wird Ezechiel nicht allein schweigen , dann wird er Euch weiter helfen - Euch und Amadeus , wird Euch dienen und der Frau Scheurl . Schafft Ihr mir aber den Ring bis dahin nicht wieder , so wird das Verderben kommen über Euch und Alle , die ich da habe genannt , so wahr ich selbst Ezechiel heiße . Das überlegt Euch , und die Wohnung des armen Juden wißt Ihr ja nun zu finden ! « Damit ging er , ohne von Ulrich noch eines Wortes gewürdigt zu werden . - So war Ulrich in der That durch den Juden von einem Netz umsponnen , daß er gar nicht einmal sehen konnte , aus welchen Fäden es gewoben , noch wen es mit ihm umgab . Und wie es ihm jetzt schien , war kein höheres Motiv dabei im Spiele , es war die gemeinste jüdische Geldprellerei , der er zum Opfer fallen sollte ! - Die Zeit , die ihm der Jude schenken wollte , schien ihm überflüssig als Bedenkzeit ; aber er wollte sie nützen im Dienst der ewigen Kunst , der er sich geweiht - und vielleicht konnte er sie auch so nützen , Alles so zu leiten , daß er allein als Opfer fiel und alle Gefahr und Schuld auf sich allein nahm , die jetzt drohend über den Häuptern aller andern Wesen schwebte , die ihm im Leben theuer geworden , ja die sich überhaupt ihm nur genaht . Wenig Tage darauf vernahm er mit Schrecken , daß der Propst Kreß erkrankt , vernahm er auch , was man in der Stadt über denselben redete ; aber da er selbst zu ihm ging , um zu warnen oder zu berathen , so gut es gehen wollte , ohne durch ganz vollständige Mittheilungen die Angst des Propstes zu erhöhen , erfuhr er von diesem , daß der Abt des Benediktinerklosters als sein Freund und Gönner selbst bei ihm gewesen , um mit ihm im Vertrauen zu verhandeln : wie man das Bekanntwerden eines unangenehmen Vorfalls unterdrücken , dem Kloster und der ganzen Geistlichkeit eine Untersuchung und einen öffentlichen Eclat ersparen könne . Ein Knecht , der früher schon im Kloster und später in der Stadt Dienste gethan , habe dem Abt berichtet , daß er den Bruder Amadeus in fast ritterlicher Kleidung durch die Straßen Nürnbergs habe schleichen sehen , und daß ihn der Propst mit einem Baubruder bei nächtlicher Weile mit in das Haus genommen und bei sich verborgen . Auf diese Anzeige hin hatte der Abt in der Stille die Zelle öffnen lassen , welche vollends zugemauert worden war , als der Gefangene darin kein Lebenszeichen mehr von sich gegeben hatte ; da man bei dieser Oeffnung nach einigen Wochen keinen Leichnam darin gefunden , so war es freilich klar , daß Amadeus geflohen war und daß er dies nicht ohne Helfershelfer hatte bewerkstelligen können . Indeß schien es dem Abt rathsam , darüber kein großes Geschrei zu erheben , sondern lieber zu thun , als ob nichts geschehen sei , so lange nicht durch Amadeus selbst die Sache ruchbar würde ; denn eben damals waren in Kirchen und Klöstern mancherlei Mißbräuche eingerissen und das Ansehen Beider im Volke gesunken . Nicht etwa nur in den Klöstern , sondern im ganzen Volke , war eine beispiellose Verschlechterung der Sitten eingerissen und eine entsetzliche Verwilderung unter die Menschen gekommen ; so wenig wie den Laien , so wenig galt selbst vielen Geistlichen der gute Schein , oder man suchte , wenn nicht ihn , doch das Ansehen durch Ketzergerichte und andere Zeichen eines geistlichen Schreckensregimentes zu erhalten . Die aber zu den Besseren und Edleren der höhern Geistlichkeit gehörten , wie der Propst Kreß und der Abt des Klosters , die suchten wenigstens die eingerissenen Uebelstände und Ungehörigkeiten , die sie nicht ausrotten konnten und noch weniger an den Tag bringen , ohne in den Augen der Menge ihrem eigenen Stande zu schaden , zu vertuschen , so gut es gehen wolle . Danach handelte auch jetzt der Abt in der Hoffnung , daß Kreß , wenn er Amadeus bei sich habe , oder seinen Aufenthalt wisse , sich mit diesem selbst leicht verständigen könne , daß er weit fort fliehen und sich verborgen halten möge , ohne je Jemanden zu vertrauen , woher er komme und daß er ein zum Tode verurtheilter und entlaufener Mönch sei . Lieber werde ihm der Abt selbst die Mittel zu weiterer Flucht verschaffen , als ihn der Verfolgung aussetzen , die ihn vor ein geistliches Gericht bringen werde , das ihn zum Tode verurtheilen müßte - ein Urtheil , das nun nicht wie das erstgefällte in der Stille des Klosters vollzogen werden konnte , sondern das der Welt offenbar werden mußte , weil andere weltliche Personen und Gerichte mit darein verwickelt sein würden . Dieser vertrauensvollen Mittheilung setzte der Propst die andere entgegen , daß allerdings Amadeus , aber erst einige Wochen nach seiner Flucht aus dem Kloster eine Nacht bei ihm gewesen , daß er sich nicht habe entschließen können , dem bei ihm eine Freistatt Suchenden , dieselbe zum Gefängniß werden zu lassen , noch sie ihm auf länger als einen Tag zu gewähren , und daß er Amadeus zum Reichsheer gesandt , in der Schlacht den Tod zu suchen , den er verdient habe und dem er doch im Kloster entronnen sei . Er erklärte nicht zu wissen und nicht wissen zu wollen , wie und wann und durch wen Amadeus befreit worden , und forderte zum Lohn für sein unumwundenes Geständniß von dem Abt , nicht nur die vorher versprochene Zusicherung , daß ihm dann selbst kein Schaden daraus erwachsen solle , sondern auch daß der Abt die ganze Sache unterdrücken und weder unter den Mönchen , noch den Baubrüdern , noch den Befreiern forschen möge . » Sa lange das in meiner Macht ist und ich nicht von Außen dazu gedrängt werde , « versprach der Abt . » Ist es für