freute sich nicht bloß der zehn Taler wegen , sondern als er im Heimwege das Vergangene überschlug , fiel es ihm ein , der Mann habe ihm deswegen zehn Taler mehr zugeschlagen , weil er ehrlich sein und punktum bei der Wahrheit habe bleiben wollen ; den Mann aber habe ihm recht eigentlich Gott gesandt , um ihm Freude über seine Umkehr zu bezeugen und zum Zeichen , daß Ehrlichkeit immerhin die größte Klugheit sei . Uli war weit entfernt zu glauben , nun müsse und werde Gott ihm allemal , wenn Ehrlichkeit die Versuchung überwinde , ein besonderes Zeichen tun und den Lohn ihm immer gleich bar auszahlen . Aber es freute ihn diesmal , das so aufzufassen , er glaubte , er habe das Recht , was ihm begegne , aufzufassen , wie es ihm am wohlsten tue , sein Gemüt am meisten stärke , also je frömmer , desto besser . Er wußte wohl , daß gar Viele höhnisch ihn auslachen würden , wenn er ihnen die Sache erzählte , als hätte Gott sich ihm da eigens geoffenbart und ihn gestärket , aber er glaubte , wie sie das Recht zum Lachen hätten , hätte er das Recht , Gottes Segen zu erkennen in allen Dingen und daran sich zu erbauen . Und wie sie das Recht hätten , um seines frommen Sinns ihn auszulachen , habe er das Recht , von ganzem Herzen sie zu bedauern , daß alles ihnen bloßer Zufall sei , daß sie des trostlosen Glaubens seien , sie seien nichts als Rohre im Sumpfe , aufs Ungefähr von jeglichem Winde hin- und hergetrieben . Als er heimkam so früh , wäre Vreneli fast ob ihm erschrocken , denn wenn es mit rechten Dingen zugegangen , konnte er noch nicht schon da sein , meinte es . Als es nun den Verlauf hörte , hatte es große Freude , denn es nahm die Sache gerade wie Uli , zu großer Erbauung und zur Stärkung im Vertrauen , daß am Ende alles zum Besten sich wenden werde . Diese Stärkung hatten sie aber auch sehr nötig . Dreiundzwanzigstes Kapitel Joggeli erlebt auch was und was Altes : daß was einer säet , er auch ernten muß Joggeli ließ eines Abends Vreneli hinüberrufen . Es müsse ihm da etwas lesen , sagte er ; er möge Brille nehmen , welche er wolle , so könne er nichts daraus machen , er verstehe sich gar nicht auf die neue Gschrift , welche aufkäme , man sehe es allem an , wie der Glaube abnehme und bald keiner mehr sei . Vreneli verstand sich , wie es schien , besser darauf , denn es ward blaß , las einmal , las zweimal , sagte endlich : » Das ist kaum , das kann nicht sein . « » Was nicht , « sagte Joggeli ungeduldig , » was nicht ? Sage es doch und stürme nicht . « » Vetter , da steht , Ihr hättet Elisis Mann eine Gschrift gegeben , gut für fünfzehntausend Taler , die habe er eingesetzt oder versilbert und jetzt wolle man das Geld . « Joggeli begehrte mit Vreneli gräßlich auf , es könne nicht Geschriebenes lesen und wolle ihn zum Besten halten . Man ließ Uli kommen . Mit großer Not und vielem Buchstabieren brachte derselbe ungefähr das Gleiche heraus . Das sei ein abgeredet Spiel , sagte Joggeli , um solche Sachen ihm abzulesen , hätten sie nicht gebraucht zu kommen . Wie sie das hätten abreden wollen ? fragte Vreneli ; sie seien ja Einer nach dem Andern gekommen , Uli hätte nicht gehört , was es gelesen . Wenn sie einen Narren haben wollten , so sollten sie sich einen eisernen machen lassen ; das begreife ja jedes Kind , daß sie gewußt , was im Briefe sei , sie hätten ihn sonst nicht so punktum gleich ablesen können , wenn sie ihn nicht auswendig gewußt hätten , belferte Joggeli . » Komm , Uli , « sagte Vreneli , » der Vetter ist aber so wunderlich , da ist nichts mit ihm zu machen . Morgen hat er vielleicht sich anders besonnen , daß wieder mit ihm zu reden ist . « Sie gingen und kümmerten sich , was da für ein neuer Schelmenstreich abgekartet worden , rieten , was sie machen sollten , und wurden endlich einig , nichts zu sagen , bis Joggeli wieder anfange oder die Sache sich von selbst mache . Joggeli sagte nichts mehr , sie also auch nichts . Einige Tage darauf kam Elisi daher und zwar zu Fuß in einem schrecklichen Aufzuge , heulend und schreiend . Es suchte den Mann , der war verloren gegangen . Er hatte eine kleine Reise vorgegeben , nun war er seit vierzehn Tagen fort , niemand wußte wohin . Das Gerede schwoll an , er hätte sich mit dem Schelmen davongemacht . Dort , wohin er vorgeblich gereist , sei er nie gewesen , an einem andern Orte hätte er viel Geld auf Joggeli hin genommen und sei damit voraus , wahrscheinlich den Weg aller Spitzbuben , das heißt nach Amerika . So heulte Elisi in Absätzen und wollte seinen Mann haben , oder weil er nicht da sei , solle man ihm ihn herschaffen . Nun , der Mann war nicht da , aber ein bös Licht ging Uli und seiner Frau auf , doch enthielten sie sich , ihre Gedanken zu äußern . Sie dachten , jetzt sollte es doch dem Joggeli einfallen , was der Brief zu bedeuten hätte , es sei denn , er hätte ihn vergessen . Aber Joggeli hatte ihn nicht vergessen und sagte doch nichts . Er schweige dazu , dachte er . Wenn er nichts sage , so werden sie auch schweigen , und er wollte ein Narr sein , da Bescheid zu geben , wo er nichts schuldig sei . Wollten sie im Ernst etwas , so könnten sie ihn aufsuchen wie üblich