Gesträuchen des Ufers den theuern Rest , den sie suchten . Valeria weinte nicht , als ihn die Schiffer vor sie hin in den Kahn legten , kein Seufzer , keine Thräne erleichterte ihren dumpfen Schmerz . So blieb sie diesen und den folgenden Tag , bis die fromme Sorge einiger Christen der verehrten Leiche alle Dienste , der Treue erwiesen hatte . In der Gegend umher , die ziemlich flach ist , hatte Valeriens Liebe schon seit dem letzten Gespräch mit ihrem Freund zu diesem Vorhaben eine schickliche geheime Stelle gesucht und gefunden . Unfern von Laureacum erheben sich in Südwesten einige kleine Hügel mit Laubwäldern bedeckt . Hinter einem derselben in einem stillen Thale , an einer frischen Quelle , der einzigen , die diese wasserarmen Gefilde netzt und erquickt , wollte sie sein verborgenes Grab machen lassen . Ihre Liebe hatte sinnreich gewählt . An dem Ort , der allein Leben ausspendete , sollte das Kostbarste verwahrt werden , das sie besaß , von seiner Ruhestätte aus sollte sich Segen verbreiten , und die fromme Dankbarkeit vielleicht einst in fernen Jahrhunderten , wo so gern alle Geschichten die Gestalt der Fabel und des Wunderbaren annehmen , diese einzige Quelle als ein Geschenk des verehrten Mannes betrachten , der hier nach seinem heldenmüthigen Tod Ruhe gefunden hatte.1 Sie selbst begleitete die geliebte Hülle an den einsamen Ort . Hier begruben ihn ihre Begleiter , trauernde Christen , unter frommen Gebeten und heiligen Gefühlen . Als der Hügel erhöht , und ein einfaches Kreuz darauf gepflanzt , und nun jede Spur der theuren Gestalt von der Erde verschwunden war , da brach Valeriens gewaltsame Spannung , und ihre Kraft verließ sie . Mit einem lauten Schrei sank sie ohnmächtig auf das Grab , keine Bemühung vermochte sie wieder zu erwecken - man brachte sie bewußtlos nach Laureacum zurück . Eine tödtliche Krankheit , die sie bald mit ihrem Freunde zu vereinigen versprach , stürzte ihre Pflegeeltern und alle ihre Freunde in die tiefste Bekümmerniß . Ihre Jugend überwand endlich den Sturm , und sie genas langsam dem Körper nach . Ihr Herz wird nie genesen . Sie ist viel bei uns , wir thun , was wir können - aber was vermag die treuste Freundschaft gegen einen Schmerz , wie Valeriens ? Ich bin überzeugt , Junia , daß dies der größte ist , den je ein menschliches Herz fühlen kann , ich war nahe daran ihn zu empfinden , und ich glaube , oder eigentlich ich hoffe , ich würde ihn nicht überleben . Laß mich abbrechen , es ist nicht gut , in einer Zeit , wo fremdes Leiden unsre Thätigkeit , unsre Geisteskräfte auffordert , diese durch geträumte Schmerzen und mögliche Schreckbilder zu lähmen . Leb ' wohl . Fußnoten 1 Nicht weit von der Stelle , wo der Sage nach der Körper des h. Florianus begraben worden , steht jetzt das Stift der regulirten Chorherren zu St. Florian auf einem Hügel . An seinem Fuße entspringt jene Quelle , wirklich die einzige mit frischem guten Wasser , in dieser sonst so fruchtbaren , aber wasserarmen Gegend . Das Stift zeichnet sich durch äußere Schönheit der Bauart , durch eine treffliche Verfassung , noch mehr aber durch sein würdiges Oberhaupt , den gegenwärtigen Herrn Probst , einen eben so kenntnißreichen als edlen Mann , und durch viele gelehrte schätzbare Mitglieder vor den meisten Stiftern in Oesterreich und Deutschland sehr vortheilhaft aus . 94. Agathokles an Phocion . Laureacum , im August 304 . Seit wir uns zu Athen auf meiner Hieherreise sahen , ist mein Leben eine ununterbrochene Kette von eben so wichtigen als unangenehmen Geschäften gewesen . Die wenigen Briefe , die ich dir senden konnte , werden dir schon ziemlich eine Vorstellung von meinen Verhältnissen gegeben haben ; so brauche ich dir nur zu sagen , daß sie noch immer fortwähren , und daß ich nicht absehe , wann und wie sie aufhören werden . Ich habe in diesen Gegenden für Constantin und meine Glaubensgenossen viel zu sorgen , zu wirken und zu bereiten . Es kommt die Zeit , sie ist vielleicht näher , als wir denken , wo große Entschlüsse reifen , Alles umfassende Veränderungen eintreten , und die neue Form der Dinge ganz neue Maaßregeln erfordern wird . Diocletian liegt noch krank in Salona , wo Constantin seiner mit Achtung und kindlicher Sorge pflegt . Galerius verstärkt seine Macht täglich auf geheimen und offenen Wegen . Es ist Constantin in seiner Lage nicht möglich , das Gleiche zu thun , ohne Verdacht zu erregen , da er nur des Cäsars Sohn , nicht wirklich Cäsar ist . Was geschehen kann , und unabänderlich geschehen muß , wenn nicht alle Plane scheitern sollen , muß also theils in Geheim durch ihn , theils durch seinen Vater geschehen . Es ist schon Vieles gethan , aber noch weit mehr zu thun übrig , und ich hoffe mit Zuversicht viel Gutes und Großes für die Menschheit von dem , was jetzt bereitet wird . Du zwar , mein geliebter Freund ! wirst nicht ganz in unsere Plane einstimmen . Deine Ansichten sind verschieden . Ich werde es nicht unternehmen , sie zu bekämpfen , noch weniger sie unrichtig zu nennen , aber ich fühle mein Herz erleichtert , wenn ich dir die Beweggründe , die mich handeln machen , genau auseinanderlegen , und so mein Inneres dir , dem Lehrer und Leiter meiner Jugend , unverhüllt zeigen kann . Du hast mir in deinem letzten Briefe zugegeben , daß Religion für die Menschen überhaupt nothwendig , und daß sie , weil der Mensch auch im rohesten Zustand Spuren von übersinnlichen Begriffen zeigt , gewissermaßen in seiner Natur gegründet sey . Aber du ließest ihn , den unsichtbaren Urheber des Ganzen , den Schleuderer des Blitzes , den Spender der Ernten nur mit dem Verstande aufsuchen und finden , und bist überzeugt , daß jene Vermuthungen , auf welche die freiwirkende Vernunft des Menschen durch