, mehr und mehr errötend . Die Schlinge kam nun an den Tag , welche ich ihr so harmlos gelegt , der Philosoph rüstete sich sichtbar zu endlosem Unfuge , als Anna plötzlich das Buch zuschlug , es hinwarf und höchst entschieden erklärte , sie wolle sogleich nach Hause . Zugleich wandte sie ihr Pferd und begann feldein zu reiten auf einem schmalen Fahrwege , ungefähr in der Richtung nach unserm Dorfe . Verlegen und unentschlossen sah ich ihr eine Weile nach ; doch faßte ich mir ein Herz und trabte bald hinter ihr her , da sie doch einen Begleiter haben mußte ; während ich sie erreichte , sang uns der Philosoph ein loses Lied nach , welches jedoch immer schwächer hinter uns verklang , und zuletzt hörten wir nichts mehr als die muntere , aber ferne Hochzeitsmusik aus der hohlen Gasse und vereinzelte Freudenrufe und Jauchzer an verschiedenen Punkten der Landschaft . Diese erschien aber durch die Unterbrechungen nur um so stiller und lag mit Feldern und Wäldern friedevoll und doch so freudenvoll im Glanze der Nachmittagssonne , wie im reinsten Golde . Wir ritten nun auf einer gestreckten Höhe , ich hielt mein Pferd immer noch um eine Kopflänge hinter dem ihrigen zurück und wagte nicht ein Wort zu sagen . Da gab Anna dem Schimmel einen kecken Schlag mit der Gerte und setzte ihn in Galopp , ich tat das gleiche ; ein lauer Wind wehte uns entgegen , und als ich auf einmal sah , daß sie , ganz gerötet die balsamische Luft einatmend , und während ihr Haar wie ein leuchtender Streif waagrecht schwebte , langhin flatternd daß sie so ganz vergnügt vor sich hin lächelte , den Kopf hoch aufgehalten mit dem funkelnden Krönchen , da schloß ich mich dicht an ihre Seite , und so jagten wir wohl fünf Minuten lang über die einsame Höhe dahin . Aber diese fünf Minuten , kurz wie ein Augenblick , schienen doch eine Ewigkeit von Glück zu sein , es war ein Stück Dasein , an welchem die Zeit ihr Maß verlor , welches einer Blume vollkommen glich , einer Blume , von der man keine Frucht zu verlangen braucht , weil die bloße Erinnerung ihrer Blütezeit ein volles Genügen und ein Schatzbrief ist für alle Zukunft . Der Weg war noch halb feucht und doch fest , rechts unter uns zog der Fluß , wir sahen seine glänzende Länge hinauf , jenseits erhob sich das steile Ufer mit dunklem Walde , und darüber hin sahen wir über viele Höhenzüge weg im Nordosten ein paar schwäbische Berge , einsame Pyramiden , in unendlicher Stille und Ferne . Im Südwesten lagen die Alpen weit herum , noch tief herunter mit Schnee bedeckt , und über ihnen lagerte ein wunderschönes mächtiges Wolkengebirge im gleichen Glanze , Licht und Schatten ganz von gleicher Farbe wie die Berge , ein Meer von leuchtendem Weiß und tiefem Blau , aber in tausend Formen gegossen , von denen eine die andere übertürmte , Gletscherhäupter und Wolken durcheinandergeworfen . Das Ganze war eine senkrecht aufgerichtete glänzende und wunderbare Wildnis , gewaltig und nah an das Gemüt rückend und doch so lautlos , unbeweglich und fern . Wir sahen alles zugleich , ohne daß wir besonders hinblickten ; wie ein unendlicher Kranz schien sich die weite Welt um uns zu drehen , bis sie sich verengte , als wir allmählich bergab jagten , dem Flusse zu . Aber es war uns nur , als ob wir im Traume in einen geträumten Traum träten , als wir auf einer Fähre über den Fluß fuhren , die durchsichtig grünen Wellen sich rauschend am Schiff brachen und unter uns wegzogen , während wir doch auf Pferden saßen und uns in einem schönen Halbbogen über die Strömung weg bewegten . Und wieder glaubten wir uns in einen andern Traum versetzt , als wir , am andern Ufer angekommen , langsam einen dunklen Hohlweg emporklommen , in welchem schmelzender Schnee lag . Hier war es kalt , feucht und schauerlich ; von den dunklen Büschen tropfte es und fielen zahlreiche Schneeklumpen , wir befanden uns ganz in einer kräftig braunen Dunkelheit , in deren Schatten der alte Schnee traurig schimmerte , nur hoch über uns glänzte der goldene Himmel . Auch hatten wir den Weg nun verloren und wußten nicht recht , wo wir waren , als es mit einem Male grün und trocken um uns wurde . Wir kamen auf die Höhe und befanden uns in einem hohen Tannenwald , dessen Stämme drei bis vier Schritte auseinander standen , dessen Boden dicht mit trockenem Moose bezogen war und dessen Äste hoch oben ein dunkelgrünes Dach bildeten , so daß wir vom Himmel fast nichts mehr sehen konnten . Ein warmer Hauch empfing uns hier , goldene Lichter streiften hier und da über das Moos und an den Stämmen , der Tritt der Pferde war unhörbar , wir ritten gemächlich zwischendurch , um die Tannen herum , bald trennten wir uns , und bald drängten wir uns nahe zusammen zwischen zwei Säulen durch , wie durch eine Himmelspforte . Eine solche Pforte fanden wir aber gesperrt durch den quergezogenen Faden einer frühen Spinne ; derselbe blitzte in einem Streiflichte in allen Farben , blau , grün und rot , wie ein Diamantstrahl . Wir bückten uns einmütig darunter weg , und in diesem Augenblicke kamen sich unsere Gesichter so nah , daß wir uns unwillkürlich küßten . Wir hatten schon im Hohlweg zu sprechen angefangen und plauderten nun eine Weile ganz glückselig , bis wir uns darauf besannen , daß wir uns geküßt , und sahen , daß wir rot wurden , wenn wir uns anblickten . Da wurden wir wieder still . Der Wald senkte sich nun auf die andere Seite hin und stand wieder im tiefen Schatten . In der Tiefe sahen wir ein Wasser glänzen und die gegenüberstehende Berghalde , ganz nah , leuchtete mit Felsen und Fichten im hellen Sonnenscheine durch die dunklen Stämme