gesammelt , du wirst aber sehen , es wird nichts helfen mit diesen kaiserlichen Spezialien von Lorbeer , Wein und Öl , womit die Kaiser bei der Krönung gesalbt werden . Ich seh das schon kommen , daß das Wasser sich nach dem Herzen ziehen wird , und da wird es gleich aus sein « ; sie sagte mir Lebewohl und sie wolle mir sagen lassen , wenn ich wiederkommen solle ; ein paar Tage darauf ließ sie mich rufen , sie lag zu Bett , sie sagte : » Heute lieg ich wieder zu Bett wie damals , als ich kaum sechszehn Jahr alt war , an derselben Wunde « ; ich lachte mit ihr hierüber und sagte ihr scherzweise viel , was sie rührte und erfreute ; da sah sie mich noch einmal recht feurig an , sie drückte mir die Hand und sagte : » Du bist so recht geeignet , um mich in dieser Leidenszeit aufrecht zu halten , denn ich weiß wohl , daß es mit mir zu Ende geht . « Sie sprach noch ein paar Worte von Dir , daß ich nicht aufhören sollte , Dich zu lieben , und ihrem Enkel solle ich zu Weihnachten noch einmal die gewohnten Zuckerwerke in ihrem Namen senden , zwei Tage drauf , am Abend , wo ein Konzert in ihrer Nähe gegeben wurde , sagte sie : » Nun will ich im Einschlafen an die Musik denken , die mich bald im Himmel empfangen wird « , sie ließ sich auch noch Haare abschneiden und sagte , man solle sie mir nach ihrem Tode geben nebst einem Familienbild von Seekatz , worauf sie mit Deinem Vater , Deiner Schwester und Dir als Schäfer gekleidet in anmutiger Gegend abgemalt ist , am andern Morgen war sie nicht mehr , sie war nächtlich hinübergeschlummert . Das ist die Geschichte , die ich Dir schon in München versprochen hatte , jetzt , wo sie niedergeschrieben ist , weiß ich nicht , wie Du sie aufnehmen wirst , mir war sie immer als etwas ganz Außerordentliches vorgekommen , und ich habe bei ihr so manche Gelübde getan . Von Deinem Vater erzählte sie mir auch viel Schönes , er selbst war ein schöner Mann , sie heiratete ihn ohne bestimmte Neigung , sie wußte ihn auf mancherlei Weise zum Vorteil der Kinder zu lenken , denen er mit einer gewissen Strenge im Lernen zusetzte , doch muß er auch sehr freundlich gegen Dich gewesen sein , da er stundenlang mit Dir von zukünftigen Reisen sprach und Dir Deine Zukunft so glanzvoll wie möglich ausmalte , von einem großen Hausbau , den Dein Vater unternahm , erzählte die Mutter auch und wie sie Dich da als junges Kind oft mit großen Sorgen habe auf den Gerüsten herumklettern sehen . Als der Bau beendigt war , der Euer altes rumpeliges Haus mit Windeltreppen und ungleichen Etagen in eine schöne anmutige Wohnung umschuf , in der wertvolle Kunstgegenstände mit Geschmack die Zimmer verzierten , da richtete der Vater mit großer Umständlichkeit eine Bibliothek ein , bei der Du beschäftigt wurdest . Über Deines Vaters Leidenschaft zum Reisen erzählte die Mutter sehr viel . Seine Zimmer waren mit Landkarten , Planen von großen Städten behängt , und während Du die Reisebeschreibung vorlasest , spazierte er mit dem Finger darauf herum , um jeden Punkt aufzusuchen , dies sagte weder Deiner Ungeduld noch dem eilfertigen Temperament der Mutter zu , Ihr sehntet Euch nach Hindernissen solcher langweiligen Winterabende , die denn endlich auch durch die Einquartierung eines französischen Kommandanten in die Prachtstuben völlig unterbrochen wurden , hierdurch war nichts gebessert , der Vater war nicht zu trösten , daß seine kaum eingerichtete Wohnung , die ihm so manches Opfer gekostet hatte , der Einquartierung preisgegeben war , daraus erwuchs mancherlei Not , die Deine Mutter trefflich auszugleichen verstand ; ein paar Blätter mit Notizen schicke ich noch mit , ich kann sie nicht besser ausmalen , Dir aber können sie wohl zur Wiederaufweckung von tausenderlei Dingen dienen , die Du dann auch wieder in ihrem Zusammenhang finden wirst , die Liebesgeschichten aus Offenbach mit einem gewissen Gretchen , die nächtlichen Spaziergänge und was dergleichen mehr , hat Deine Mutter nie im Zusammenhang erzählt , und Gott weiß , ich hab mich auch gescheut , danach zu fragen . Bettine An Goethe Was mich so lange gefangen hielt , war die Musik , ungeschnittne Federn , schlechtes Papier , dicke Tinte , es treffen immer viel Umstände zusammen . Am 4. Dezember war kalt und schauerlich Wetter , es wechselte ab im Schneien , Regnen und Eisen - - - - - - - - - - was hab ich nun besseres zu tun , als Dein Herz warmzuhalten , die Unterweste hab ich so schmeichelnd warm gemacht als mir nur möglich . Denk an mich . Ich habe des Fürsten Radziwill seine Musik aus dem » Faust « gehört , das Lied vom Schäfer ist so einzig lebendig darstellend , kurz , alle löbliche Eigenschaften besitzend , daß es gewiß nimmermehr so trefflich kann komponiert werden . Das Chor : » Drinnen sitzt einer gefangen « , es geht einem durch Mark und Bein . - Das Chor der Geister , wo Faust einschlummert , herrlich ! Man hört den Polen durch , ein Deutscher hätt es nicht so angefangen , um so reizender . Es muß so leicht vorgetragen werden wie fliegende Spinnweb in den Sommerabenden . Zelter ist manchmal bei uns , ich suche herauszubringen , was er ist . Ungeschliffen ist er zwar , recht und unrecht hat er auch , Dich liebzuhaben behauptet er auch , er möchte der Welt dienen und führt Klage , daß sie sich ' s nicht will gefallen lassen , und daß er alle Weisheit für sich behalten muß . Einen Standpunkt hat er sich erwählt , von dem aus er sie von oben herab beschaut . Und der Welt ist ' s einerlei ,