und Tänzen ; die weichlichen Belustigungen jener lebensreichen Gegenden erfrischten das austrocknende Alter des Fürsten ; der Graf verwandte mit Freuden einen Teil der erworbenen Schätze zu seinem Dienste , und diente ihm gern auch in allen ernsteren Verhältnissen mit seiner reichen Welterfahrung . Seinen Töchtern in Sizilien sendete er prachtvolle morgenländische Geschenke , doch wußte er nicht , was er ihnen dabei schreiben sollte , noch weniger verstand er ihre Briefe . Vater und Töchter hatten sich ganz von einander abgelebt , jedem war eine andre neue Zeit geworden ; doch dankte er dem Weltgeiste , den er in Indien verehren gelernt , daß er für seine Töchter im ewig ruhigen Verstande gesorgt , nachdem Vater und Mutter sie verlassen , die Welt sie aufgegeben , die Armut sie bekämpft , und die Schuld sie bestritten hatte . Die Trümmer seines alten Schlosses ließ er zu seiner Erinnerung unverändert stehen ; Reisende versichern , daß das Lebendige , Frische in dem Zerstörten : Marmorsäulen , die halb zu Kalk verbrannt , bunte Wandmalerei , halb geschwärzt , einen eigentümlichen Eindruck von Vergänglichkeit gewähre , der manchem schwermütigen , der Gegenwart überdrüssigen Gemüte so willkommen ist . Mehrere Monate waren schon im verbundenen Hauswesen des Fürsten und des alten Grafen fröhlich vollendet ; während jener noch immer aus Rücksicht , der er sich so oft in seinem Leben unterworfen hatte , den Freund zu fragen mied , wie er zu der schönen Frau und zu den großen Schätzen in Indien gelangt sei , ob Glück oder Fleiß sie ihm zugewendet ; lange glaubte er , daß irgendein Geheimnis darauf ruhe . Der Graf gehörte aber zu der Art Leuten , die aus Bequemlichkeit gern voraussetzen , was ihnen begegnet sei , müsse jeder wissen ; ganz zufällig kam es eines Nachmittags , wo er sich über die Frau , die von manchen indischen Gewohnheiten , besonders von der Verschleierung , durchaus nicht ablassen wollte , geärgert hatte , daß er zum Fürsten sprach , als sie hinausgegangen : » Ich kann nicht strenge gegen sie sein , teils weil es mein Wohlleben stören würde , teils weil ich dieser ihrer besonderen Natur zu viel verdanke . « - » Was dankst du ihr ? « fragte der Fürst aufhorchend . - GRAF P. : » Sie selbst und alle Reichtümer ; habe ich das nie erzählt ? « - FÜRST : » Nimmermehr . « - GRAF P. : » So wollen wir uns dazu ganz bequem setzen ; ich will den Vorgang kurz erzählen , doch ist genug Stoff zu einem langen Schauspiele darin . Auf der Reise nach Ostindien wurde ich mit einem Deutschen , der sich Thomas nannte , mehr durch die Sprache als durch Übereinstimmung in Art und Bildung genau bekannt ; er war ganz roh und wollte sich im Soldatenstande emporschwingen , er war eben so leicht zu befriedigen mit seinem Schicksale , als ich damals noch ungenügsam war ; ich beleidigte ihn oft mit meinem Hochmute . In Ostindien verlor ich ihn aus den Augen . Ich lebte hoch , so lange mein Geld dauerte ; nachher bemühte ich mich vergebens nach guter Anstellung ; ich handelte , aber die Leute dort waren verschlagener als ich ; bald hatte ich nichts , weder Waren noch Geld . Den Europäern mochte ich nicht dienen , ich lief zu den Völkerschaften des innern Landes , die zwar den Engländern Steuern entrichten , doch ihrer näheren Aufsicht entzogen sind . Mir wurde manche sonderbare Begebenheit , doch war mir das fremdartigste Ereignis , als ich meinen Schiffskameraden Thomas auf dem Nabobsthrone von Tipan fand ; die schöne Moham war seine Frau und die eigentliche Herrscherin des Landes ; seine Prahlereien von der Kenntnis europäischer Kriegskunst hatten ihn zu dieser Würde erhoben . Ich trat in seine Dienste und hoffte wenigstens Minister zu werden , aber statt dessen machte er mich zum Entenfänger ; mit einem Schwimmgürtel angetan , den Kopf in einem großen ausgehöhlten Wasserkürbis versteckt , in welchem ein paar Löcher für die Augen geschnitten , mußte ich den Fluß hinunterschwimmen ; bald setzten sich wilde Enten auf den Kürbis , diese zog ich mit der Hand schnell hervorlangend unters Wasser ; so brachte ich manches Dutzend nach Hause . Alle vier Wochen fiel es dem strengen Herrscher ein , mich zu sich kommen zu lassen , um Deutsch zu reden , bei welcher Gelegenheit er mir meinen sonstigen Hochmut oft vorrückte . Die Schönheit des Landes , der Überfluß an edlen Lebensmitteln macht in jenen Gegenden manche Beschwerde erträglich ; der Umgang mit einigen Büßern , die am Ufer meines Flusses wie Biber sich angebaut hatten , machte mir diesen Zustand sogar angenehm ; ich lernte von ihnen die Sanskritsprache , während ich vom Entenfange ausruhete . « - » Wunderbar « , unterbrach ihn hier der Fürst , » wunderbar ist dieser Zug aller Deutschen in unserer Zeit nach dem Indischen ; wie die Kirchen alle mit ihren Altären nach Osten zu gerichtet sind , und daher oft gegen die Dörfer , zu denen sie gehören , schief liegen , so denken alle an Indien , und lassen ihr Vaterland liegen , wie es will . « - GRAF : » Wer kann wissen , was uns daher noch kommt ? Ich lebte wohl ein Jahr in jener Schule , ich fühle , wie wenig ich noch begriffen und bin doch dankbar für die Aufklärungen des höheren Lebens . Damals störte mich ein unerwartetes Ereignis in meinen Forschungen . Thomas hatte allmählich alle Arten seiner Pracht vor mir ausgebreitet , ich hatte alles kraft meiner sanskritanischen Weisheit verachtet ; endlich sagte er mir , er habe doch etwas , das über alle Weisheit erhaben , das Höchste der Welt sei : seine schöne Frau ; die müsse ich einmal ganz ohne Schleier sehen . Vergebens stellte ich ihm vor , daß mir dies nach den Landesgesetzen bei Lebensstrafe nicht erlaubt sei ; ich erzählte