Wo ist Leonin - ich will ihn augenblicklich selbst Euch gegenüber stellen ! « - Souvré zuckte die Achseln . - » Dies ist nicht mehr möglich ! Seine Rückkehr war vom Könige befohlen - er mußte zur bestimmten Stunde dort sein - dem peinlichen Abschiede zu entgehn . - Seht dort ! Ihr werdet an der Wahrheit nicht länger zweifeln ! « Fennimor sah ihn an , als sehe sie einen Geist - sie ließ sich selbst von ihm berühren - nach dem Fenster führen , und folgte mit den Augen , wohin er deutete . Da sah sie den Fahrweg durchs Thal Leonin ' s Reisewagen fliegen , sie erkannte seinen Postzug - seine Livreen . » Leonin ! Leonin ! « sagte sie leise gebrochen und griff in die Ranken , die um das Fenster hingen . So blieb sie stehen - die Augen unverwandt hinaus gerichtet . - Souvré - wir dürfen ihm das einzige Zeichen der Menschheit , was wir an ihm zu entdecken haben , nicht vorenthalten - schauderte , als er sah , wie sie immer blässer und blässer , zuletzt bläulich erdfarben ward , und die Augen und alle Züge sich zu versteinern schienen . Er redete sie an , er hoffte selbst auf den Widerwillen , den er ihr einflößte . Es war umsonst - sie hörte nichts mehr . Ihr Auge haftete an dem immer kleiner werdenden Reisezug - er verschwand . » Leonin ! « sagte sie dumpf , fast undeutlich - aber sie blieb unbeweglich stehn . Da ergriffen die Furien den Marquis de Souvré . Als ob er , von ihrem Anblick gerichtet , im nächsten Augenblicke des Todes sein würde , so stürzte er aus dem Zimmer . Emmy Gray saß zusammengekauert vor der Thür . » Geht hinein ! Geht - geht ! « rief er wild und stürzte über die Zimmer und Gänge fort nach den seinigen . Emmy wußte Alles . Es kostete sie keine Thräne , keinen Seufzer - finsterer Zorn machte sie jeder sanfteren Empfindung unmöglich ; selbst für den ihr über Alles theuern Gegenstand hatte sie kein mildes Wort . » So mußte es kommen ! Das wußte ich vorher ! Sie bezahlt es mit dem Leben ! So mag sie nur erst erlöst sein ! « - Sie hätte sich ihres Todes freuen können - sie rührte sie nicht an , und Fennimor blieb stehen , bis der Krampf jeden Schlag des Herzens hinderte und die Füße zusammen brachen . Sie glich so sehr einer Leiche , daß das Gerücht , sie sei gestorben , sich verbreitete , und der Arzt selbst lange zweifelhaft blieb . Als sie endlich erwachte , war die schreckliche Nacht vorüber . Der Marquis de Souvré hatte zuweilen nachgefragt ; Emmy hatte ihm nie geantwortet . Bis zu dem Bette war er vorgedrungen ; sie hatte nicht gehindert , daß er die Leiche sah , wie sie wähnte . Gegen Morgen war er abgereist . » Die unangenehmste Reise meines Lebens ! « sagte er verdrießlich . » Was das für ein krankhaftes Geschöpf war - gleich zu sterben ! « Später erst fiel ihm ein , daß dieser Tod Leonin auf dem Gewissen liegen werde , wenn er ihm auch Freiheit gäbe . Damit beruhigte er sich . Fennimor ward nicht durch den Tod erlöst . Ihr Erwachen war sogleich vollständiges Bewußtsein . Da Emmy sie nicht entkleidet hatte , erhob sie sich augenblicklich , und ihre tiefe Seelenangst trat in jeder Bewegung hervor . » Emmy , « sagte sie leise , » er hat mich doch so sehr geliebt ! « Dabei fing sie eine Wanderung durch das Zimmer an , die Alle im Laufe der Zeit zur Verzweiflung brachte . Immer dieselbe Linie haltend , von dem Fenster an , wo sie den Todesstoß empfangen hatte , bis in den äußersten Winkel des Zimmers , und wieder zum Fenster zurück . Sie hörte Nichts um sich her ! Sie sah Nichts ! Wenn sie angeredet ward , blieb sie stehen und sagte zu Jedem : » Er hat mich so sehr geliebt ! « Der Ausdruck ihres Engelsantlitzes war dabei so , daß Niemand ihn ohne Thränen sehen konnte . Auch zu ihrem Kinde sagte sie dasselbe . Sie kannte es nicht . Emmy schien durch Nichts mehr überrascht . Sie hatte dies Alles längst in ihrem argwöhnischen Nachdenken durchlebt und that jetzt nur , was sie im Voraus beschlossen . Eine Bäuerin erschien gegen Abend , da das Kind dem Verschmachten nahe , und die Milch der Mutter jeden Falles todtbringend war . Das eigne Kind verlassend , nährte das theilnehmende Weib das verwaiste . Die Nacht verging - Fennimor wanderte fort . Der Arzt und Emmy saßen stumm einander gegenüber . Kein Mensch durfte sie berühren - es schien ihr den größten Schmerz zu machen . - Wer hätte sie auch zwingen mögen ? Doch verschwand die Blässe allmählig , hohe Röthe stieg in ihre Wangen , die glühendste Fieberhitze ergriff sie ; sie ging heftiger nur . » Beruhigt Euch , « sagte der Arzt zu Emmy - » das überlebt sie nicht - sie war ja noch Wöchnerin - die Quellen ihres Busens sind versiegt , das deutet das Fieber an - es wird ihr Tod ! « » Dann sei Gott gepriesen ! « rief Emmy wild - » die scheußliche Welt , in die sie gerathen , ist nicht werth , daß ihr Fuß länger in ihr wandelt ! « Bald öffnete das steigende Fieber den stillen Mund . Erst plauderte sie leise - dann lauter - sie lächelte - sie hüpfte - sie flog , selbst unter der Gewalt der Krankheit noch reizend schön , und wie ein glückliches Kind auf kühlem Wiesengrunde ! - Sie war in Stirlings-Bai - sie rief den Vater und lächelte ihm zu - kein Andenken ihres späteren Lebens trat hervor - ihre Kinderjahre , Emmy , der