Elise an die Tante Sie sind wieder gut und freundlich ! Ich wußte es wohl . Lange konnten Sie auf Ihr Pflegkind nicht böse sein . Nun , und der Curd , Tantchen ! der hat eine ganz andere Frau bekommen , als Ihre blasse , hagere , kränkelnde Elise . Ich versichere Sie , so ein zierliches , frisches Persönchen , so grelle Augen , und einen Anzug , wie ihn die Prinzessinnen nicht allerliebster haben können . Wenn Beide in Curds niedlicher Equipage durch die Straßen fahren , die braune Muschel , das rothe Gestell , die schönen englischen Pferde , und der Piqueur , der so gewandt voraus reitet , - Ihr Mutterherz würde doch vergnügt schlagen , nicht wahr ? Sie sind so sorglich in der Nachsendung meiner Sachen , beste Tante ! Es ist Alles aufs Beste eingepackt , hier angekommen . Da steht es nun um mich her . Auch die Kisten und Koffer aus meiner ehemaligen Wohnung in der Stadt . So eine ganze Vergangenheit ! Neulich wollte ich mich einmal putzen . Ich ließ ein Paar Paquete öffnen . Ich mußte lachen über den zerknitterten Staat von ehemals ! Und wie mir die Kleider sitzen ! Nein , Ehre hätten Sie mit mir nicht vor der Welt eingelegt ! Da ist Agathe ein anderer Schmuck Ihrer Familie . Ich soll recht glänzend an meinem Hochzeitstage erscheinen . Der Oheim will das . Er ist feierlich in Allem , und hält viel darauf . Nun sehen Sie , ich bin eine gute Wirthin , ich meinte , unter meinen ehemaligen Hoftoiletten , da würde sich wohl genug finden , um auf der Burg die nöthige Figur zu machen . Ich bin aber sehr unglücklich im Suchen , und dann wie Alle , wenn sie nur etwas haben wollen , so treffen sie immer das Unrechte , mir ging es eben so . Ich fand in einer der Kisten Georgs abgelegte Kleidchen , sein Taufzeug und meinen Brautkranz Ich habe seitdem nicht weiter gesucht ! Ich denke , kommt Zeit , kommt Rath . Wir haben auch Zeit , Tantchen ! Die Erwartung mag leicht das Beste vom Leben sein . Wir nehmen es so . - Ueberdem wissen Sie ja , ich lasse gern Andere für mich sorgen ! Ruhe und Bequemlichkeit gehen mir über Alles . Ich wurde hier unterbrochen . Ich weiß wahrhaftig nicht mehr , was ich noch sagen wollte . Nehmen Sie es für gesagt , beste Tante ! und denken Sie , es könne nichts anders gewesen sein , als die erneuerte Versicherung meiner dankbaren Liebe . Hugo an Heinrich Was das noch werden soll ! Wie das enden wird ! Ich nehme mich zusammen , ich denke nur , was ich denken will , ich arbeite angestrengt . Eine Menge arithmetischer Aufgaben liegen um mich her . Ich biete Scharfsinn und Combinationsvermögen auf , mich von jedem fremden Gegenstande abzuziehen . Aber wenn mir endlich Nachts die Augen über der Arbeit zufallen , wenn ich träume - Heinrich , ein Traum kann unser Herr werden - schämst Du Dich nicht , von der Kraft des Menschen zu sprechen ? Immer sitzt sie da , da auf demselben Fleck unter ihren Thieren . Sie giebt ihnen das Futter mit der kleinen , weißen Hand , die gelbe Hirschkuh legt das Köpfchen an ihre Kniee . Die Fremde meine ich . O , denke nicht , ich fasele von dummem Spuk , das abgedroschene Geschwätz aller modernen Tages- und Monatsblätter . Nein , von ihr , von der Fremden rede ich . Was übt dies Wesen für eine unbegreifliche Gewalt über mich aus ! Siehst Du , dies ist viel tiefsinniger , viel grauenhafter , viel verzweigter in der geheimnißvollen Verwandtschaft der Seelen , als solch phantasmagorisches Gespenst ; unbewußt verwandt mit dem melancholisch wimmernden , ruhelos umherstreifenden Weibe ! Denke es Dir , Heinrich ! was zieht sie mir nach ? was brachte sie auf die Stelle ? was wollte sie da unter den Thieren ? Ist der Zug dahin Instinkt ? und können so willenlos zwei Menschen zu einander gezogen werden ? Gab es je ein Räthsel , meiner Entzifferung werth , so ist es dies ! Aber ich gestehe Dir auch , vor dem ich schüchtern zurücktrete . Und doch läßt es mich nicht ! Wirst Du es glauben , daß ich mich nur mit Mühe zurückhalte , ihr nicht zu folgen ? Folgen , dazu gehört , daß ich wüßte , wo sie geblieben ist . Ja , wer das wüßte ! Verschwunden , sage ich Dir . Spurlos ! und gerade an dem Morgen ! Gieb mir zu , es könnte einem Ruhigern etwas in den Kopf setzen . Ich bin ein Paar Tage recht krank gewesen . Seitdem ist , wie durch ein stillschweigendes Uebereinkommen , noch nicht wieder die Rede von der Anberaumung meines Hochzeitstages gewesen . Elise - sage mir , Heinrich , hat sie aufgehört , mich zu verstehen ? oder will sie es nicht ? Leicht , heiter , unbesonnen wie ehemals , schweift sie durch alle Regionen der guten Laune umher , neckt , reizt mich , bis ein Wort , eines von den unwillkührlichen , die zuweilen aus uns herausschreien , plötzlich an die bunten Flügel ihres Leichtsinns streichen , und diese , wie verbrannt , sinken . Sie wird dann stumm , wir sitzen ängstlich bei einander , bis ich gehe . Komme ich andern Tags wieder , so scheint das nicht gewesen . Es fängt wie gestern an , und endet so . Freiheit Freiheit ! - Ich muß es bewundern , wie dem Menschen der Begriff kam , da er zum Sclaven einmal bestimmt ist . Sieh ' Dir doch nur seinen innern und äußern Zustand an , und dann prahle mit hohen Vorrechten , die nicht Leben , nicht Bestimmung bestätigen . Es ist wenig damit gethan , daß man sagt , man