erkundigte , antwortete sie : » Er befindet sich in guter Pflege , denn seine Frau weicht fast keinen Augenblick von seiner Seite . Unser Pedehr kennt eine gute Salbe , welche die Schmerzen der Wunden stillt . Hafis Aram wird wahrscheinlich nur wenige Tage das Lager zu hüte haben . « » Wie steht es mit den Soldaten ? « » Sie stecken drüben im Gewölbe . Sie wollten uns vorschreiben , wie sie zu behandeln seien , haben aber zur Antwort bekommen , daß man sich genau so zu ihnen verhalten werde , wie sie es verdienen . Man wird heut wohl einige von ihnen laufen lassen . « » Einige ? « » Ja . Gäbe man sie alle zu gleicher Zeit frei , so könnten sie durch ihre große Zahl den zerstreuten Bewohnern des Gebirges schädlich werden . Darum wird man von Tag zu Tag nur wenige auf einmal freigeben , und auch diese werden zu Pferde nach so verschiedenen Richtungen über die Grenze gebracht , daß es ihnen gewiß schwer werden sollte , sich zusammenzufinden . Die Offiziere kommen zuletzt daran . Auch sind heut früh Boten ausgesandt worden , welche dafür zu sorgen haben , daß jedermann vor den etwa diebisch Herumstreifenden gewarnt werde . Wen man entläßt , dem wird vorher alles abgenommen , was ihm nicht zu gehören scheint . Man hat sie alle ausgesucht und da außerordentlich viel gefunden , was den Kalhuran von ihnen abgezwungen worden ist . « » Diese sind natürlich auch benachrichtigt worden ? « » Gewiß ! Das war ja das allererste , was gethan werden mußte ! Sie brauchen nur zuzugreifen . Was man ihnen unter dem Vorwande der Steuern weggenommen hat , das wird nur von ein paar zurückgebliebenen Soldaten bewacht . Diese wird man einfach fortjagen . Sie sind fast alle keine Muhammedaner , sondern Armenier aus der Vorstadt Dschulfa bei Isfahan . « » So werden sie dorthin gehen und Lärm machen . Dann kommt ein neuer und noch viel schlimmerer Muhassil zu den Kalhuran ! « » Schlimmer als dieser Omar Iraki war , kann keiner sein ! Auch hat unser Ustad noch während dieser Nacht einen Bericht geschrieben , welchen sichere Boten zu dem Beherrscher bringen . Eine Abschrift davon bekommt der Hekim-i-Schera124 von Isfahan . Du stehst also , daß nichts versäumt worden ist , was uns von der Vorsicht gebotet wird . Wir haben nichts , gar nichts zu befürchten , denn der Schah-in-Schah hat unsern Ustad lieb , und wir wissen gar wohl , daß unsere Gefangenen gar keine eigentlichen Soldaten sind . « » Gesindel , welches der Muhassil zusammengetrommelt hat ! « » Ja . Nicht einer von ihnen trägt eine wirkliche Uniform . Sie können nur froh sein , daß wir sie nicht allesamt dahin schicken , wohin wir die Massaban geschickt haben . Wahrscheinlich hätten wir es gethan , wenn es nicht zu viele Mühe machte . Es bedarf dazu einer ganzen Schar von Leuten , welche den Transport zu führen und zu bewachen haben . Mein Oheim hat also hierauf verzichtet . « Oheim ! Es war zum erstenmal , daß sie sich einer Bezeichnung der Verwandtschaft bediente . Ich wußte seit gestern wohl , wen sie jetzt meinte , that aber doch , als ob es mir unbekannt sei , und fragte : » Du hast einen Oheim hier ? « » Ja . Weißt du das noch nicht ? Habe ich es dir noch nicht gesagt ? Ich könnte sogar von zweien sprechen . « » Darf ich erfahren , wer es ist ? « » Unser Pedehr . Sein Vater Abd el Fadl war der Sohn einer Schwester unserer Marah Durimeh . « » Und der zweite Oheim ? « » Das ist der Ustad selbst . Auch er ist mit Marah Durimeh verwandt ; aber wie , das weiß ich nicht genau . « » Hast du ihn nicht einmal gefragt ? « » Ich that es einst . Es war da draußen vor der Halle , da , wo du jetzt des Abends zu sitzen pflegst . Wir waren allein und sprachen von ihr . Da fragte ich ihn . Er antwortete nicht sogleich . Er sah so lange und so still hinüber nach unserm Gotteshause , welches im Mondenscheine wie ein frommes Märchen aus dem Paradiese lag . Dann legte er mir die Hand auf das Haupt und sagte : Meine Verwandtschaft mit Mara Durimeh ? Was weißt du , liebes Kind , von dem , was eigentlich Verwandtschaft ist ! Sie ist nicht leiblicher Natur . Der Körper , welcher sich fort und fort erneuert , bleibt nicht derselbe Leib , den uns die Mutter gegeben hat . Er verändert zwar nicht die Gestalt , doch stets und ununterbrochen die Stoffe , aus denen er zusammengesetzt ist . Er nimmt sie auf und giebt sie ab , beides zu gleicher Zeit . Der Körper , in dessen Ohr du heut das liebe Wörtchen » Vater « rufst , ist durch die Ausscheidung seiner jetzigen und die Aufnahme neuer , ihm ganz fremder Bestandteile nach zwei Jahren ein vollständig anderer geworden , und du aber nennst auch diesen gänzlich fremden noch deinen » Vaters « . Der Stoff also ist es nicht , der uns befreundet . Doch aber aus dem Mutterherzen floß dem Kinde , bis es geboren wurde , mit jedem Pulse das Leben zu . Und aus dem Elternherzen strahlte ihm die Liebe , die es nährte , pflegte und auferzog , um es in dem ebenso täglich und immerfort sich erneuernden Menschheitskörper Aufnahme finden zu lassen . Ist es nicht diese Liebe , welche befreundet ? Und nimmt also an dieser Verwandtschaft nicht die ganze Menschheit teil ? Der Körper , den heut unsere Marah Durimeh besitzt , ist mir vollkommen fremd ; er hat mit dem meinigen nichts , als die menschliche Form gemein . Und was verbindet diese beiden Gestalten