der Kammer sagte , erklärte ? « » Leichten Herzens ! « rief ich mit neuem Schauer . » Hier liegt ein Geheimnis , das ich aufklären kann . Der Kaiser , für den das Geld nie einen anderen Wert hat , als um Liebe und Freundschaft sich zu erkaufen - er glaubt , wie Jugurtha in Rom , ganz Frankreich wäre feil , die Männer wie die Weiber - hat die Gewohnheit , wenn er einen Minister annimmt , der nicht reich ist , ihn durch ein Geschenk von einer Million Franken näher an sich zu fesseln . Daru allein , der mir dieses Geheimnis entdeckte , lehnte dieses Geschenk ab : timeo Danaos et dona ferentes . Und er allein , nicht gebunden , gab seine Demission . So lange der Kaiser zauderte , erklärte sich Ollivier , mit der goldenen Kette an seinen Meister gefesselt , neutral - eher für den Frieden . Sobald aber der Kaiser von seiner Frau und ihren drei ultramontanen Anabaptisten überrumpelt ward , erklärte sich auch Ollivier für den Krieg und entseelte sich lebendig mit leichtem Herzen und - voller Tasche . « 2 » O Monsieur , o Madame - welches Glück , welche große Nachricht ! « Mit diesen Worte stürzten eines Tages Friedrichs Kammerdiener und hinter ihm der Koch in unser Zimmer . Es war am Tage von Wörth . » Was gibt ' s ? « » An der Börse ist eine Depesche angeschlagen : wir haben gesiegt . Die Armee des Königs von Preußen ist so gut wie vernichtet ... Die Stadt schmückt sich mit dreifarbigen Fahnen - es soll heute Abend illuminiert werden . « Im Laufe des Nachmittags stellt sich jedoch heraus , daß die Nachricht eine falsche - ein Börsenmanöver - war . Ollivier hält von seinem Balkon aus eine Ansprache an die Menge . Nun - desto besser . Wenigstens würde man nicht beleuchten müssen . Diese Freudenkundgebungen anläßlich » vernichteter Armeen « - d.h. anläßlich zahlloser zerrissener Leben und gebrochener Herzen - das hätte in mir auch wieder den Flaubertschen Wunsch erweckt : » Ach wär ' ich doch bei den Beduinen ! « Am 7. August Unglücksbotschaft . Der Kaiser eilt aus St. Cloud nach dem Kriegsschauplatz . Der Feind ist ins Land gedrungen . Die Blätter können ihrer Entrüstung über die » Invasion « nicht heftig genug Ausdruck geben . Der Ruf » à Berlin ! « - däuchte mir - bedeutete doch auch beabsichtigten Einfall - doch daran war nichts entrüstendes ; - daß aber die östlichen Barbaren in das schöne , gottgeliebte Frankreich einzufallen sich unterstanden : das war schier Wildheit , Frevel - dem mußte rasch gesteuert werden . Der interimistische Kriegsminister erläßt ein Dekret , daß alle rüstigen Bürger von dreißig bis vierzig Jahren , welche der Nationalgarde noch nicht angehören , derselben sofort einverleibt werden müssen . Es bildet sich ein Ministerium der Landesverteidigung . Die bewilligte Kriegsanleihe von fünfhundert wird auf tausend Millionen erhöht . Ganz herzerfrischend ist es , wie opferfähig die Leute über das Geld und das Leben der Anderen stets verfügen . Eine kleine finanzielle Unannehmlichkeit macht sich dem Publikum zwar sogleich fühlbar : wenn man Banknoten wechseln will , muß man dem Wechsler zehn Prozent zahlen - es ist nicht so viel Gold vorhanden , als die Bank von Frankreich Noten ausgeben darf . Und jetzt , deutscherseits Sieg auf Sieg ... Die Physiognomie der Stadt Paris und ihrer Einwohner verändert sich . Statt der stolzen , prahlerischen kampfesfrohen Laune tritt Bestürzung und grimmiger Zorn ein . Immer mehr verbreitet sich das Gefühl , daß eine Vandalenhorde über das Land niedergegangen - etwas Schreckhaftes , Unerhörtes , wie etwa eine Heuschreckenwolke oder sonst eine Naturplage . Daß sie mit ihrer Kriegserklärung diese Plage selber heraufbeschworen , daß sie dieselbe für unerläßlich hielten , - damit ja nicht etwa ein Hohenzollern in ferner Zukunft auf die Idee kommen könne , um den spanischen Thron zu werben - das hatten sie vergessen . Über den Feind kommen entsetzliche Märchen in Umlauf . » Die Ulanen , die Ulanen « : das hat einen phantastisch-dämonischen Klang , beinahe als hieße es » das wilde Heer « . In der Einbildung der Leute nimmt diese Truppengattung ein teuflisches Wesen an . Wo immer von der deutschen Kavallerie ein kühner Streich ausgeführt wird , wird er den Ulanen zugeschrieben - eine Art Halbmenschen , ohne Sold , darauf angewiesen , von Beute zu leben . Neben den Schauergerüchten entstehen aber auch wieder Triumpfgerüchte . Das Erfolgvorlügen gehört mit zu den Chauvinistenpflichten . Natürlich : der Mut muß aufrecht erhalten werden . Das Gebot der Wahrhaftigkeit - wie so viele andere Sittengebote - verliert seine Gültigkeit im Kriege . Aus der Zeitung Le Volontaire diktierte mir Friedrich folgende Stelle für meine roten Hefte : » Bis zum 16. August haben die Deutschen schon 144 000 Mann verloren , der Rest ist dem Verhungern nahe . Aus Deutschland ziehen die letzten Reserven herbei , » la landwehr et la landsturm « ; alte Männer von 60 Jahren mit Feuersteingewehren , an der rechten Seite eine ungeheure Tabaksdose , an der linken eine noch größere Schnapsflasche , im Munde eine lange thönerne Pfeife ; keuchend unter der Last des Tornisters , auf welchem die Kaffeemühle und in welchem der Fliederthee nicht fehlen darf , ziehen sie hustend und sich schneuzend vom rechten an das linke Rheinufer , Diejenigen verfluchend , welche sie den Umarmungen ihrer Enkel entrissen haben , um sie dem sicheren Tode entgegen zu führen . « - » Was die deutscherseits gebrachten Siegesnachrichten anbelangt - so sind dies die bekannten preußischen Lügen . « Am 20. August verkündet Graf Palikao in der Kammer , daß drei gegen Bazaine vereinte Armeekorps in die Steinbrüche von Jaumont geworfen wurden . ( Sehr gut ! Sehr gut ! ) Zwar weiß niemand , was das für Steinbrüche seien , und wo selbe gelegen sind ; und wie sich