hatte , überhaupt sind da keine Verkleidungen und Vertäflungen vorhanden gewesen , wohin Roland seit Jahren seine Wanderungen angestellt hatte , sie müßten denn sehr verborgen sein , wornach man ein Auffinden so dem Zufalle anheim geben müsse , wie das durch Zufall entdeckt worden sei , was ich meinem Vater gebracht hätte . In Hinsicht der Vertäflungen aber , um welche es sich hier handle , sei beinahe Gewißheit vorhanden , daß sie zerstört worden seien . Die Ausmaße , welche ihm über die in den Händen meines Vaters befindlichen Werke zugesendet worden seien , passen genau auf ein Gemach im Steinhause des Lautertales , woher gleich anfangs der Ursprung der Dinge vermutet worden sei , und welches Gemach jetzt öde steht . Es habe zwei Pfeiler , an denen die noch vorhandenen Verkleidungen gewesen sein müssen . Die Zwischenarbeiten sind eben so zerstört worden wie vieles , was sich in jenem steinernen Schlößchen befunden habe ; denn sonst müßten sie sich entweder in dem Gebäude oder in der Gegend vorfinden , was beides nicht der Fall ist , oder sie müßten sehr im Verborgenen sein , da doch sonst die Nachforschungen , welche nun schon durch zwei Jahre angestellt und bekannt geworden seien , die Leute veranlaßt haben dürften , die Sachen zum Verkaufe um einen guten Kaufschilling zu bringen . Man müsse also seine Gedanken dahin richten , daß nichts zu finden sei , und wenn doch noch etwas gefunden würde , so müsse man es als eine unverhoffte Gunst ansehen . Mein Gastfreund und ich sagten , daß wir ungefähr auf dieses Ergebnis gefaßt gewesen seien . Als der Herbst ziemlich vorgeschritten war , begab ich mich auf die Rückreise in meine Heimat . Es war ein sehr heiterer Sonntagsmorgen , den ich zu meiner Ankunft auserwählt hatte , weil ich wußte , daß an diesem Tage der Vater zu Hause sein würde , und ich daher den Nachmittag in dem vollen Kreise der Meinigen zubringen konnte . Ich war nicht wie gewöhnlich auf einem Schiffe gekommen , sondern ich hatte meine Wanderung längs des ganzen Gebirges gegen Sonnenaufgang unternommen , und war dann mitternachtwärts mit einem Wagen in unsere Stadt gefahren . Den Vater traf ich sehr heiter an , er schien gleichsam um mehrere Jahre jünger geworden zu sein . Die Augen glänzten in seinem Angesichte , als wäre ihm eine sehr große Freude widerfahren . Auch die anderen sahen sehr vergnügt und fröhlich aus . Nach dem Mittagessen führte er mich in das gläserne Häuschen und zeigte mir , daß sich die Verkleidungen bereits auf den Pfeilern befänden . Es war ein bewunderungswürdiger Anblick , ich hätte nie gedacht , daß sich die Schnitzerei so gut darstellen würde . Sie war vollkommen gereinigt und schwach mit Firnis überzogen worden . » Siehst du , « sagte der Vater , » wie sich alles schön gestaltet hat . Die Holzverkleidung fügt sich , als wäre sie für diese Pfeiler gemacht worden . Es ist fast auch so der Fall ; wenn nicht die Holzverkleidung für die Pfeiler gemacht worden ist , so sind doch die Pfeiler für die Holzverkleidung gemacht worden . Was aber von weit größerer Bedeutung ist , besteht darin , daß das Holzkunstwerk in das ganze Häuschen so paßt , als wäre sie ursprünglich für dasselbe bestimmt gewesen - und dies freut mich am meisten . Ich kann mich daher auch nicht so betrüben wie du , daß die anderen Teile der Verkleidungen nicht aufzufinden gewesen sind . Ich müßte ja das ganze Häuschen wieder umbauen , wenn die Ergänzungen zum Vorscheine gekommen wären ; denn schwerlich würden sie hieher passen , und zu verstümmeln oder zu vergrößern würden sie ihrer Natur nach nicht sein . Wir wollen daher das Vorhandene genießen , und kömmt durch ein Wunder die Ergänzung zum Vorscheine , so wird sich schon zeigen , was zu tun sei . Du siehst , wir haben uns viele Mühe gegeben , die Lücken auszufüllen und alles in einen natürlichen Zusammenhang zu bringen . « So war es auch . Über den Verkleidungen befanden sich an den Pfeilern Spiegel eingesetzt , deren Rahmen die Verzierungen der Verkleidung fortsetzten und zu den Verzierungen der Fensterstäbe und Fensterkreuze hinüber leiteten . Unter den Fenstern waren Simse und Vertäflungen so angebracht , daß sie eine ruhigere Fläche zwischen den Schnitzwerken abgaben . Ich sprach gegen meinen Vater meine Bewunderung aus , daß man der Sache eine solche Gestalt zu geben gewußt habe . » Es ist uns aber auch ein sehr tüchtiger Lehrmeister beigestanden , « erwiderte er , » und wir waren in der Lage , nach seinem Rate noch manches in unserem begonnenen Werke abzuändern ; denn sonst wäre es nicht so geworden , wie es geworden ist . Setze dich zu uns , daß ich es dir erzähle . « Er saß mit der Mutter auf einer Bank , die aus feinen Rohrstäben geflochten war , die Schwester und ich nahmen ihnen gegenüber auf Sesseln Platz . » Dein Gastfreund « , fing er an , » hat uns ausgefunden , und hat , als du zwei Wochen fort warest , seine Bauzeichnungen und die Zeichnungen vieler anderer Gegenstände hieher gesendet , daß ich sie ansehe . Er hat mir auch den Antrag gemacht , daß ich manche , die mir besonders gefielen , zu meinem Gebrauche nachzeichnen lassen dürfe , nur möchte ich ihm die Blätter vorher alle senden und die bezeichnen , deren Nachbildung ich wünschte , er würde sie mir dann gelegentlich zu diesem Gebrauche zustellen . Ich lehnte diese Erlaubnis ab , nur einzelnes von Verzierungen oder Stäben ließ ich flüchtig heraus zeichnen , in so ferne ich erkannte , daß es mir bei meinen nächsten Anordnungen würde dienlich sein . Den größten Nutzen aber schöpften wir - mein Arbeiter und ich - aus der Anschauung des Ganzen überhaupt . Wir lernten hier neue Dinge kennen , wir sahen , daß es Schöneres gibt ,