mit ihnen zu scherzen . Zuweilen benutzte er solche Bekanntschaften wohl auch zu Anknüpfung eines nur Tage oder Wochen bestehenden zärtlichen Verhältnisses . Heut wollte ihm dies nicht gelingen , eine so brennende Sehnsucht , ein so verzehrendes Verlangen er auch nach solcher Zerstreuung hatte . Eine unsichtbare , geheimnißvolle Gewalt hielt ihn von all ' den schönen lockenden , jubelnden Kindern der Freude zurück , in deren Blicken er den Wunsch lesen konnte , mit ihm bekannt zu werden . Aergerlich über diese unwillkommene Stimmung , die ihn wider Willen kalt , spröde , theilnahmlos machte , wollte er sein Blut erhitzen , um neue Lust zu fröhlichem Leben in sich zu erwecken . Rasch trat er an eine hohe in perlfarbenen Seidenstoff gehüllte Mädchengestalt und forderte sie zum Tanz auf . Höflich reichte sie ihm die Hand und reihte sich mit ihm den tanzenden Paaren an . Sie tanzte leicht und mit Grazie . Ein tadelloser Wuchs , ein wunderschön geformter Arm und Nacken beschäftigten während des Tanzes den Kapitän . Das Auge des Mädchens hatte er noch nicht gesehen , denn sie schlug es hartnäckig zu Boden . Auch seine Fragen beantwortete sie ohne ihn anzublicken . Das fiel Aurel auf , sein Interesse war erregt , er mußte das schöne , wortkarge Mädchen näher kennen lernen . Auf seine Frage , ob sie den Tanz beendigen wollten , beugte sie bejahend den Kopf . Aurel führte sie in einen weniger von Menschen umschwärmten Theil des Saales und setzte sich neben sie . » Warum so still unter lauter fröhlichen vergnügten Menschen ? « fragte der Kapitän , die Hand des Mädchens sanft drückend . » So bin ich immer , « versetzte dieses , kaum bemerkbar die langen Wimpern bewegend . » Aus Grundsatz , schönes Geheimniß ? « » Aus Grundsatz ! « » Sollte dies Ihrem Fortkommen nicht hinderlich sein ? « Jetzt schlug das Mädchen ihre Augen auf und die Blicke Beider begegneten sich . Aurel fühlte die Hand seiner Tänzerin leise erbeben . Ein Auge von unergründlicher Tiefe sah ihn traurig und melancholisch groß und fragend an . Sie antwortete nicht . » Ich scheine Sie beleidigt zu haben , « fuhr Aurel fort , » das war nicht meine Absicht . « » Ich weiß es und verzeihe Ihnen gern . « » Sind Sie allein hier ? « » Ganz allein . « » Ohne Lust am Tanz , ohne Freude im Herzen ? Das ist seltsam ! « » Sagen Sie lieber , es ist entsetzlich ! Dann sprechen Sie die Wahrheit . « » Weshalb besuchen Sie die Salons , wenn Ihnen vor den Freuden graut , die sie Ihnen bieten ? « » Es ist mein Fluch , mein Schicksal , nennen Sie es , wie Sie wollen ! Die Ketten , mit denen das Laster bindet , sind unzerbrechlich ! « Diese Worte sprach das Mädchen mit einem solchen innern Entsetzen , daß Aurel davor fröstelte . Er überflog mit schnellem Blick die schöne , nachlässig im Divan ruhende Gestalt , bewunderte diese edlen , reinen Formen , den prächtigen Schnitt des Gesichts mit dem stolzen Munde und der fein gebogenen Nase , und der Gedanke , die Bedauernswürdige müsse aus guter Familie stammen und vielleicht durch außerordentliche Ereignisse in ihre jetzige Lage versetzt worden sein , drängte sich ihm mit Gewalt auf . » Wäre es Ihnen vielleicht angenehmer , in eins der Nebenzimmer zu treten und ein Glas Champagner mit mir zu trinken ? « fragte Aurel die schöne Unbekannte . » Es ist unglaublich heiß hier und gar so tumultuös ! « » Wie Sie wünschen , mein Herr , doch meinetwegen bemühen Sie sich nicht . Ich trinke nie . « » Das ist Unrecht , mein Fräulein ! Sie sollten sich erheitern . « » Ich will nicht erheitert sein . « Aurel war aufgestanden und bot dem schönen Mädchen den Arm . Sie nahm ihn gleichgiltig , vornehm an und trat mit ihm in ein Nebenzimmer , wo einzelne Paare an runden Tischen saßen , flüsterten , lachten und tranken . Der Kapitän bestellte Champagner und zwei Gläser . » Denken Sie nicht , mein Herr , daß Sie mich bereden können ! « sagte das Mädchen mit großer Entschiedenheit . » Es soll mich freuen , wenn der Wein Sie belebt , was mich betrifft , so werde ich mein Wort halten . « » Sind Sie in allen Dingen so gewissenhaft ? « » In allen . « » Wenn Sie also einen Mann mit Ihrer Liebe beglückten , so würden Sie ihm umwandelbar treu bleiben ? « » Wenn ein Mann meine Liebe erwürbe und sie verdiente , gewiß ! « » Und einen solchen Mann fanden Sie noch nicht ? « » Ich werde ihn nie finden ! « versetzte seufzend die Schöne . » Vertrauen Sie Ihren Reizen so wenig , schönes Geheimniß ? So jung , so blühend , so interessant - gewiß Hunderte werden sich um Ihr Herz bewerben , und unter diesen Hunderten wird doch wohl Einer Gnade finden vor Ihren tiefsinnigen Augen ? « » Wäre dies je der Fall , so würde ich nicht das Herz haben , ihn zu betrügen . « » Betrügen ! - Sie werden immer räthselhafter . « Das Mädchen warf ihm einen flammenden Blick zu , der ihn wie ein schwerer Vorwurf traf , und zuckte dabei mitleidig die Achseln . » Sie erlauben , mein Fräulein , daß ich mich ein Wenig in den Vorhof Ihres Geheimnisses zu stehlen wage . Werden diese stolzen Lippen es verschmähen , mir Ihren Namen zu nennen ? « » Bianca , « sagte das verschlossene , ernste Mädchen kühl . » Was wollen Sie nun damit ? « » Bianca , « erwiederte Aurel , » aus gutem Herzen und in bester Absicht , weil Sie mir eine Theilnahme für Sie eingeflößt haben , die nicht