Amtleuten , die wie Lehnsleute in dem Hause in Rothenfeld gesessen , von einem der Freiherren , von seinem Freiherrn mit Schimpf und Schande von Haus und Hof getrieben werden könne , daran hatte er in keiner Stunde seines Lebens noch gedacht . Um so härter trat das Ereigniß vor ihn hin , um so fester mußte er sich ihm gegenüberstellen , und er that das auch . War er doch nicht der erste Mensch , dessen Schicksal eine plötzliche Umwälzung erfuhr ; war er doch nicht hülflos , wenn er diese Güter nicht mehr bewirthschaftete ! Die Steinerts hatten ein hübsches Vermögen zusammengebracht im ehrlichen Dienste der Herren von Arten , und es stand ja in der Bibel , daß denen , die der Herr liebt , Alles zum Guten gereichen müsse . Wer weiß , wozu es gut war , daß es hier mit Einem Male mit ihnen zu Ende ging ! Stand es doch nicht in den Sternen geschrieben , daß die Steinerts immer nur Amtleute der Freiherren von Arten bleiben sollten ! Sie konnten Gutsbesitzer werden , sich auf eigene Füße stellen , besser als hundert Andere , denn sie hatten die Kenntnisse und das Capital dazu . Es half aber nichts , daß Adam sich dies Alles vorhielt und daß dies Alles seine volle Richtigkeit hatte . Der Mensch reißt sich nicht mit Einem Schlage von seiner Vergangenheit los , und wo er ' s thun muß , blutet die Wunde noch lange nach . Wie er so einsam in seinem Wagen dahinfuhr und mit dem vertrauten Auge über die Gegend hinsah , fand er sich mit Allem durch seine Sorgfalt dafür verknüpft . Er kannte jeden Baum , jeden Strauch . Für jeden Acker hatte er gesorgt , jeden Weg bessern , jeden Zaun erhalten , die meisten Hecken in den letzten Jahren pflanzen lassen . Die Pferde , welche der Knecht zum Eggen hinausritt , hatte Adam auf dem letzten Markte gekauft ; der Knecht war auf dem Hofe in Rothenfeld geboren und erwachsen . Zu der Schafheerde , welche der Hirt , nun der Mittag vorüber war , noch einmal auf die Stoppeln hinausführte , hatte Adam ' s Großvater den Stamm gekauft , und Adam selber war vor sechs Jahren in des Herrn Auftrag in Sachsen gewesen , von dort her eine edlere Race einzuführen . In wessen Hände das nun kommen wird ? dachte Adam . Es wird ' s nicht leicht einer so gut halten , wie wir gethan ! Es wird Manches drunter und drüber gehen , wenn einer darüber geräth , der ' s nicht zu übersehen und zusammenzuhalten weiß ! Und gar , - wenn ein Unredlicher darüber käme ! Er schüttelte nachdenklich den Kopf . Wie war es denn gekommen , das arge Zerwürfniß ? Was war denn eigentlich geschehen ? Und war es denn nicht zu vermeiden gewesen ? Er konnte es noch nicht begreifen . - Mit großem Bedachte ging er den ganzen Lauf der Unterredung durch . Wort für Wort wiederholte er sich Alles . Er brachte die Anwesenheit des Marquis , die Gemüthsart des Barons , sein gebieterisches Wesen und selbst die Art von väterlicher Herrschaft in Anschlag , die der Herr über ihn geübt , weil er ihn von Kindesbeinen aufwachsen sehen . Er erwog Alles , bis auf den Ton , bis auf die Mienen , mit welchen er zu dem Herrn gesprochen , aber er konnte sich keinen Vorwurf machen . Sein Mannesgefühl und sein gutes Recht durfte er nicht antasten lassen , der bloßen , launenhaften Willkür brauchte er sich nicht zu unterwerfen . Er konnte mit seiner einzigen Schwester Zufriedenheit und Glück nicht also spielen lassen , denn es war klar , aus welchem Grunde immer , der Freiherr hatte ihn absichtlich demüthigen und kränken wollen , und glücklicher Weise befand er sich nicht in der Lage , dies hinnehmen und ertragen zu müssen . Es war also gut , ganz gut so , wie es gekommen war . An dieser Meinung richtete er sich fest empor , und schon glaubte er vollständig Meister über den erlittenen Eindruck geworden zu sein , als sein Wagen in das Thor des Amthofes einfuhr . Wie es so da lag , breit und stattlich unter den mächtigen Bäumen , das gute , alte Haus , so hatte sein Urgroßvater es erbaut . Die Bäume aber waren weit älter . Ueber diese Treppe war sein Vater als Bräutigam mit seiner Mutter eingezogen , über diese Treppe hatten sie Vater und Mutter zur letzten Rast getragen . Hier hatte er gespielt ; hier an der Treppe hatte er gewartet , als sie mit der Eva zur Taufe nach der Kirche gefahren waren . Alle seine Erinnerungen knüpften sich an diesen Fleck Erde , an dieses alte Haus ; alle seine Hoffnungen hatte er im Geiste damit in Verbindung gesetzt , und es that ihm im Herzen weh , als eben , da er vor seiner Thüre anlangte , der Gärtner ein überschüssiges Gesträuch entwurzelte und über den Zaun hinauswarf . Entwurzelt ! murmelte er unwillkürlich , und es lief ihm kalt durch die starken Glieder . Aber der Mensch ist kein Gewächs ! sagte er sich zum Troste , denn eines Trostes fühlte er sich bedürftig . Nun ? rief ihm Eva entgegen , sobald er den Fuß auf den Boden gesetzt . Geduld , versetzte er , laß mich nur erst in die Stube hinein ! - Sie sah , daß etwas ganz Unerwartetes geschehen sein mußte , ließ ihn vorangehen und folgte ihm . Der Amtmann hing den Hut an den Nagel , legte die Handschuhe zur Seite und wandte sich nach seiner Stube , um seine Kleider zu wechseln . Es drängte ihn nicht , das Schwere auszusprechen , er scheute sich vielmehr davor . Aber die Schwester ertrug es nicht länger . Sie trat behutsam an ihn heran , legte den Arm auf seine Schulter und sagte