und golden , und ihre weißen Händchen lagen gefaltet auf dem weißen Kleide mit einer weißen Rose . Ich sah alles wohl und empfand beinahe eine Art glücklichen Stolzes , in einer so traurigen Lage zu sein und eine so poetisch schöne tote Jugendgeliebte vor mir zu sehen . Meine Mutter und der Schulmeister schienen stillschweigend mir ein nahes Recht auf die Verstorbene zuzugestehen , als man verabredete , daß fortwährend jemand bei der Toten weilen und ich die erste Wache halten sollte , damit die übrigen sich in ihrer Erschöpfung einstweilen zurückziehen und etwas erholen konnten . Ich blieb aber nicht lange allein mit der Anna , da bald die Basen aus dem Dorfe kamen und nach ihnen manche andere Mädchen und Frauen , denen ein so rührendes Ereignis und eine so berühmte Leiche wichtig genug waren , die drängendste Arbeit liegenzulassen und dem ehrfurchtsvollen Dienste des Menschengeschickes nachzugehen . Die Kammer füllte sich mit Frauensleuten , welche erst einer feierlich flüsternden Unterhaltung pflagen , dann aber in ein ziemliches Geplauder gerieten . Sie standen dichtgedrängt um die stille Anna herum , die jungen mit ehrbar aufeinandergelegten Händen , die älteren mit untergeschlagenen Armen . Die Kammertür stand geöffnet für die Ab- und Zugehenden , und ich nahm die Gelegenheit wahr , mich hinauszumachen und im Freien umherzuschlendern , wo die nach dem Dorfe führenden Wege ungewöhnlich belebt waren . Erst nach Mitternacht traf mich die Reihe wieder , die Totenwache zu versehen , welche wir seltsamerweise nun einmal eingerichtet . Ich blieb nun bis zum Morgen in der Kammer ; aber so schnell mir die Stunden vorübergingen , wie ein Augenblick , sowenig wüßte ich eigentlich zu sagen , was ich gedacht und empfunden . Es war so still , daß ich durch die Stille hindurch glaubte das Rauschen der Ewigkeit zu hören ; das tote weiße Mädchen lag unbeweglich fort und fort , die farbigen Blumen des Teppichs aber schienen zu wachsen in dem schwachen Lichte . Nun ging der Morgenstern auf und spiegelte sich im See ; ich löschte die Lampe ihm zu Ehren , damit er allein Annas Totenlicht sei , saß nun im Dunkeln in meiner Ecke und sah nach und nach die Kammer sich erhellen . Mit der Dämmerung , welche in das reinste goldene Morgenrot überging , schien es zu leben und zu weben um die stille Gestalt , bis sie deutlich im hellen Tage dalag . Ich hatte mich erhoben und vor das Bett gestellt , und indem ihre Gesichtszüge klar wurden , nannte ich ihren Namen , aber nur hauchend und tonlos ; es blieb totenstill , und als ich zugleich zaghaft ihre Hand berührte , zog ich die meinige entsetzt zurück , als ob ich an glühendes Eisen gekommen wäre ; denn die Hand war kalt wie ein Häuflein kühler Ton . Wie dies abstoßende kalte Gefühl meinen ganzen Körper durchrieselte , ließ es mir nun auch plötzlich das Gesicht der Leiche so seelenlos und abwesend erscheinen , daß mir beinahe der erschreckte Ausruf entfuhr : » Was hab ich mit dir zu schaffen ? « als aus dem Saale her die Orgel in milden und doch kräftigen Tönen erklang , welche nur manchmal in leidvollem Zittern schwankten , dann aber wieder zu harmonischer Kraft sich ermannten . Es war der Schulmeister , welcher in dieser Morgenfrühe seinen Schmerz und seine Klage durch die Melodie eines alten Liedes zum Lob der Unsterblichkeit zu lindern suchte . Ich lauschte der Melodie ; sie bezwang meinen körperlichen Schrecken , ihre geheimnisvollen Töne öffneten die unsterbliche Geisterwelt , und ich glaubte derselben durch ein neues Gelöbnis mit der Entschlafenen um so sicherer anzugehören . Das schien mir wiederum ein bedeutungsvoller und feierlicher Vorgang zu sein . Aber zugleich wurde mir nun der Aufenthalt in der Totenkammer zuwider , und ich war froh , mit dem Gedanken der Unsterblichkeit hinauszukommen ins lebendige Grüne . Es erschien an diesem Tage ein Schreinergesell aus dem Dorfe , um hier den Sarg zu machen . Der Schulmeister hatte vor Jahren schon eigenhändig eine saubere Tanne gefällt und zu seinem Sarge bestimmt . Dieselbe lag in Bretter gesägt hinter dem Hause , durch das Vordach geschützt , und hatte immer zu einer Ruhebank gedient , auf welcher der Schulmeister zu lesen und seine Tochter als Kind zu spielen pflegte . Es zeigte sich nun , daß die obere schlanke Hälfte des Baumes den schmalen Totenschrein Annas abgeben könne , ohne den zukünftigen Sarg des Vaters zu beeinträchtigen ; die wohlgetrockneten Bretter wurden abgehoben und eines nach dem andern entzweigeschnitten . Der Schulmeister vermochte aber nicht lange dabeizusein , und selbst die Frauen im Hause klagten über den Ton der Säge . Der Schreiner und ich trugen daher die Bretter und das Werkzeug in den leichten Nachen und fuhren an eine entlegene Stelle des Ufers , wo das Flüßchen aus dem Gehölze hervortritt und in den See mündet . Junge Buchen bilden dort am Wasser eine lichte Vorhalle , und indem der Schreiner einige der Bretter mittelst Schraubzwingen an den Stämmchen befestigte , stellte er eine zweckmäßige Hobelbank her , über welcher die Laubkronen der Buchen sich wölbten . Zuerst mußte der Boden des Sarges zusammengefügt und geleimt werden . Ich machte aus den ersten Hobelspänen und aus Reisig ein Feuer und setzte die Leimpfanne darauf , in welche ich mit der Hand aus dem Bache Wasser träufelte , indessen der Schreiner rüstig darauf lossägte und - hobelte . Während die gerollten Späne sich mit dem fallenden Laube vermischten und die Bretter glatt wurden , machte ich die nähere Bekanntschaft des jungen Gesellen . Es war ein Norddeutscher von der fernsten Ostsee , groß und schlank gewachsen , mit kühnen und schön geschnittenen Gesichtszügen , hellblauen , aber feurigen Augen und mit starkem goldenem Haar , welches man immer über die freie Stirn zurückgestrichen und hinten in einen Schopf gebunden zu sehen glaubte , so urgermanisch sah er aus . Seine Bewegungen bei der Arbeit waren elegant ,