Wichtigkeit einige Mal mit hastigen Schritten im Saale auf und abgegangen , und zog sich nun in sein Zimmer zurück , einen weitläuftigen Krankenbericht aufzusetzen , den er dem Kommandanten der Festung * * * vorzulegen gedachte , um ihn zu belehren , wie gründlich und vollkommen nach den Regeln der Kunst St. Juliens Wunden geheilt worden wären . So war die Heiterkeit und Freude aus dem Kreise der Freunde entflohen und kehrte auch nicht für diesen Abend zurück , als man sich von Neuem vereinigte . Jeder fühlte das Bedürfniß , sich ungestört seinen Gedanken zu überlassen , und man trennte sich deßhalb früher als gewöhnlich . Der Graf und St. Julien waren am andern Morgen in Begleitung des Arztes nach der Festung * * * abgereist , und der junge Graf , der sie zu Pferde eine Strecke begleitet hatte , war zurückgekehrt , und wandelte einsam und traurig in den dunkeln Baumgängen des Gartens . Sein Schützling und Freund , der junge Gustav , hatte sich zu ihm gesellt , und suchte ängstlich und schweigend aus den trüben Blicken seines Beschützers dessen Kummer zu errathen . Endlich brach der Graf Robert das Schweigen , indem er sagte : Bald wird nun hier alles auseinander gehen , was sich so schön zusammen gefunden hat , und auch von Dir , mein guter Junge , muß ich mich nun bald trennen . Sie haben es selbst gewollt , erwiederte der Jüngling schüchtern , ich wäre gern bei Ihnen geblieben . Das wäre eine Thorheit gewesen , versetzte der junge Graf . Dein eigenes Bestes fordert die Trennung , Du mußt Deine Studien vollenden . Aber vergiß nur über Deinen Studien nicht , daß Du ein Vaterland hast , denke daran , daß Dein König Deiner vielleicht in der Zukunft bedarf , und daß es die erste und edelste Pflicht aller Männer jedes Standes ist , ihrem Vaterlande ihren Arm zu leihen , wenn ihn dasselbe zu seinem Schutze bedürfen sollte ; kurz , gedenke aller unserer Gespräche , die wir führten , wenn wir unser Vaterland beweinten , aber gedenke ihrer in Deinem verschwiegenen Innern und lasse Dich nicht verleiten , Knaben zu vertrauen , worüber sich nur Männer berathen sollen . Lasse Dich nicht dadurch täuschen , daß Du vielleicht denkst , ich habe ja doch auch manches Ernste mit Dir besprochen , ohne Deine Jugend als Hinderniß zu betrachten . Dich hat ein hartes Schicksal erzogen und Dich frühe gereift ; Deine Seele ist männlich geworden , obwohl Du noch ein Jüngling bist . Ich werde gewiß alle Ihre Lehren in treuer Brust bewahren , erwiederte der Jüngling , und gewiß nicht der letzte sein , der , wenn es gilt , dem Vaterlande seine Dienste anbietet . Ich habe den Krieg in der Nähe gesehen , ich habe alle Leiden erfahren , die er herbei führen kann , und ich bin eben darum meiner um so gewisser , wenn es einmal dazu kommt ; denn mich kann nichts Unerwartetes erschrecken und entmuthigen , und kein neuer grausenhafter Anblick kann meine Seele verwirren , und dennoch , wenn ich hier in diesen Baumgängen friedlich mit Herrn St. Julien auf und abgehe , so treibt mich oft der Gedanke auf ein Mal von ihm , daß er zu unsern Feinden gehört , und heute hat es mich recht mit