langsamen Ruderschläge des wackern Irländers , und dann verschollen auch diese endlich in weiter , weiter Ferne . O ' Toole ging keck und unverzagt , ein ächter Sohn der » grünen Insel « , seinem Abenteuer entgegen , und mehr noch war es fast ein glücklicher Leichtsinn , ein sorgloses Ueberlassen der Zukunft , als reiner thierischer Muth , der ihn zu allerdings ungeahnten Gefahren trieb . Niemand in Arkansas hatte es aber auch für möglich gehalten , daß sich inmitten civilisirter Staaten , auf dem breiten , jedem Boot offenen Wege des ganzen westlichen Handels , eine so wohlorganisirte und so fürchterliche Bande festsetzen und behaupten konnte , als es hier wirklich der Fall gewesen . Nicht einmal Waffen hatte er mitgenommen , ein einfaches kurzes Jagdmesser ausgenommen , das er unter der Weste , mit einem Bindfaden befestigt , am Knopf seines Hosenträgers , und eigentlich mehr zum wirklichen Haus- und Feldgebrauch , denn als Vertheidungswaffe bei sich führte . Der Abend konnte nicht mehr fern sein . So angenehm unserem Kundschafter aber auch sonst wohl dieser Umstand gewesen , da er ihn immer noch mehr vor Entdeckung schützte , so zweifelhaft wurde es ihm nun selber , ob er in solch ' undurchdringlichem Nebel jene Insel auch wirklich finden würde . Weit entfernt war er auf keinen Fall mehr davon . Die Distance von der Weideninsel bis Einundsechzig wurde auf dem Wasser nur für acht Meilen gehalten , und die Strömung allein mußte ihn bei dem gegenwärtigen Wasserstand fünf Meilen die Stunde führen ; ruderte er also nur ein wenig zu , so konnte er recht gut die ganze Strecke in eben der Zeit zurücklegen . So lange er dicht am Ufer blieb , ging das auch an , er sah das Flußufer neben sich und behielt dadurch die genaue Richtung bei , jetzt aber , und nicht weit unter der Weideninsel , machte der Mississippi nach Arkansas hinein einen starken Bogen und zwang ihn dadurch , wenn er sich nicht ganz aus dem Wege fahren wollte , das Ufer zu verlassen . Nun war O ' Toole allerdings noch nie in einem recht ordentlichen Mississippinebel auf diesem Strome gewesen , sonst hätte er das auch wohl schwerlich ohne Compaß gewagt . Er arbeitete im Gegentheil noch immer mit dem Glauben , die Strömung müsse ihm ja auf jeden Fall die Bahn zeigen , wohin der Fluß gehe , wobei das zahlreich treibende Holz einen vorzüglichen Wegweiser abgeben werde . Außerdem war die Insel Einundsechzig ziemlich lang und breit , und er durfte , wenn er sich nur in der Mitte des Stromes halten konnte , allerdings hoffen , sie zu erreichen . Eins jedoch hatte er in dieser sonst vielleicht sehr vorzüglichen Berechnung vergessen , daß nämlich die Bestimmung einer Strömung ganz unmöglich wird , wo jeder feststehende Haltpunkt für das Auge fehlt . Ebenso wie man auf der See auch nur dadurch die Richtung der Meeresströmungen bestimmt , daß man das Fahrzeug auf kurze Zeit entweder durch einen wirklichen oder bloßen Nothanker soviel als möglich auf einer Stelle festhält und die Bewegung irgend eines in die Fluth geworfenen schwimmenden Gegenstandes beobachtet , ebenso ist es auf einem so ungeheuren Strom wie der Mississippi unmöglich , irgend eine Richtung anzugeben , wenn man sich in starkem Nebel auf seiner ruhigen Fläche befindet . O ' Toole ruderte nun zwar , als er das Ufer nicht mehr erkennen konnte , noch eine ganze Weile ruhig und zwar nach der Gegend fort , die er für die rechte hielt , gar bald aber machten ihn einzelne Stücke schwimmenden Holzes irre , und er hielt einen Augenblick , um zu sehen , welchen Weg diese trieben . Ja - die lagen , als er selbst mit Rudern aufhörte und also ebenfalls seinen Kahn der Fluth überließ , gerade so ruhig da , wie er selbst , und das Ganze sah aus wie ein von dichtem Dampf umschlossener See , der weder Ab- noch Zufluß habe und vollkommen still stehe . Er beobachtete nun eine Zeit lang einzelne treibende Stämme , um zu sehen , auf welche Seite die Fluth gegen sie drücke , das war aber nicht möglich - sie schwammen eben ungedrängt im Wasser und zeigten , da sie der Fluth auch nicht den geringsten Widerstand leisteten , sondern sich ruhig mit fortnehmen ließen , auch nicht den mindesten Einfluß derselben . Er fing jetzt wieder an zu rudern , aber auch das blieb sich gleich - es war eben , als ob er auf einem Teiche oder stillen See herumfahre , und wo Ost , Nord , Süd oder West sein könnte , wurde ihm jetzt zu einem vollständigen Räthsel . Der Fluß lag in spiegelglatter Ruhe um ihn her , und nur die Nebel schwebten in dichten , fest in einander gedrängten und wie es schien vollständig mit einander verbundenen Wölkchen darüber hin und wichen und wankten nicht . Was hätte er jetzt für einen einzigen , noch so fernen Blick des Ufers gegeben , um nur eine Idee zu bekommen , wo er sich eigentlich befinde . Der Wunsch schien aber nicht in Erfüllung zu gehen , ja die Dämmerung fing sogar an deutlich merkbar zu werden , und er verzweifelte nun fast daran , nicht allein die Insel , sondern sogar in vielen Meilen Entfernung ein Ufer zu erreichen . Nun giebt es allerdings ein Mittel , selbst in solchem Verhältniß und ohne Compaß eine gerade Richtung beizubehalten ; ist man nämlich gänzlich in Zweifel , woher die Strömung kommt oder wohin sie geht , so braucht man nur so lange im Kreise herumzurudern , bis man die Fluth vorn unter dem Bug rauschen hört . Dann kann man überzeugt sein , daß man gegen die Strömung anhält , und ist nun im Stande , die zu nehmende Richtung zu bestimmen . Allerdings würden aber selbst dann nur wenige Ruderschläge den Rudernden wieder auf den alten Fleck bringen , denn weil die seitwärts