ist der Widerhall , das Gedächtnis des Seins . Ich spreche Dich aus vor Gott , so ist mein Gebet rein vor Gott , so hat es mich Dein Genius heute gelehrt oben auf der Warte , - und hab ruhig , wie Du bist , mit den Sternen überlegt ; und dann hab ich Deinen Namen eingezeichnet in den Schnee ; und dann den Namen des Königs der Juden , der kindlich zu Gott ruft : Vater ! hab ich Dir als Wächter hinzugeschrieben und dies Zeichen von Dir im kalten Schnee ; da ist Dein Geist frei von bösem Wahn , da oben in reiner kalter Luft , die Dich anweht . Und der Geist Gottes über Dir , und der menschgewordene Geist der Liebe Dich umschwebend - daß Du sein mußt - und nicht Dich aufgeben wollend auf dieser leuchtenden Bahn . - Ja , so muß es sein , denn Du bist ein Schoßkind Gottes , denn wenn ich in der kalten Nacht hinaufseh , dann seh ich Dich sanft hinaufschreiten , als sei es Dein gewohnter Weg , und gehest ein und vorwärts , aber Dein Geist verzweifelt nicht . - Leb doch wohl , jetzt bin ich wieder still - und fürchte nichts für Dich - eins will ich Dir sagen von meinen Briefen , ich lese sie nicht wieder - ich muß sie dahinflattern lassen wie Töne , die der Wind mitnimmt , ich schreib sie hin , versteh ' s , wie Du willst , sie sind ein tiefes Zeichen , wie mein Geist durch den Deinen schreitet und von ihm wieder durchdrungen wird , und sonst ist ' s nichts . - Und wenn es kein Geist ist , was ich damit mein , so ist ' s Ton - Geschrei meines Herzens nach Dir hin , es verhallt oder es dringt bis zu Dir , - da denkst Du , das ist der Bettine ihre Stimme , das ruft Dich auf , daß Du im Geist meiner wahrnehmest , wie kann ich anders mit Dir reden , was kann ich Dir zurufen ? - Was versteht sich zwischen uns , als nur allein die Modulation des Gefühls , das andre wissen wir ja alle schon . - Bettine An die Bettine Du wirst mir doch nicht übel deuten , daß ich mich ein wenig vor Dir fürchte ? - Und machst mir auch Furcht vor mir selber ! - und dann fürchte ich auch für Dich , nimm Dich um Gotteswillen in acht , daß Du nicht fällst . Deine Turmbegeistrungen erfreuen mich , aber ich will gewiß sein , daß Du keiner Gefahr ausgesetzt bist , sonst machst Du mich krank , schreib mir gleich , daß Du nicht mehr auf der Mauer herumlaufen willst , sonst kann und will ich nichts mehr von da oben hören , mir war ' s wohltätig , Deine Stimme von da oben herab , so frei und leicht wie Wolken jagen , zu vernehmen , aber wollt ich doch , der Turm fiel eines Morgens ein , lieber als daß du am End in der Nacht selbst herunterfällst . - Ich weiß nicht , bist Du das Spiel böser Dämonen ? - Oder sichern Dich die Guten , so gib ihnen wenigstens nicht so viel zu tun , die bis zu mir dringen , ich soll Dich mahnen , nicht zu freveln . Liegt darin nicht schon der Beweis , daß sie Dich nicht schützen können ? - Nehme ich Deine Weissagungen in mich auf und ergrüble das Tonspiel Deines Geistes , in das der Zufall so oft eingreift wie der Wind , der alle Töne auseinandersprengt , und sammle gern , was Du zerstreuest in die Lüfte : so folg mir doch auch - und ich bitte Dich darum , sonst kann ich nicht ruhig denken an Dich ; - aber wenn Du es nicht lassen willst , oder wie Du meinst , daß Du es nicht lassen kannst , dann schweig lieber ganz , oder wie soll ich ' s machen , daß ich die Furcht überwinde , Du möchtest elend und unwillkürlich da hinab ins Grab stürzen . Du hast eine Bangigkeit um mich , als läge mir was Trauriges im Sinn ; das solltest Du ja nicht - es war im Gegenteil ein ganz freier Augenblick , wo alle störenden oder zerstreuenden Bilder erblaßt waren , wo ich mit hellen Sinnen mein Inneres vor Dir aufschloß . - Warum ich Dich mahnte , an den Clemens zu schreiben , das will ich Dir hier offenbaren . Du sagst , Du liebst den Clemens , der Idee nach kann ich ihm auch herzlich gut sein , allein sein wirkliches Leben scheint mir so entfernt von demjenigen , das ich ihm dieser Idee nach zumute , daß es mir immer ein wahres Ärgernis ist , deswegen kann ich auch nie eine feste Ansicht über ihn haben , - aber in Deiner Liebe zu ihm fasse ich auch wieder Glauben zu ihm und habe eine Art Zutrauen zu einem inneren Kern in ihm , der nur durch allerlei Unarten verborgen und zurückgehalten ist , wie wenn ein gesunder und reiner Born sich teilweise im Schlamm und Sand versickert ; nun mein ich , Dein Schreiben an ihn räumt diese trübenden und schmälernden Hindernisse wohl hinweg , da Du so grade an sein Herz gehest , wo ich vielleicht zu ungeschickt bin , durchzufinden . Es ist nur der Wille , mich selbst besser zu ihm zu stellen , und alles , was sich immer durch seine Briefe aufs neue zwischen uns drängte , zu überwinden , warum ich wünsche , daß Du ihn nicht versäumst ; dann ist es auch mein Gewissen , was mich auffordert , daß Dich ihm nichts entfremde , denn wenn ich ihn je als treu und aufrichtig fassen kann , so ist ' s Dir gegenüber ; um so mehr muß ihm dies erhalten bleiben ,