Zeit her seiner Gäste harrt , oder wie die leise Musik in Spukschlössern , drin Geigen unsichtbar zum Tanze spielen . Aber kein Tänzer kommt . Wusterhausen a. D. Trieplatz Trieplatz Ein Kapitel von den Rohrs Die Douglas waren immer treu . Schottisches Lied Trieplatz ist alter Besitz der Rohrs , wiewohl es nicht zu den Gütern zählt , die , gleich nach ihrem Erscheinen in den Marken , von ihnen erworben wurden . Die Rohrs kamen mutmaßlich aus Bayern und stammen , einer Familiensage nach , von jenem Grafen von Abensberg ab , der mit zweiunddreißig Söhnen am Hoflager Kaiser Heinrichs IV. erschien . 75 Einer dieser zweiunddreißig , Adalbert mit Namen , wurde mit dem in der Nähe von Abensberg gelegenen Dorfe Rohr belehnt und nannte sich danach Adalbert von Rohr . Er war ein tapferer Kriegsmann , gegen Ende seines Lebens aber verließ er Haus und Hof und Weib und Kind und baute das Kloster Rohr , in das er nun selber eintrat . Dies war 1133 . Die Kirche des damals gestifteten Klosters , zum Teil aus Salzburger Marmor aufgeführt , ist noch sehr wohlerhalten ; über dem Altar befindet sich ein zweigeteiltes Gemälde , dessen eine Hälfte den Adalbert von Rohr darstellt , wie er im Ritterkleide das Gelübde ablegt , die andere Hälfte , wie er , im geistlichen Ornate bereits , vom Bischofe die Weihen empfängt . Die Nachkommen dieses Adalbert von Rohr waren es , die zu Beginn des vierzehnten Jahrhunderts im Brandenburgischen erschienen , nach einigen im Gefolge Markgraf Ludwigs von Bayern , der 1323 die Mark in Besitz nahm , nach anderen schon um beinahe zwanzig Jahre früher . Gleichviel , um die Mitte des Jahrhunderts sehen wir die Familie von Rohr in der Priegnitz und zwar in Freyenstein , Holzhausen und Meyenburg angesessen , und etwa zur Reformationszeit auch im Ruppinschen . Sie besaßen hier ganz oder teilweis : Leddin , Brunn , Trieplatz , Tramnitz , Ganzer . Leddin war , soweit die Ruppinschen Güter in Betracht kommen , am frühesten erworben worden , etwa um 1400 . Eine Geschichte der Rohrs schreiben wollen , hieße mittelbar eine Geschichte Brandenburg-Preußens schreiben . Bei Leuthen , Lipa , Leipzig , An der Katzbach und an der Schlei , Von Fehrbellin bis Sedan , – Ein Rohr war immer dabei . Sie sind eiserner Bestand in den Ranglisten unserer Armee , zu allen Zeiten mit einem Dutzend Leutnants und Kapitäns vertreten . Aber auch darüber hinaus bewährt und treu befunden , finden wir sie als Generalleutnants und Generalmajors in nicht geringer Zahl . Und wie im Heer , so in Staat und Kirche . Um 1400 Otto von Rohr , Bischof von Havelberg ; seitdem in langer Reihenfolge , Präsidenten und Pröbste , Amtshauptleute und Ritterschaftsräte , verschieden an Gaben und Verdienst , aber in drei Eigenschaften einig : gütig , tapfer , loyal . Nicht von dem Ruhm der Familie will ich in nachstehendem erzählen , nicht von denen , die bei Prag mitstürmten und bei Hochkirch unter Tod und Flammen aushielten ; es entspricht dem einfach-demütigen , alles Anspruchsvolle zurückweisenden Sinne der Familie mehr und besser , wenn ich bei Genrebildern verweile , wie sie das Leben dreier auf einander folgender Generationen bot . Ich wähle diese drei Generationen aus den Trieplatzer Rohrs . Begleite mich der Leser zunächst nach Trieplatz selbst . Trieplatz liegt eine Meile nördlich von Wusterhausen an der Dosse . Der Weg geht über Brunn , das , wie schon angeführt , früher ebenfalls den Rohrs zugehörte , seit Ende vorigen Jahrhunderts aber in den Besitz der Rombergs übergegangen ist . 76 Die ganze Gegend am Dosseufer hin , von dem wir uns übrigens mehr und mehr entfernen , ist , wie so viele Punkte der Mark , witwenhaft traurig und mit keinem andern Reize ausgestattet als dem einen , den ihr eben dies Witwenkleid leiht . Wohl ist dies Kleid unter den Händen der Kultur , die hier und dort , wie eine heitere Enkelin , ein buntes Band eingeflochten hat , um seinen vollen Trauergehalt gekommen , aber das , was vorherrscht und nach wie vor den Charakter gibt , ist doch immer noch das monotone Grau , das selbst der Ackerscholle nicht fehlt , die daliegt , als ob Asche über ihr frisches Braun ausgestreut worden wäre . Kein See , kein Weiher , kein Fluß ; von Zeit zu Zeit eine Gruppe graugrüner Bäume , meist Pappeln und Weiden , die die Stelle andeuten , wo hinter Wipfeln ein Dorf vergraben liegt . So hinter Wipfeln vergraben liegt auch Trieplatz . Im Näherkommen bemerken wir eine prächtige Linden- und Kastanienallee , deren Linien sich kreuzen und dann avenueartig auf den alten und neuen Hof des Gutes zuführen . Der alte Hof , jetzt eine bloße Meierei , war der Rittersitz des vorigen Jahrhunderts . Dort stand das Herrenhaus , ein einfacher Fachwerkbau , den Georg Moritz von Rohr bewohnte . Von ihm erzähle ich zuerst . Der Hauptmann von Capernaum » Der Hauptmann von Capernaum « Georg Moritz von Rohr war 1713 geboren . Selbstverständlich trat er in die Armee – in welches Regiment habe ich nicht erfahren können – war bei Ausbruch des Siebenjährigen Krieges Hauptmann , wurde in einer der ersten Schlachten schwer verwundet und zog sich , zu fernerem Kriegsdienste untauglich , auf sein väterliches Gut Trieplatz zurück . Er war ein echter Rohr , einfach von Sitten , ein frommer Christ , dabei von jenem verqueren Zuge , der auch aus den schlichtesten Naturen Originale schafft . Georg Moritz von Rohr war ein solches Original . Er gab es schon dadurch zu verstehen , daß er sich selber den » Hauptmann von Capernaum « nannte . Die Worte , die , der Schrift nach , der wirkliche Hauptmann von Capernaum an Christum richtete : » Herr , ich bin nicht wert , daß du unter mein Dach gehest « entsprachen ganz seinem eignen demütigen Herzen ,