Dagobert bestürzt : » Ehrsame Frau ! Der Himmel behüte Eure Vernunft . Ihr redet irre ! « - » O nein , nein ! « schluchzte Margarethe : » Euch allein und dem Himmel befehle ich mein und des Knaben Loos ! O , dieser Knabe ... er hat keinen Vater .... Dagobert ! nehmt Euch seiner an ! Werdet Ihr des Knaben Vater ! « Dagobert trat erschrocken zurück , als die Frau ihm zu Füßen sank , und wie vernichtet die Hände vor das Gesicht schlug , da Dieter , heimkehrend , plötzlich in das Zimmer trat . Entsetzt blieb der Greis am Eingang stehen , und Dagobert eilte , nachdem er die Stiefmutter aufgehoben und in den Sessel gebracht , auf ihn zu : » Liebster Vater ! « rief er , ohne in seiner Seele nur eine Ahnung von dem bösen Schein zu haben , den dieses späte und seltsame Beisammenseyn auf ihn und Margarethen warf : » Ihr kommt zu rechter Zeit . Nehmt die Mutter in Euern Schutz . Ihr Verstand leidet unter dem Argwohn , den Ihr auf sie geworfen . Mich schmerzt es , daß Ihr auch mir mißtraut . Doch , Euch zu überführen , verlaß ich Morgen mit dem Frühsten die Stadt , um Wallraden aufzusuchen , und ohne sie kehre ich nicht wieder . Vergönnt mir nur , ihren Knecht mit mir zu nehmen , denn sein bedarf ich , und versprecht mir , gegen den Schultheiß , der mich heut auf ' s gröblichste beleidigte , meine Sache zu führen bis zu meiner Heimkehr , damit der Ritter und sein Gelichter nicht glauben , daß ich aus Feigheit oder Beschämung ihnen ausgewichen . « - Diether schwieg eine lange Weile hindurch , den finstern Blick zur Erde geheftet . Dann sprach er kurz : » Ich werde allezeit meines Hauses Ehre zu bewahren wissen . Mache was Du willst . Du thust aber Recht , wenn Du nicht ferner weilst . « - Dagobert sah ihn groß an ; um aber des Vaters Grimm nicht zu reizen , ging er still davon . Diether starrte wild zum Himmel auf . » Die Gewißheit ist da , die ich erbeten ! « grollte er dumpf in sich hinein ; dann fügte er , zu der Frau gewendet , hinzu : » Beschämt stand ich vor meinem Sohne , nachdem ich Eure Worte gehört . Es kann also ferner nicht zwischen uns bleiben , wie bisher . Ich hasse das Aufsehen und die Lästerungen ; befehle Euch jedoch , Eure Stuben nicht zu verlassen , und weder mit noch ohne den Knaben einen Versuch zu machen , bis zu mir zu dringen . Ich will Euch ferner nicht mehr sehen , und in Stille und Ruhe überlegen , wie ich , ohne Euch vor der Welt zu Schanden zu machen , noch mich herabzuwürdigen , Euer Geschick bestimmen möge . « - Dies sagend kehrte er der in Schmerz und Angst aufgelösten Gattin unerbittlich den Rücken und verschloß sich in seinem Gemache . Sechstes Kapitel . Ist auch mein Haus nicht groß und schön , Und leer Gewölb und Speicher , Brauch ' ich vom Thurm nur umzusehn , Und wer ist dann noch reicher ? Ich denke über Feld und Hain Der einzige Herr und Fürst zu seyn Und daß die Unterthanen mir es glauben Will ich sie , eh ' ein and ' rer kömmt , berauben . Ballade . Der Leuenberger Veit saß auf einem Vorsprunge in der Burg zu Gelnhausen , von welchem er durch ein Gitter in ' s Freie schauen konnte . Seine Base Petronelle hinkte um den Herd des anstoßenden Gemachs , das zugleich Küche , Wohnstube und Schlafkammer vorstellte , und blinzelte nur von Zeit zu Zeit nach dem Vetter , der sich gerade beschäftigte , seinem Falken ein neues Geschühe anzupassen . Der Falke machte ein sehr verdrüßlich Gesicht , aber sein Herr noch ein verdrüßlicheres . Seinem ungeduldigen Blick und noch ungeduldigeren Händen wollte das Nesteln und Schnallen der langen und kurzen Gefäße und Wurfschnüre nicht schnell genug gelingen . » Warte , verdammter Falk ! « schalt er : » deinen Trotzkopf werde ich schon zu beugen wissen . Seit neun Monden machst du mir das Leben sauer , und bist so einfältig , als ob du gerade aus dem Gestäude gehoben wärst . Aber hungern sollst du und wachen , daß dir der Kitzel vergehen wird in kurzer Zeit . « - Damit packte er den wilden Vogel auf , zog ihm die Haube übern Kopf und setzte ihn drinnen auf die Stange . Als nun aber Veit pfeifend und mit auf den Rücken gelegten Händen wieder hinaus auf den Vorsprung ging , und in ' s Weite starrte , konnte die Muhme nicht länger an sich halten . - » Wenn Hunger und Nachtwachen jeden Trotzkopf zahm machen könnten , « keifte sie vom Heerde her , » so müßte auch der Deinige schon lange in der Ordnung seyn , Neffe . « - » Habt Ihr etwas geredet , Muhme ? « sprach der Leuenberger spitzig zu ihr hinüber . - » Schon lange , toller Mensch , « erwiederte Petronella , nach dem Blasebalge greifend : » Aber was hilfts ? Der Herr mag noch so reichlich die Heerstraßen segnen , Du bringst gewiß nichts heim , das der Mühe werth wäre . Daß gestern der Weinhändler von Nürnberg mit seinen Fässern ungeschlagen hier vorbeikam , werde ich Dir nimmer vergessen . « - » Pah ! « rief Veit , und schlug ein Schnippchen in die blaue Luft : » Den Käsebergern muß man auch aus Freundschaft etwas gönnen . « - » Ei ja ; « spöttelte die Alte : » Deine alte getreue Base kann aber daheim darben , während ihr ein Becher Rheinwein dann und wann so gut thun würde . « - » Trinkt klares Wasser , « lachte