dies brachte er zum Schweigen ! Mit tiefen , vollen Zügen atmete die Schlafende die Wohltat der Ruhe ein , die sie umgab — und welch eine Wohltat war das für die Todmüde ! Die Staatsrätin hatte den Frühstückstisch gerüstet und saß mit der Arbeit am Fenster . Ihre Hände lagen aber mit Nadel und Faden im Schoße und ihre noch vom Weinen geröteten Augen blickten trübe in das kleine Spiritusflämmchen , das seit einer Stunde unter der Kaffeemaschine brannte . „ Was meinst Du ? Ich werde wohl frischen Kaffee kochen sollen , es dauert gar zu lange ! “ redete sie den eintretenden Sohn an . „ Wie Du willst , Mütterchen , “ sagte Johannes . „ Du weißt , ich verstehe davon nichts ! “ Die Staatsrätin klingelte dem Mädchen : „ Regine , nimm den Kaffee hinaus und bring die Maschine wieder , ich will andern machen . “ Das Mädchen schnitt ein Gesicht und tat unwillig , was ihr geheißen . „ Schade um den schönen Kaffee , “ murrte sie im Hinausgehen . „ Ich finde es sehr unangenehm , Mutter , “ bemerkte Johannes , „ daß die Regine sich gewöhnt , alle unsere Anordnungen einer Kritik zu unterziehen . Ich habe nicht gerne solche Dienstboten um mich . Kannst Du ihr das nicht abgewöhnen , dann bitte ich , Mutter , daß Du die Person entfernst . “ „ Sie ist aber tüchtig in der Arbeit und ehrlich , “ entgegnete die Staatsrätin . „ Das mag schon sein , aber deren gibt es wohl noch Manche , die zugleich bescheidener und freundlicher sind . Ich will nicht in jedem frohen Augenblick den Ausdruck des Mißbehagens auf einem Gesicht meiner Umgebung sehen . Ich will Menschen um mich haben , die ihre Pflichten mit Freudigkeit erfüllen . “ „ Solche fallen einem nicht gleich in den Schoß . “ „ So muß man sie suchen ! “ sagte Johannes und brach kurz das Gespräch ab , indem er die Morgenzeitung zur Hand nahm und darin blätterte . Die Staatsrätin seufzte , aber sie schwieg . Regine brachte die Maschine wieder herein und fragte verdrossen : „ Soll das Fräulein oben noch nicht geweckt werden ? “ „ Nein ! “ war Johannes ’ kurze Antwort . „ Da muß man dann das Kaffeegeschirr auswaschen , wenn man zu Mittag kochen sollte , “ murmelte sie wieder und schloß etwas unsanft die Tür hinter sich . „ Nun , Mutter , hab ’ ich ’ s genug . Ich kann mich nicht mit den Mägden herumzanken , aber ich kann sagen , welche mir angenehm ist und welche nicht . Die Regine ändert sich , oder sie geht ! “ „ Du bist auf einmal so unnachsichtig gegen das Mädchen “ — sagte die Mutter bitter — „ wenn Du nur immer in Deinem Leben so unbedingten Gehorsam findest . “ „ Ich weiß , worauf Du anspielst , Mutter — aber das trifft mich nicht . Ich fordere von Jedem nur , was er leisten kann , von der Magd , die ich bezahle , Gehorsam — von dem Weibe , das mir ebenbürtig ist , Liebe ! “ „ Mit der Liebe allein ist ’ s nicht getan ! “ „ Mit der wahren Liebe — ja ! “ „ Es bedarf auch der Hingebung , der Opferfähigkeit . “ „ In der wahren Liebe liegt Alles : Hingebung , Aufopferung — sie gibt das ganze Selbst ! “ „ Nicht Jede vermag , wahrhaft zu lieben . Darum sei auf Deiner Hut , damit man Dich nicht absichtlich oder unabsichtlich täusche . “ „ Beruhige Dich , Mutter — und erspare mir Deine Zweifel , “ sagte Johannes mit ungewohnter Strenge und vertiefte sich wieder in die Zeitung , während sein Ohr auf jedes Geräusch an der Tür lauschte . Die Staatsrätin holte aus einem Wandschränkchen eine zierliche Handmühle und begann , den neu zu bereitenden Kaffee zu mahlen . Die Uhr schlug halb neun . „ Man sieht , daß die junge Dame an keine Hausordnung gewöhnt ist , “ konnte die Staatsrätin nicht umhin zu bemerken . „ Ich sehe nur , daß sie nach dem gestrigen Tage des Schlafes bedurfte ! “ „ So lange schläft man nicht , wenn man gewöhnt ist , rechtzeitig aufzustehen . “ „ Wenn man die ganzen Nächte durch arbeitet , kann man das nicht . “ „ Eine schlimme Eigenheit für eine Hausfrau ! “ „ Mutter , “ fuhr Johannes auf , „ ich würde irre an Dir , kennte ich Dein Herz nicht so gut ! “ „ Wirklich ? “ Die Staatsrätin schüttete den Kaffee auf , ihre Hände zitterten aber merklich dabei : „ Dieses Mädchen bringt viel zu Stande ! Seit sie im Hause , ist Alles anders . Heute wirst Du irre an mir — gestern war ich Deine Mutter nicht mehr ! Und dennoch , mein Sohn , habe ich mich nie , nicht in der Stunde , da ich Dich mit Schmerzen gebar , so sehr als Deine Mutter gefühlt , wie in dieser schweren Sorge um Dein Glück ! “ — Sie konnte nicht weiter sprechen , die Bewegung übermannte sie . „ Mütterchen , “ rief Johannes und umschlang die alte Frau zärtlich . „ Du sollst nicht weinen um ein rasches Wort von mir . Komm , sei ruhig — ich bin heute so froh ! — Geh , geh . Du gute Mutter , hol die Rute für den ungezogenen alten Jungen ! “ Die Staatsrätin lächelte wieder und streichelte das glänzende Haar des liebenswürdigen Mannes . „ Gott segne Dich — Du guter Sohn ! Es ist ja nichts als Liebe , wenn ich Dich nur der besten , der edelsten aller Frauen gönne , wenn ich zittere , daß Du , ein Mann , wie ’ s keinen zweiten mehr gibt , Dich an ein