mit der Farbe heraus . Ich versprach , ihm zu seinem Geburtstag fünf Taler zu schenken , und fragte ihn , wann er Geburtstag habe . Darauf antwortete er traurig , das wisse er nicht , und ich muß gestehen , es war da etwas in seinem Wesen , was mich rührte . Aber sonst schien er mir doch gar zu schmeichlerisch , und sein freundlich Geblinzel und Getue mißfiel mir . « » Leider , leider , schmeichlerisch ist er , da haben Sie recht , Herr Hofrat ; besonders wo er seine Pläne durchsetzen will . « Nach diesem Meinungsaustausch kehrten sie wieder zu Caspar zurück . Er saß am Tisch , den Kopf in die Hand gestützt . » Na , was haben Sie fertiggebracht ? « rief der Hofrat jovial . Er nahm das Heft , stutzte , da er nur einen einzigen Satz geschrieben fand , und las vor : » Wenn sie dir Übles an deinem Körper zugefügt haben , tue ihnen Gutes dafür . Das ist alles , Hauser ? « » Sonderbar « , murmelte Quandt . Der Hofrat stellte sich vor Caspar hin , drehte den Kopf gegen die Schulter und begann unvermittelt : » Sagen Sie mal , Hauser , wen haben Sie denn eigentlich von allen Menschen , die Sie bisher kennengelernt haben , am meisten liebgewonnen ? « Sein Gesicht sah pfiffig aus ; er hatte von seinem Amt als Gerichtsfunktionär die Manier behalten , auch das Harmlose mit einem Ausdruck von säuerlichem Spott zu äußern . » Stehen Sie doch auf , wenn der Herr Hofrat mit Ihnen spricht « , flüsterte der Lehrer Caspar zu . Caspar stand auf . Er blickte ratlos vor sich hin . Er witterte eine Falle hinter der Frage . Er dachte plötzlich : Wahrscheinlich ist der Lehrer darum so böse , daß ich den Aufsatz nicht gemacht habe , weil er glaubt , ich halte ihn für meinen Feind . Er schaute zu Quandt hinüber und sagteversonnen : » Den Herrn Lehrer hab ich am liebsten . « Der Hofrat wechselte mit Quandt einen Blick des Einverständnisses und räusperte sich bedeutsam . Aha , ein Bestechungsversuch , dachte Quandt und war stolz darauf , nicht im mindesten von der Antwort erbaut zu sein . Caspars Leben wurde nun immer einförmiger und zurückgezogener . Er hatte niemand , mit dem er eine vertrauliche Unterhaltung führen konnte . Frau von Kannawurf ließ auch nichts von sich hören , und das wurmte ihn denn doch , trotzdem er behauptet hatte , an Briefen sei ihm nichts gelegen . Wo war sie überhaupt ? Lebte sie noch ? Er mochte oft nicht ausgehen , alle Wege waren ihm verhaßt , jede Verrichtung fand ihn lau . Zudem war das Wetter immer schlecht , der November brachte gewaltige Stürme , und so saß er in der freien Zeit auf seinem Zimmer , glitt mit den Blicken über die Hügelränder oder streifte bang den Himmel und sinnierte unablässig . Er wartete , wartete . Einmal ging er insgeheim in die Kaserne und erkundigte sich vorsichtig , ob man dort etwas über Schildknecht wisse . Man konnte ihm keine Auskunft geben . Das nährte die verflackernde Hoffnungsflamme , aber in den darauffolgenden Tagen fühlte er sich krank und wollte sich des Morgens kaum zum Verlassen des Bettes entschließen . Es kamen noch manchmal Fremde zu Besuch ; er verhielt sich störrisch und einsilbig . Wenn er aufgefordert wurde , in Gesellschaft zu gehen , sagte er bitter : » Was soll mir das Schwätzen ? « Als er eines Abends über den Schloßplatz ging und an der mächtigen Fassade mit den hohen , immer geschlossenen Fenstern emporsah , glaubte er in den leergedachten Sälen übergroße Gestalten wahrzunehmen , die ihn feindselig beobachteten . Sie schienen alle in Purpur gekleidet , mit goldenen Ketten um den Hals . Ein grenzenlos ermattender Schmerz drückte ihn nieder , und er war nahe daran , sich auf das Pflaster zu werfen und zu heulen gleich einem Hund . Er fühlte sich so kalt , so trüb . In einer Nacht träumte er , er sähe auf einem grünen Steinblock eine goldene Schale , und darauf lagen fünf seltsam qualmende Herzen , doch nicht in natürlicher Form , sondern so wie Lebküchner die Herzen backen ; er stand davor und sagte laut : » Das ist meines Vaters Herz , das ist meiner Mutter Herz , das ist meines Bruders Herz , das ist meiner Schwester Herz , das ist mein eignes Herz . « Sein eignes lag oben und hatte zwei lebendige , traurige Augen . Nicht selten hatte er das bestimmte Gefühl von der fernen Wirkung einer überaus teuern Person . Die Person handelte , sprach und litt für ihn , aber eine Welt lag dazwischen , und was auch immer sie unternahm , konnte die Weite zwischen ihm und ihr nicht verringern . Er spürte unheimliche Vorgänge so deutlich , daß er oft dastand und lauschte wie auf ein Gespräch hinter einer dünnen Wand . Und er faltete die Hände unterm Kinn und lächelte ängstlich . Blind hätte der Lehrer sein müssen , wenn er von alledem nichts bemerkt hätte . Seine Beobachtungen sammelte er sozusagen unter einem Titel , und dieser Titel lautete : Der Kampf mit dem schlechten Gewissen . » Ich habe kein Wohlwollen mehr für den Menschen , « erklärte Quandt , » ich habe kein Wohlwollen mehr für ihn , seit ich gesehen habe , wie gleichgültig ihn die Katastrophe mit dem Lord gelassen hat . War mir selbst doch zumut , als hätte ich einen Bruder verloren , und er wollte sich nicht einmal zu einer den Schein wahrenden Trauer verstellen . Er hat ein Herz von Stein und eine ganz pöbelhafte Undankbarkeit . « Wir sehen den Lehrer gleichsam hinter einer Hecke , wir sehen ihn lauern , wir sehen , wie er mannigfaltige Nachrichten über Caspar aus früheren Jahren zusammenträgt ,